"Ein Aufruf zum
friedlichen Miteinander"
Folge 3
Im Namen Allahs, des
Allerbarmers, des Barmherzigen, Lob sei Allah, dem Herrn der Welten. Allah segne
und schenke dem Propheten und seinen Gefährten Heil.
Friede sei mit euch!
Willkommen zur
dritten Folge unserer Sendung: "Ein Aufruf zum friedlichen Miteinander"
Eine Grundeigenschaft
der Natur, ja des gesamten Universums ist Verschiedenheit. Trotzdem existieren
und leben wir alle zusammen. Und genau dies ist unser Thema:
"Koexistenz" leitet
sich nämlich von "Existenz" ab. Während Existenz aber nur das Leben selbst
umfasst, schließt Koexistenz das Zusammenleben ein. Wir sollen also
friedlich miteinander leben, obwohl wir verschieden sind. Genauso wie
alles in der Natur verschieden ist und gleichzeitig doch in einer einzigen
Harmonie zusammenwirkt. Das heißt, wir können unterschiedliche Meinungen haben,
aber müssen miteinander kommunizieren, einander respektieren und akzeptieren.
Der Anlass zu diesem
Programm sind die harten Zustände, die heutzutage überall auf der Welt herrschen
und unsere arabischen und islamischen Gesellschaften stark beeinflussen.
Ich spreche über
unser alltägliches Leben, das in letzter Zeit ziemlich schwer geworden ist. Ich
rede von Eheproblemen, Depressionen und dem Anstieg von Scheidungen, weil viele
unter uns nicht wissen, wie sie in ihren eigenen vier Wänden friedlich
miteinander leben können. Dabei sind nicht nur die Ehepartner betroffen, sondern
auch die Kinder.
Es gibt eine große
Kluft zwischen den Jugendlichen und ihren Eltern. Seht wie sehr sich Drogen und
Gewalt verbreitet haben! Unsere Jugendlichen haben einen guten Kern, aber das
Problem ist, dass viele Erwachsenen nicht wissen, wie sie mit ihnen
zurechtkommen können.
Schaut was in
Palästina los ist! Viele Palästinenser sind nicht in der Lage, friedlich
miteinander zu leben. Das gleiche passiert im Irak, Libanon und in Darfur. Ganz
zu schweigen von den Missverständnissen zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in
Europa und Amerika, obwohl sie seit Jahrzehnten „miteinander“ leben!
Das Motto dieser
Sendung wird der folgende Koranvers sein: [O ihr Menschen, Wir haben euch aus
Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf dass ihr
einander erkennen möget.] (49:13). Aus diesem Vers lässt sich erkennen, dass
wir in der Tat unterschiedlich sind – Gott hat die Menschen so erschaffen! Dies
soll dazu dienen, dass wir uns kennen lernen, miteinander leben, um uns
gegenseitig zu bereichern.
Harmonie zwischen den
Menschen ist also keine freie Wahl im Islam, sondern eine Verpflichtung.
Überlegt euch doch!
Jeder Rechtssatz im Islam zielt darauf ab, Frieden unter den Menschen zu
stiften, nicht nur unter den Muslimen.
Unsere Absicht
besteht zum Einen darin, den folgenden Vers in die Tat umzusetzen: [Die
Gläubigen sind ja Brüder. So stiftet Frieden zwischen euren Brüdern]
(49:10). Zum Anderen ist Koexistenz unser Ziel, selbst wenn wir vollkommen
verschieden sind und gegensätzliche Meinungen vertreten. Wir werden einander
erst dann vertrauen, wenn wir friedlich miteinander leben können. Erst dann
können wir von einem Aufschwung reden. Der erste Schritt ist, dass jeder von uns
mit sich selbst Frieden schließt und sein Bestes tut, um mit anderen friedlich
zusammenzuleben.
Die vier Imame, Abu
Hanifa, Malik, Al-Schafi’i und Ibn Hannbal, gelten als die Ersten, die die
islamische Rechtswissenschaft fundiert haben und ihre eigenen Schulen hatten.
Rechtswissenschaft ist eine der wichtigsten Wissenschaften im Islam. Sie dient
dazu, Lösungen für die verschiedenen Probleme der Menschen im Rahmen von Koran
und Sunna, de Lebensweise es Propheten Muhammad (s)[i],
zu finden.
