Ein Aufruf zum
friedlichen Miteinander
Folge 8
Im Namen Allahs, des
Allerbarmers, des Barmherzigen, Lob sei Allah, dem Herrn der Welten. Allah segne
und schenke dem Propheten und seinen Gefährten Heil.
Friede sei mit euch!
Willkommen zur 8. Folge
unserer Sendung: "Ein Aufruf zum friedlichen
Miteinander"!
Wir werden heute unser
Gespräch über Imam Malik fortsetzen. Er ist, wie auch Abu Hanifa schon, ein sehr
gutes Beispiel für Koexistenz.
Die erste Lektion, die Allah (t)
der Menschheit gelehrt hat, ist Koexistenz: Die zwei Söhne von Adam (a)
hatten zwar die gleiche Farbe, die gleiche Religion und die gleiche Familie und
doch konnten sie nicht friedlich miteinander leben. Allah sagt:
[Und
verlies ihnen in Wahrheit die Geschichte von den zwei Söhnen Adams, als sie
beide ein Opfer darbrachten, und es von dem einen angenommen und von dem anderen
nicht angenommen wurde.]
(5:27).
Vielleicht können
unsere Folgen über die vier Imame die Wunden im Irak heilen, oder Scheidungen
verhindern. Vielleicht versöhnt sich ein Vater mit seinem Sohn, wenn sie uns
jetzt hören.
Unsere Zuschauer auf
der ganzen Welt können von diesen vier Imamen lernen, dass die Wurzeln der
Koexistenz im Islam zu finden sind.
Wir sollten einfach
unsere Verschiedenheit akzeptieren!
Heute werden wir die
Geschichte Imam Maliks im einzelnen erzählen. Er stammte aus Jemen. Sein
Großvater lebte in Jemen und wanderte dann nach Medina aus. Seine Familie war
unter der Verantwortung und dem Schutz von Bani-Taym, den Nachfolgern von Abu
Bakr (r).
Maliks Beziehung zu dieser Familie war sehr stark. Als Ergebnis davon, war er
durch die Rechtswissenschaft, Praktiken und Lehren von Abu Bakr (r) und
Umar Ibn
Al-Chattab (r) stark
beeinflusst. Abu Bakrs Ansatz war die Barmherzigkeit gegenüber
den Menschen. Der Prophet (s) hat gesagt, dass Abu Bakr der barmherzigste zu den
Menschen ist. Umars Ansatz war, die Interessen der Muslime wahrzunehmen. Malik
versuchte einen Weg zwischen beiden Ansätzen zu finden: Barmherzigkeit und
gleichzeitig den Nutzen der Menschen! Diese beiden Ansätze brachten einen
Reichtum an Möglichkeiten und vereinfachten Integration.
Es wurde gesagt, dass
Malik ein "Mawla" (ein freigegebener Sklave) war. Er hat in der Zeit von
93 bis 179 oder 185 n.H. gelebt hat. Das heißt, er wurde zwischen 89 und 92
Jahre alt. Malik wurde der "Gelehrte von Medina" genannt.
Wenn er wirklich ein
freigegebener Sklave war, so ist es interessant zu sehen, wie die damaligen
Muslime ihn als ihren Imam und Berater akzeptiert haben. Ohne Zweifel wird es
immer Klassen in der Gesellschaft geben, aber die großen Hürden zwischen
den Klassen zerstören jede Gesellschaft. Der Islam hat die Stellung der
Sklaven effektiv angehoben. Wenn ein Muslim eine Sünde begang, befahl ihm der
Prophet (s) einen Sklaven freizulassen. Wenn der Islam die Sklaverei direkt
verboten hätte, wäre ein Durcheinander passiert und die Gesellschaft wäre
unstabil geworden. Obwohl einige Menschen glauben, der Islam hätte die Sklaven
nicht befreit, so ist das ein Irrtum. Der Islam
forderte die Freigebung der Sklaven, aber stufenweise, damit kein Chaos
entstand.
Es gibt auch viele
Hadithe, die die Muslime auffordern, die Sklaven freizugeben. Später gaben die
Gefährten des Propheten ihre Sklaven frei und sie ließen die freigegebnen
weiblichen Sklaven, ihre Söhne heiraten, um die Hürden und Grenzen in der
Gesellschaft zu überbrücken. Als Folge davon entstand
eine neue Generation, zu der auch Imam Malik gehörte, die keine
Klassenunterdrückung kannte.
