Übersetzung
der Zusammenfassung der neuen Vortragsreihe von Amr Khaled:
"In Deinem
Namen leben wir"
Neunte Folge:
Allahs Name "Al-Wakil“, Der Höchste Sachwalter
Im Namen Allahs,
des Allerbarmers, des Barmherzigen, Lob sei Allah, dem Herrn der Welten. Allah
segne und schenke dem Propheten und seinen Gefährten Heil.
Friede sei mit
euch!
Heute werden wir einen sehr schönen
Namen besprechen, der uns ein Gefühl der Geborgenheit, Sicherheit und Zuversicht
vermittelt. Diesen Namen zu verstehen ist besonders für die Niedergeschlagenen
und Besorgten nützlich, und für die, die sich wegen der Zukunft Sorgen machen.
Wir werden den Namen "Al-Wakil" besprechen, "Der Höchste Sachwalter".
In der heutigen Folge behandeln wir
fünf Punkte:
·
eine Einleitung
·
die Bedeutung des
Namen " der Höchste Sachwalter"
·
die Einschätzung,
ob jemand wahrhaft Allah, Dem Erhabenen, vertraut
·
Beispiele der Unterstützung
Allahs (t)[i]
und Seine Hilfe zum Sieg derjenigen, die Ihm vertrauen, sowie auch einige schöne
Bedeutungen des Namens "Der Höchste Sachwalters".
Zuerst die
Einleitung. Alle sollten die Bedeutung des "Höchsten Sachwalters" verstehen,
seien sie Eltern, die sich Sorgen um ihre Kinder machen, Jugendliche, die um
ihre Zukunft, Berufs- und Heiratsaussichten bangen oder was auch immer.
Dieser Name rührt jeden, der der
etwas Wichtiges vor hat, aber gleichzeitig Angst vorm Versagen hat. Jeder
Einzelner dieser Gesellschaft sollte den Namen verstehen.
Was bedeutet nun "Der Höchste
Sachwalter"?
Gehen Sie in ein Notarbüro um
jemandem eine Generalvollmacht an einen Vormund oder Betreuer oder Sachwalter zu
erteilen, werden Sie gefragt, ob Sie sich Ihrer Sache ganz sicher sind. Eine
Generalvollmacht heißt, dass Ihre Sachwalter in jeder Hinsicht alles in Ihrem
Namen mit Ihren Geschäften tun darf. Eine Generalvollmacht zu erteilen erfordert
von der betrauten Person dreierlei:
(1) Er muss Ihrem Vertrauen würdig
sein,
(2) er muss die nötige Erfahrung
haben und
(3) er muss sich Ihrer Sache
ernsthaft annehmen.
Man findet nicht so leicht einen,
der allen drei Anforderungen gerecht wird. Doch Allah - der "Höchste Sachwalter"
- erfüllt sie alle.
Vor jedem Vers, in dem Allah
Menschen auffordert, Ihn zum Sachwalter zu nehmen, wird seine Macht und
Befehlsgewalt unterstrichen. Allah (t) sagt im Koran: ["Und Allahs ist das
Verborgene in den Himmeln und auf der Erde, zu Ihm werden alle Angelegenheiten
zurückgebracht werden. So bete Ihn an und vertraue auf Ihn. Und dein Herr ist
nicht achtlos eures Tuns."] (11: 123). Er (t) sagt auch: ["Der Herr des
Ostens und des Westens. Es gibt keinen Gott außer ihn. Darum nimm Ihn dir zum
Sachwalter"] (73: 9).
Fühlst du dich geborgen angesichts
solcher Verse?!
Wir vertrauen Allah, da Er der Herr
der Welten ist und alles im Weltall Ihm gehört. Wie können wir Menschen trauen,
die von Natur aus schwach erschaffen sind, und Ihm nicht?
Missversteht mich bitte nicht!
Sicher müssen wir auch Menschen vertrauen und auf sie zurückgreifen, wenn wir
Hilfe brauchen. So gehen wir zum Beispiel zu einem fähigen Arzt, wenn wir uns
krank fühlen und suchen Beamte auf, wenn wir Geschäftliches erledigen müssen.
Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass nur Allah allein die Macht und Aufsicht
über alle Dinge hat.
Was also bedeutet nun "Der Höchste
Sachwalter"? Das bedeutet, dass Er wohlwollend die Anliegen Seiner Diener
verwaltet und betreut. Er überlässt sie niemandem anderen. Seien auch alle
andere gegen dich - sei unbesorgt, denn Allah ist dein Sachwalter, und Er wird
deine Anliegen schützen.
Betrachten wir folgenden Vers:
[Diejenigen, zu denen die Menschen sagten: 'Die Menschen haben sich ja wegen
euch versammelt, also fürchtet sie!’ so vermehrte es ihnen den Glauben, und sie
sagten: 'Uns genügt Allah, und wie gnadenreich ist der Sachwalter.’] (3:
173). Hier geht es um die Gefährten des Propheten nach der Schlacht von Uhud.