Wir werden mit der
Lebensgeschichte von Imam Abu Hanifa beginnen; ein vorbildliches Beispiel für
Koexistenz. Er ist persischen Ursprungs und sein vollständiger Name ist
Nu’man Ibn Thabit Al-Mazraban. Sein Geburtsort war in Kufa im Jahr 80 nach
der Hidschra (n.H.) und er starb im Jahr 150 n.H.; er hat also 70 Jahre gelebt.
Abu Hanifa ebnete den
Weg für alle, die nach ihm kamen. Er war der Erste, der die Grundlagen für die
islamische Rechtswissenschaft etablierte.
Die Gelehrten meinen,
man solle Abu Hanifa in seinen Bittgebeten einschließen, weil er der Erste war,
der die islamische Rechtswissenschaft und die islamische Gesetzgebung geformt
hat!
Auch Gelehrten
nicht-arabischen Ursprungs war es möglich, Wissen zu erwerben und intensive
Forschung zu betreiben. Viele unter ihnen zeichneten sich in den Wissenschaften
aus, denn sie wollten zu dem Aufschwung der gesamten islamischen Nation
beitragen. Auf der anderen Seite akzeptierten die arabischen Gelehrten, die
Studien anderer Islamwissenschaftler. Es herrschte somit ein Gleichgewicht
zwischen beiden Gruppen und als Folge davon entstand eine einheitliche,
verbundene Gesellschaft, die keinen Wert auf „Herkunft“ legte.
Seht ihr wie positiv
der Islam die Denkweise und Lebenseinstellung der Leute beeinflusst hat?!
Sind denn alle
Mitglieder einer heutigen Gesellschaft bereit, einander so zu akzeptieren wie
die damaligen Muslime? Ein Mann wie Abu Hanifa wurde von der Gesellschaft
anerkannt, obwohl er persischen Ursprungs war. Später wurde Abu Hanifa als der
„Beste Imam“ und als der „Imam der Imame“ bekannt.
Abu Hanifa ist in
Kufa (im Irak) aufgewachsen, dem Zentrum der islamischen Herrschaft. Abu Hanifas
Vater war ein durchschnittlicher Händler. Als Abu Hanifa 17 Jahre alt war,
entschied er sich, den Laden seines Vaters zu modernisieren. Er suchte nach dem
besten Lehrer, um das Wesen des Handels und der Wirtschaft zu erlernen. Es ging
ihm zu diesem Zeitpunkt nicht um das Studium, sondern einfach nur darum,
erfolgreich zu sein. Er hatte eine wissenschaftliche Neigung zu allen Dingen im
Leben.
Interessant! Wie
viele Geschäftsmänner kennt ihr, liebe Zuschauer, die heute ihr Unternehmen auf
wissenschaftlicher Basis etablieren und die Grundlagen der Wissenschaft in ihrem
Handel anwenden?
Abu Hanifa bat seinen
Vater, den Laden umzubauen und in wenigen Jahren war er der Eigentümer eines der
größten Geschäfte im Irak. Er war immer erfolgreich in allem, was er tat. Sein
Vater erlaubte ihm, das Geschäft zu übernehmen und sie wurden von Tag zu Tag
reicher. Ihr Jahreseinkommen betrug 200.000 Dirham. Stellt euch mal vor! Abu
Hanifa behielt allerdings nur 4.000 jährlich für sich und seine Familie und
spendete den Rest für gemeinnützige Zwecke.
Dies ist doch ein
großartiges Beispiel für das friedliche Miteinander zwischen Vater und Sohn,
oder? Heutzutage finden wir viele Konflikte zwischen den Generationen, wenn der
Sohn in das Geschäft des Vaters einsteigt. Der Vater will die alte Methode
behalten und der Sohn will seine Methode anwenden und Neuerungen einführen. Es
kommt zu Streitigkeiten, weil jeder auf seiner Meinung beharrt. Es fehlt an
Koexistenz zwischen den Generationen. Sind wir denn heute nicht in der Lage, das
zu tun, was 80 Jahre n.H. bereits möglich war?
Eines Tages traf Abu
Hanifa einen Gelehrten namens Al-Shaabii, einer der größten und bekanntesten
islamischen Gelehrten. Al-Shaabii fragte Abu Hanifa bei welchen Gelehrten er
denn lerne. Abu Hanifa war zu dieser Zeit ein großer Händler. Al-Shaabii meinte
jedoch Islamwissenschaften. Er fand in Abu Hanifa die Intelligenz und den
Antrieb, der nicht durch Handel allein gesättigt werden konnte. Wissenschaft war
der Ratschlag von Al-Shaabii an Abu Hanifa, um seine Intelligenz zu nutzen.