Dies ist ein
wunderbares Beispiel für die Koexistenz, die wir in unserer heutigen
Gesellschaft missen.
Stellt euch vor,
Muslime haben dieses Problem vor 1400 Jahren gelöst!
Obwohl Maliks Vater ein
einfacher Pfeilmacher war, akzeptierte die Gesellschaft Malik als einen
Gelehrten. Der Herrscher Harun Ar-Raschid selbst akzeptierte ihn als Lehrer und
saß zwischen seinen Studenten.
Wir können Menschen
einander näher bringen mit einem einfachen Lächeln und etwas Mitgefühl, aber
nicht mit Geld!
Malik hatte drei Söhne
und eine Tochter: Yehia, Muhammad, Abdullah und Fatima. Die Tochter war wie ihr
Vater. Sie konnte sein ganzes Buch, Al-Muwatta’, auswendig und sie saß während
der Vorträge ihres Vaters im Nachbarzimmer und korrigierte die Fehler der
Studenten. Der ältere Sohn, Yehia, dagegen führte ein Leben, das seinen Vater
verärgerte. Er betete Allah (t) an, seinen Sohn auf den rechten Weg zu führen
und tatsächlich änderte sich seine Lebensweise nach Maliks Tod.
Und dies ist wieder ein anderes Beispiel für Koexistenz zwischen
Vater und Sohn. Es gab keinen Streit zwischen ihnen, obwohl Malik seine
Lebensweise ablehnte.
Malik war sehr offen,
weil er von allen islamischen Rechtsschulen gelernt hatte, die es zu seiner Zeit
gab. Diese Schulen hatten verschiedene Ansätze und Mentalitäten und er hatte zu
allen damaligen Gelehrten Kontakt.
Seine Mutter hatte für
ihn Rabi’a als einen Lehrer und Betreuer ausgewählt. Von ihm sollte er zuerst
das gute Benehmen lernen, bevor er von seinem Wissen erwarb. Rabi’a war ein
gutes Beispiel für einen vornehmen Gelehrten. Er war immer gut angezogen und
lehrte andere, wie man zu seinen Mitmenschen höflich sein kann.
Ein anderer Lehrer war
Ibn Hurmuz. Seine Vorträge fanden in der Moschee des Propheten statt und jeder
konnte teilnehmen. Seinen Privatunterricht hielt er jedoch zu Hause. Malik war
von seinem Wissensreichtum sehr beeindruckt und wollte ein Privatschüler von ihm
werden.
Malik blieb für Stunden
vor dem Haus seines Lehrers, Ibn Hurmuz, stehen. Eines Tages hörte sein Lehrer
eine Stimme vor der Tür. Und als er fragte wer es sei, wurde ihm gesagt, der
blonde Junge. Als Malik in das Haus seines Betreuers eintrat, gab er der Magd
ein paar Süßigkeiten und sagte zu ihr: „Wenn jemand kommt und nach dem Imam Ibn
Hurmuz fragt, dann sag ihm, er ist beschäftigt und gib ihm ein paar Bonbons.“
Malik blieb sechs
Jahre, jeden Tag vom Morgengrauen, vor dem Haus seines Lehrers stehen, bis Ibn
Hurmuz seine Anwesenheit bemerkte, ohne dass Malik zu klopfen brauchte. Wenn
Malik eintrat, sagte der Lehrer: „Der Gelehrte ist gekommen! O Malik, du wirst
ein großer Gelehrter werden. O Malik, wenn du ein Gelehrter bist, so nutze dein
Wissen, um Allah zu dienen und fürchte Ihn.“ Malik war zu dieser Zeit erst 13
Jahre alt.
Als Ibn Hurmuz alt
geworden war, wurde er blind und Malik begleitete ihn zur Moschee und wieder
nach Hause, um auf dem Weg von seinem Wissen zu profitieren. Später als Ibn
Hurmuz noch älter geworden war, konnte er nicht mehr mit den Menschen sitzen und
ihre Fragen beantworten. Sein Wissen war nur noch auf Malik beschränkt. Die
Menschen fragten ihn nach dem Grund dafür und er sagte: „Mein Körper ist schwach
geworden und ich fürchte, dass auch mein Geist schwach wird. Wenn ich eure
Rechtsfragen beantworte, so werdet ihr akzeptieren was ich sage, aber Malik
nicht. Wenn Malik versteht, was ich sage, wird er es akzeptieren und wenn nicht,
wird er es lassen. Das ist der Grund, warum er der Beste ist – er denkt über
das, was ich sage, nach!“ Ibn Hurmuz vermittelte Malik sein Wissen, weil er
sicher war, dass Malik alles filtert, was er hört.