Viele von ihnen starben und wurden in der Schlacht verletzt, und der Rest war
mitgenommen und erschöpft. Der Prophet (s)[ii]
wusste, dass die Quraisch zu einer weiteren Schlacht zurückkehren könnten, und
er sagte ihnen, dass keiner bei ihm kämpfen sollten außer seinen Gefährten von
der Schlacht von Uhud. Auf dem Weg nach Medina trafen sie an einem Ort namens
"Hamra' al-Asad" auf einen Boten der Quraisch, den diese zur Verunsicherung der
Muslime ausgesandt hatten. Er sagte dem Propheten, dass die Quraisch nochmal die
Rüstungen angelegt hatten und im Verbund mit den ganzen Arabern zurückkehren
werden. Der Prophet (s) antwortete darauf nichts, rief aber seinen Gefährten zu:
'Uns genügt Allah, und wie gnadenreich ist der Sachwalter.’ Das erschreckte den
Boten, der bald mit diesen Worten zu den Quraisch zurückkehrte.
Oder der folgende Vers: ["Und so
kehrten sie durch Allahs Gnade und Huld heim ohne dass man ihnen etwas Böses
angetan hätte. Sie strebten nach dem Wohlgefallen Allahs. Und Allah ist voller
Huld."] (3: 174)
So kommt es also, dass der Prophet
(s) uns lehrt, immer auf Allah zu vertrauen. Eine der Dhikr (Gedenken Allahs),
die er uns empfohlen hat, morgens und abends vorzusagen ist: "Allah genügt mir,
keinen Gott gibt es außer Ihm, auf Ihn vertraue ich, Er ist der Herr des
Prachtvollen Throns". Er (s) lehrt uns, dass wer dieses sieben mal sagt, dessen
Anliegen wird Allah im Diesseits und im Jenseits schützen.
Und ähnlich empfahl der Prophet (s)
uns zu sagen, bevor wir unsere Häuser verlassen: "Im Namen Allahs, ich vertraue
auf Allah, und keine Macht und keine Kraft gibt es außer bei Allah". Wer dieses
sagt, wird rechtgeleitet, geschützt und kein Satan wird ihn verführen können.
Welche Zeichen zeigen, dass du
deine Seele an Allah anvertraust?
·
Erstens:
Wenn du den Namen des Höchsten Sachwalters wiederholst und dabei das Gefühl
hast, in schwierigen Lagen deine Seele Allah anzuvertrauen, dann vertraust du
wirklich im tiefsten Inneren Allah. Unser Beispiel ist Ibrahim (as)[iii]
(Abraham). Als er etwa 16 Jahre alt war, wurde er wegen Zerstörung von
Götzenbildern, die sein Stamm anbetete, angeklagt. Infolge dieser
unentschuldbaren Sünden wurde er zum lebendigen Verbrennen verurteilt. Man baute
dafür eine Brennvorrichtung auf, in deren Feuer er nun verbrannt werden sollte.
Im Koran steht: [Sie sagten: 'Verbrennt ihn und helft euren Göttern, wenn ihr
etwas tun wollt'] (21:68). Doch Ibrahim (as) behielt standhaft sein
Vertrauen in Gott. Als er ins Feuer geworfen werden sollte, kam der Engel
Dschibril (as) (Gabriel) zu ihm und fragte, ob er etwas haben möchte. Er
antwortete, dass er von Dschibril (as) nichts wünschte, nur von Allah. Er sagte:
'Allah genügt mir, denn Er ist der beste Sachwalter'. Als Belohnung für sein
Vertrauen in Allah, beorderte Er, der Allmächtige, dem Feuer, sich so zu ändern,
dass Ibrahim (as) nicht von ihm verbrannt wurde. Allah sagt dazu im Koran:
[Wir sagten: 'Feuer, sei kalt und Frieden über Ibrahim!'] (21: 69).
·
Zweitens:
Je schlimmer die Lage ist, desto mehr neigt man zum Aufgeben, aber derjenige,
der auf Allah vertraut, bleibt zuversichtlich, selbst wenn die Lage noch
düsterer wird. Der Höchste Sachwalter prüft dich, wenn er die weltlichen Dinge
zerstört, auf die du angewiesen bist. Wer dabei verzweifelt, hat nicht wirklich
auf Allah vertraut. Ein deutliches Beispiel gibt der Prophet (s) im Jahr des
Kummers. Sowohl sein Onkel Abu Talib als auch seine Frau Chadidscha starben
innerhalb eines Monats, als sie gerade am meisten gebraucht wurden. Dadurch
teilte Allah seinem Propheten mit, dass Er der Beschützer und der Höchste
Sachwalter ist.
Ein weiteres Beispiel aus der
Sira, dem Leben des Propheten Muhammad (s) ist seine Reise nach at-Taif. Er
ging etwa 100 km zu Fuß, um die Leute in at-Taif zum Islam einzuladen, doch sie
weigerten sich, ihm zu glauben. Sie bewarfen ihn sogar mit Steinen, bis seine
Füße bluteten, doch der Höchste Sachwalter war immer da für ihn. Auf seinem Weg
nach Mekka, glaubte ein Junge namens Addas an seine Botschaft. Später als der
Prophet (s) anfing, den Koran laut vorzutragen, hörten ihn die Dschinn und
glaubten fortan an Allah. Danach trugen sich die Ereignisse von al-Israa und
al-Mi’radsch[iv]
zu, bei denen der Prophet (s) im Himmel geehrt wurde. Schließlich nahmen die
Ansar (Bewohner von Medina) den Islam an und unterstützten ihn bis zur Hidschra,
der Auswanderung von Mekka nach Medina.