Heutzutage brauchen
wir Leute wie Al-Shaabii, nicht wahr?
Viele Talente werden
geboren und sterben ohne erkannt zu werden. Al-Shaabii sah Abu Hanifa und
erkannte auf dem ersten Blick, dass Handel nicht das Einzige war, in dem Abu
Hanifa erfolgreich sein konnte. Wenn er Religionswissenschaften lernen würde,
dann wäre er bestimmt einzigartig. Al-Shaabiis Worte führten zum Hervortreten
eines großen Imams im Islam, der die erste islamische Schule der
Rechtswissenschaft gründete und bis heute der berühmteste ist.
Abu Hanifa
informierte sich über die verschiedenen Wissenschaften, die man zu seiner Zeit
studieren konnte. Er erfuhr, dass man Koran, Hadith, Sprachwissenschaft, Poetik
und Rechtswissenschaft studieren konnte. Er erkundigte sich genau nach den
einzelnen Wissenschaften und stellte dabei die folgenden Fragen: Was lernt man?
Welchen Abschluss kriegt man? Und was wird man in Zukunft, wenn man auf einem
bestimmten Gebiet Karriere macht?
Die islamische
Rechtswissenschaft sagte ihm am meisten zu. Er ging wieder zu Al-Shaabii und
fragte ihn, ob er ihn für diese Wissenschaft für geeignet hielt. Al-Shaabii
ermutigte ihn, Rechtswissenschaft zu studieren. So erkundigte sich Abu Hanifa
nach dem besten Gelehrten auf diesem Gebiet und erfuhr, dass es Hammad Ibn
Abu Sulayman war.
Wie findet ihr die
Vorgehensweise von Abu Hanifa, liebe Jugendlichen?
Viele unter euch
besuchen die eine oder andere Universität nur, weil sie die verlangte Note
bekommen haben ohne sich mit dem Bedarf auf dem Arbeitsmarkt richtig auseinander
zu setzen, stimmt’s?
Abu Hanifa dagegen,
hat sich genau erkundigt was man studieren kann, welches Ziel man mit diesem
Studium erreichen kann und was die höchstmögliche Stufe war. Er hat sich sehr
gut auf das Studium vorbereitet.
Meint ihr nicht, dass
dies eine Art „Koexistenz“ ist? – Ich lebe in Frieden mit mir selbst. Ich
habe keine inneren Konflikte.
Der junge Imam Abu
Hanifa schlug also den Weg der Rechtswissenschaft ein. Er begleitete Hammad 18
Jahre lang. Nach drei Jahren stellte Hammad fest, dass Abu Hanifa sehr begabt
war und sich schnell entwickelte. Er erlaubte ihm, von nun an neben ihm zu
sitzen und sich am Lehrvortrag zu beteiligen.
Liebe Lehrer und
Professoren!
Ich bin mir sicher,
dass jetzt viele unter Ihnen Hammad nachahmen wollen, nicht wahr? Bitte gebt den
Qualifizierten und Begabten eine wahre Chance und verhelft ihnen zum Erfolg. Sie
werden Ihnen ganz bestimmt dankbar sein, so wie Abu Hanifa seinem Lehrer,
Hammad, sein Leben lang dankbar war.
Koexistenz ist so
deutlich zu erkennen in der damaligen islamischen Gesellschaft, die den Erfolg
eines jungen Gelehrten persischen Ursprungs erlaubte. Koexistenz ist deutlich zu
erkennen zwischen den Gelehrten dieser Gesellschaft, die einem Händler erlaubten
in ihre Reihen zu treten. Und Koexistenz ist auch bei Hammad zu erkennen, der
Abu Hanifa als seinen Studenten akzeptierte und später als einen Kollegen.
Noch deutlicher wird
die Koexistenz, wenn Hammad keine Einwände hat, dass Abu Hanifa andere Gelehrten
aufsucht, um Wissen zu erwerben. Abu Hanifa ging zu Dschaafar As-Sadiq, einem
der Begründer der Schiitischen Rechtswissenschaft und lernte bei ihm. Weder
Hammad hatte Einwände noch Dschaafar As-Sadiq. Sie hatten manchmal verschiedene
Auffassungen, doch respektierten sie einander. Während seines Studiums, hatte
Abu Hanifa einige Einwände gegen die Schiitische Rechtswissenschaft und
Dschaafar As-Sadiq akzeptierte seine Meinung.