Sein dritter Lehrer war
Nafie’. Er war ein freigegebener Sklave von Abdullah Ibn Umar Ibn Al-Chattab
(r). Umars Wissen ging zu Nafie’ über und Nafie’ war der Einzige, der von
Abdullah Ibn Umar gelernt hatte.
Das heißt, Malik lernte
das Wissen von Abdullah Ibn Umar und von Umar Ibn Al-Chattab. Maliks Ziel war
der Nutzen der Menschen, genauso wie Umar Ibn Al-Chattab. Dazu ein paar
Beispiele: Während der Regierungszeit von Abu Bakr (r) starben viele Gefährten
(r) des Propheten (s), die den Koran auswendig wussten. Umar Ibn Al-Chattab (r)
schlug vor, den Koran zu sammeln, aber Abu Bakr (r) lehnte das ab, weil der
Prophet (s) nichts dergleichen getan hatte. Dennoch bestand Umar (r) darauf und
meinte, es wäre nur zum Nutzen der Menschen. Er diskutierte lange mit Abu Bakr
(r) bis er zustimmte.
Während der
Regierungszeit von Umar Ibn Al-Chattab entschied er, jedem von der Brust
entwöhnten Baby eine Beihilfe zu geben –Kindergeld in der heutigen Sprache. Er
hörte später, dass die Frauen ihre Kinder sehr früh entwöhnten, damit sie die
Beihilfe bekommen können. Er änderte seinen Beschluss sofort und entschied, dass
die Babys die Beihilfe von Geburt an bekommen.
Imam Malik erwarb sein
Wissen von Gelehrten aus verschiedenen Generationen. Und dies ist der Kern der
Koexistenz! Heutzutage hören wir von Familienmitgliedern, die miteinander
streiten, zum Beispiel über Erbschaft, was zu hässlichen Auseinandersetzungen
zwischen ihnen führt.
Imam Malik erwarb auch
Wissen von einem Gelehrten Namens Ibn Ashhab. Dieser Gelehrte hatte die
Eigenschaft nichts zu wiederholen. Einmal sagte er dreißig Hadithe in einem
Vortrag. Malik hatte nichts zum Schreiben und fand nur eine Leine. Er begann
nach jedem Hadith einen Knoten zu machen. Nachdem Ibn Ashhab seinen Vortrag
beendete, konnte Malik sich nur an 29 Hadithe erinnern. Er ging zum Imam Ibn
Al-Ashhab und bat ihn noch mal zu wiederholen. Dieser tadelte ihn aber deswegen
und Malik versprach nie wieder ein Wort zu vergessen.
Es ist hier auch
wichtig zu erwähnen, dass Malik auch von einer Frau, Aisha Bint Saa’d Ibn Abi
Waqqas, Wissen bezogen hat. Sie war eine ausgezeichnete Gelehrte zu ihrer Zeit.
Und dies ist ein weiteres Beispiel für Koexistenz. Es gab kein Problem bei
einer Frau zu lernen. Dies führt uns wieder dazu, die Rolle der Frau zu
betonen und wie sie es geschafft hat, mit ihrer Gesellschaft zu koexistieren.
Wir sehen, Malik hat
bei vielen Gelehrten gelernt und Wissen erworben. Den letzten Gelehrten, den wir
hier nennen wollen, ist Dscha’far As-Sadiq, ein großer Gelehrter. Es ist
erstaunlich, dass ein großer sunnitischer Gelehrter, wie Malik bei einem
Schiitischen Gelehrten gelernt hat. Dscha’far As-Sadiq sagte immer, dass er
stolz sei, dass Abu Bakr (r) einer seiner Vorfahren sei und er war auch stolz
über die Liebe von Imam Ali zu Umar Ibn Al-Chattab.
Also macht es keinen
Sinn, heute so was zu bestreiten!