Allah beschließt bestimmt das Beste
für dich, also vertrau Ihm!
·
Drittens,
verdien nie dein Brot auf unerlaubte Weise, denn Allah ist der Erhalter und der
Versorger. Das Kind im Mutterleib ist durch das mütterliche Blut mit Nahrung
gesegnet. Wenn es geboren wird, weint es wegen des Verlusts, und so gibt ihm
Allah zwei Quellen in Tausch, nämlich die Brüste für die Muttermilch. Nach der
Entwöhnung weint es nach dem Verlust von ihnen, aber dafür bekommt es jetzt
Fisch, Fleisch und Milch. Auf seinem Sterbebett weint man wegen des Verlustes
dieser Welt, und so öffnet Allah Dschanna (das Paradies), das acht Tore hat. Wie
klein und machtlos ist der Mensch eigentlich!
·
Viertens,
sei nicht allzu besorgt um die Zukunft. Denn zu viel Angst bedeutet, dass du
nicht auf Allah vertraust.
·
Fünftens,
arbeite hart und vertrau gleichzeitig auf den Höchsten Sachwalter. Ein Beispiel
hierfür ist die Hidschra - die auf die beste Weise zeigt, wie man seine Seele an
Allah vertrauen kann. Der Prophet (s) war auf weltliche Dinge angewiesen und
bereitete sich vorbildlich und einfallsreich vor. Als er aber mit seinem
Gefährten von den Quraisch ereilt wurde, setzte er sein Vertrauen in Allah und
sagte beruhigend zu Abu Bakr: "Welches Schicksal glaubst du, ist für Leute
bestimmt, denen Allah beisteht?" (vgl. 9:40).
Beispiele des Anvertrauens der
Seele an Allah:
·
Hadschar, die Frau
Ibrahims (as), war ein schönes Beispiel des Anvertrauens der Seele an Allah, als
Ibrahim (as) sie mit ihrem kleinen Kind Ismail in der Wüste hinterließ. Sie
fragte Ibrahim (as), ob es Allah war, der ihn beauftragt hatte, dieses zu tun,
und als er dieses bestätigte, sagte sie mit Überzeugung: "Dann wird Er uns auch
nicht im Stich lassen".
·
Eine angenehme Gelegenheit
zum Anvertrauen der Seele an Allah ist das Istichara-Gebet[v].
Istichara gibt ausschließlich gute Ergebnisse, weil es ein Vertrauen auf Allahs
Wahl ist. Man sollte dennoch nie untätig bleiben! In der Reise al-Israa und
al-Mi’radsch, band der Prophet (s) al-Buraq[vi]
an, obwohl es eigentlich keine Gefahr gab, dass er weglaufen sollte. Der Prophet
war gewohnt, vorsichtig zu sein und gleichzeitig auf Allah zu vertrauen. Das
Eine schließt ja das Andere nicht aus!
Wie kann man Allah seine Seele
anvertrauen?
Das Anvertrauen an Allah will geübt
werden!
Als Musa (as) (Moses) als erstes
Erlebnis den Stock sah, der sich in eine Schlange verwandelte, lief er
verängstigt davon. Beim zweiten Erlebnis hatte er weniger Angst, als er den
Zauberern begegnete. Bei dem dritten Erlebnis aber, die schwierigste Lage von
den allen, als das Heer Pharaos hinter ihm war und das Meer vorne, hatte er
keine Angst: [Er sagte: 'Aber nein! Auf meiner Seite ist mein Herr. Er wird
mich rechtleiten.'] (26:62).
Was ist unsere Pflicht gegenüber
dem Höchsten Sachwalter?
Wir sollten uns im Anvertrauen
unserer Seele an Allah üben und die Gewohnheit entwickeln, in Dhikr (das
Gedenken Allahs) morgens und abends zu sagen: "Allah genügt mir, er ist der
Höchste Sachwalter".
Lasst uns diese Sichtweise in
unserem Leben betonen!
[i]
ta'ala: erhaben.
Wird der Erwähnung Allahs
beigefügt: Allah, der Erhabene.
[ii]
Salla Allahu alaihi wa
sallam: Allahs
Segen und Frieden auf ihn
[iii]
Alaihi as-Salam: Friede sei
auf ihn!
[iv] Die
Nachtreise des Propheten Muhammad (s) von Mekka nach Jerusalem und sein
Aufstieg in den Himmel.
[v] Ein
Gebet, in welches man Allah bittet, die beste Wahl für einen zu treffen.
Es wird im Rahmen von zwei Rakaat (Gebetseinheiten) verrichtet, in deren
Anschluss ein bestimmtes Duaa (Bittgebet) anknüpft.
[vi]
Das Reittier, das den
Propheten (s) auf seine Nachtreise trug.
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