Das ist wieder ein
großartiges Beispiel für Koexistenz in einer gesunden Gesellschaft, in der das
friedliche Miteinander groß geschrieben wird!
Koexistenz ist in
unserem täglichen Leben von großer Bedeutung und führt dazu, dass jeder in
Frieden lebet mit sich selbst, mit der Familie, mit den Lehrern und mit der
Gesellschaft.
Denkt bitte über
diesen Vers noch mal nach: [...
Wir haben euch aus
Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf dass ihr
einander erkennen möget.]
(49:13).
Nach zehn Jahren war
Abu Hanifa der Meinung, dass er genug gelernt hatte und nun selbst seinen
eigenen Lehrkreis gründen konnte. Mit dieser Entscheidung ging er zu Hammad.
Doch als er ihn in seinem Kreis sitzen sah, schämte er sich für seine Gedanken
und setzte sich in den Kreis der Studenten. Er vermied es, an diesem Tag neben
Hammad zu sitzen. So sehr schämte er sich für seinen Gedanken. Noch am selben
Tag erfuhr Hammad, dass ein Verwandter von ihm in Bassra gestorben war und
musste verreisen. Er musste seinen Lehrkreis verlassen und bat Abu Hanifa,
seinen Platz bis zu seiner Rückkehr einzunehmen.
Abu Hanifa übernahm
die Vertretung für zwei Monate. Während dieser Zeit wurde er mit Fragen
konfrontiert, die nie zuvor gestellt wurden. Als Hammad zurückkehrte,
präsentierte Abu Hanifa ihm diese Fragen. In vierzig von den sechzig Fragen
stimmte Hammad mit seinem Urteil überein, aber in den anderen zwanzig Fragen
widersprach er ihm. Abu Hanifa verstand den Widerspruch und ärgerte sich nicht.
Ganz im Gegenteil! Er sagte: „Ich habe zwanzig neue Sachen gelernt.“
Wie findet ihr diese
Teamarbeit, meine Damen und Herren? Hervorragend, nicht wahr? So muss es doch
sein!
Abu Hanifa war
vierzig Jahre alt, als er die großartigste Schule der islamischen
Rechtswissenschaft gründete. Er bildete eine Gruppe von vierzig Gelehrten aus
allen damals bekannten Fachbereichen: Koran, Koraninterpretation, Hadith,
Sprache, Poetik und Wirtschaft. Diese Gruppe hatte den Auftrag, die Probleme und
Bedürfnisse der Gesellschaft zu sammeln und nach Lösungen im Koran und der Sunna
zu suchen.
Tausende von Menschen
nahmen an diesen Sitzungen teil. Die vierzig Experten saßen in den ersten
Reihen. Abu Hanifa eröffnete die Sitzung, indem er ein Problem darstellte; dann
begann die Diskussion. Man analysierte das Problem, diskutierte und suchte nach
Lösungen. Ein Mitglied hatte die Aufgabe, Protokoll zu führen. Die Sitzung wurde
solange fortgesetzt bis man zu einem Urteil kam. Die Mitglieder sagten ihre
Meinung, indem sie sich zuerst meldeten und warteten, bis sie sprechen durften.
Schließlich gelangte man auf Grund der Diskussion und des umfangreichen Wissens
in diesem Kreis zu einer gemeinsamen Lösung des Problems.
Was passierte aber,
wenn die gemeinsame Meinung der von Abu Hanifa widersprach? Kein Problem, die
Entscheidung war immer das Ergebnis der Gruppendiskussion!
Abu Yusuf, einer von
Abu Hanifas auserwählten Studenten, der später oberster Richter im islamischen
Staat wurde, schrieb die Urteile (Fatwa) auf und wie man zu dieser Entscheidung
kam.
Diese Gruppe
arbeitete dreißig Jahre lang und überbrückte somit die Kluft, die sonst
entstanden wäre zwischen dem weltlichen Leben, das sich sehr schnell
entwickelte, und der Religion.
Man hat nämlich alle
Rechtsfragen in Abu Hanifas Gruppe behandeln können!