Mit 17 Jahren hatte
Imam Malik die Genehmigung von 70 Gelehrten in Medina Fatwa zu geben. Dies
bringt uns wieder zu einem anderen Punkt: Koexistenz mit der jüngeren
Generation. Um die Erlaubnis zur Fatwa zu bekommen, musste Imam Malik
eine Prüfung ablegen. Die Gelehrten stellte ihm eine allgemeine Frage, weil ein
Gelehrter die Zustände seiner Gesellschaft kennen muss. Sie fragten: „Wie
würdest du eine verachtenswerte Person beschreiben?“ Malik antwortete: „Das ist
derjenige, der seinen Lebensunterhalt durch den Missbrauch der Religion
verdient.“ Und er erwähnte als Nachweis folgenden Vers aus dem Koran, in dem
Allah (t) den Stamm der Quraisch tadelt: [Und
ihr macht es so mit eurer Versorgung, dass ihr lügt?]
(56:82). Dann fragten sie ihn: „Welche Person ist verachtenswerter?“ Malik
antwortete: „Derjenige, der die Religion misbraucht, um anderen Geld zu geben.“
Und nach dieser Antwort gaben sie ihm die Erlaubnis, Fatwa zu erteilen.
Von Imam Maliks Leben
lernen wir auch wie die Beziehungen zwischen den Eltern und ihren Kindern sein
sollten. Wir haben zuvor schon erwähnt, wie Maliks Eltern ihm geholfen haben,
die Wichtigkeit von Wissen zu erkennen.
Imam Malik begann im
Alter von 17 Jahren Fatwa zu geben. Trotzdem achtete er bis zum Alter von 40
Jahren darauf, keinen Vortrag seiner Lehrer zu verpassen.
Tatsache ist, dass die
Art und Weise wie Maliks Gelehrte miteinander umgingen, ihm die Flexibilität im
Umgang mit den Menschen beigebracht hat. Sie respektierten einander und dies ist
die beste Methode, um Vertrautheit zwischen den Menschen und den Nationen zu
schaffen. Die Jüngeren werden von der Idee des
gegenseitigen Respekts angeregt, wenn sie sehen, dass sich die Älteren
gegenseitig respektieren. Dieselbe Idee lässt sich natürlich auch innerhalb der
Familie anwenden.
Einmal saß Malik mit
den Gelehrten Ibn Shihab und Rabi’a, als eine Frage gestellt wurde. Die Antwort
gefiel Imam Malik nicht, aber da es keine wesentliche Frage war, blieb er still
und sagte nichts in Gegenwart seines Lehrers. Als er später nach dem Grund für
sein Schweigen gefragt wurde, antwortete er, dass Höflichkeit gegenüber seinen
Lehrern wichtiger ist, als ihre Meinungen zu korrigieren (wenn es sich nicht um
eine Grundsatzfrage handelt).
Wir, Menschen, sollten
uns also gegenseitig vergeben und uns versöhnen!
Imam Malik trug teure
Kleidung und liebte es gut zu essen. Einige Leute zu der damaligen Zeit tadelten
ihn dafür. Und er sagte: „Allah ist schön und er liebt das Schöne.“ Einmal bekam
er von einem Mann einen Brief, in dem er für seine hohen Ausgaben für Kleidung
und Essen getadelt wurde. Der Mann riet ihm, Allah in allen Dingen zu fürchten.
Malik akzeptierte
seinen Ratschlag und dankte ihm.
Er antwortete höflich
mit einem Vers aus dem Koran: [Sprich:
"Wer hat die schönen Dinge Allahs verboten, die Er für Seine Diener
hervorgebracht hat und die guten Dinge der Versorgung?" Sprich: "Sie sind für
die Gläubigen in diesem Leben (und) ausschließlich (für sie) am Tage der
Auferstehung." So machen Wir die Zeichen klar für Leute, die Wissen haben.]
(7:32).
Wir sollten Ratschläge
akzeptieren, ohne zu empfindlich oder arrogant zu sein. Der Prophet (s) sagte:
„Es gibt drei Zeichen für einen Heuchler. Zu diesen gehört, sich bei Konflikten
unmoralisch zu verhalten.“
Imam Malik schaffte es,
das Leben zu genießen und gleichzeitig ein frommer Anbeter Allahs (t) zu sein.
Er weinte, als er folgenden Vers rezitierte: [Dann
werdet ihr, an jenem Tage, nach dem Wohlstand befragt.]
(102:8).
Unsere letzte
Aussage für heute ist: „Lebe mit den anderen in Frieden und bleibe ein frommer
Anbeter Allahs
ta'ala: erhaben. Wird der
Erwähnung Allahs beigefügt: Allah, der Erhabene.
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