Abu Hanifa war
außerdem der Erste, der Stipendien vergab. Abu Yusuf war ein sehr begabter, aber
armer Student. Abu Hanifa hatte ihn gern in seinem Kreis. Als er öfter nicht
erschien, fragte er ihn nach dem Grund seiner Abwesenheit. Er sagte ihm, dass er
arbeiten musste, weil er Geld brauchte. Daraufhin gab ihm Abu Hanifa einen
Geldbeutel mit 100 Dirhams, damit er regelmäßig am Kreis teilnehmen konnte.
Später bestimmte er ein festes monatliches Gehalt für ihn.
Eines Tages entschied
sich Abu Yusuf, seinen eigenen Lehrkreis zu gründen und selbst Lehrer zu werden.
Abu Hanifa ließ ihn drei Tage, dann sandte er einen Mann zu ihm mit dem Auftrag,
folgende Frage zu stellen: „Ein Mann geht zu einem Schneider (Abu Yusuf war
ursprünglich ein Schneider) und bittet ihn, sein Gewand zu kürzen. Sie einigen
sich auf den Betrag von einem Dirham. Am nächsten Tag kommt der Mann und stellt
fest, dass das Gewand noch nicht gekürzt wurde. Am nächsten Tag geht er wieder
zum Schneider. Der Schneider streitet ab, ein Gewand vom Mann bekommen zu haben.
Am nächsten Tag geht der Mann wieder vorbei und erkennt sein nun gekürztes
Gewand zum Verkauf ausgehängt. Er geht zum Schneider und verlangt sein Gewand.
Der Schneider gibt es ihm verlegen zurück. Die Frage ist nun: Bekommt der
Schneider Geld für seine Arbeit oder nicht?“
Abu Yusuf sagte: „Ja,
der Schneider bekommt seinen Lohn.“ und der Mann meinte: „Die Antwort ist
falsch.“ Abu Yusuf überlegte einen Moment, dann sagte er: „Nein, nein, der
Schneider bekommt keinen Lohn“ und der Mann sagte wieder: „Falsch“. Abu Yussuf
bat die Gruppe, einen Moment zu warten und ging zum Lehrkreis von Abu Hanifa.
Abu Hanifa traf ihn
allein und sagte ihm: „Kommst du etwa wegen der Frage mit dem Schneider?“ Abu
Yusuf sagte: „Ja“. Da sagte Abu Hanifa: „Wenn der Schneider das Gewand gekürzt
hat, bevor er die Absicht hatte, es zu entwenden, dann verdient er den Lohn.
Wenn der Schneider es aber erst danach gekürzt hat, so verdient er keinen Lohn“.
Abu Hanifa sah Abu Yusuf an und sagte: „Wer auch immer glaubt, alleine
existieren zu können, ist wirklich bemitleidenswert. Ich habe großes
Vertrauen zu dir. Wenn du uns verlässt, wirst du vieles verlieren und auch wir
werden vieles verlieren. Abu Yusuf blieb bei Abu Hanifa bis zu seinem Tod.
Danach wurde er oberster Richter für den gesamten islamischen Staat.
Bitte nehmt euch
Zeit, über diese Geschichte nachzudenken - über die Logik, Weisheit und Toleranz
der damaligen islamischen Gelehrten.
Schaut euch bitte
unsere islamische Geschichte genau an!
Heutzutage wird uns
nämlich vorgeworfen, dass sich der Extremismus bei uns verbreitet hat, weil die
damaligen islamischen Gelehrten unflexibel waren und veraltete Methoden
anwandten. Bei allem Respekt! Das stimmt einfach nicht!
Es gibt noch mehr
Beispiele aus den Lebensgeschichten der vier Imame. Ich habe bis jetzt nur ein
paar erwähnt!
Bitte lasst uns
überlegen wie wir in Harmonie miteinander leben können - aus Liebe zum Gott, zu
Seinem Gesandten (s) und zu unseren großartigen islamischen Gelehrten – aus
Liebe zur Menschheit!
[Und haltet allesamt
an Allahs Seil fest, und zerfallet nicht]
(3:103).
Allahs Friede sei
mit euch.
[i]
-
salla-l-lahu
'alaihi wa sallam:
Allah segne ihn und schenke ihm Heil. Segensformel, die nach koranischer
Aufforderung (vgl. 33:56) bei der Erwähnung des Propheten Muhammad
gesprochen werden soll. Nach islamischer Tradition wird dies vor allem
regelmäßig bei der Erwähnung des Propheten getan.
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