Proaktivität – Teil 2



Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Erbarmers. Heute kommen wir zur 5. Folge von „Lebensgestalter“ und zum zweiten Teil unseres Themas „Proaktivität“.

Das Programm „Lebensgestalter“ möchte den Aufschwung unserer Länder bewirken. Die erste Phase ist das Lösen der Fesseln, die unsere Länder von allen Seiten knebeln: die Fessel der Passivität, der Zeitvergeudung usw. Kommt und lasst uns diese Fesseln lösen! Wir haben Beispiele von Leuten vorgestellt, die sich von diesen Fesseln befreit haben. Dann haben wir uns am Ende der vorigen Folge auf eine praktische Aufgabe geeinigt, um euch zu zeigen, wie man sich von diesen Fesseln befreit. Wir haben 10 Fesseln zu lösen, um 10 Dinge zu erreichen.

Stellen wir uns vor, dass wir diese Dinge verwirklichen könnten:

1- Proaktive Haltung
2- Verantwortungsgefühl
3- Umfassende Bildung
4- Wertschätzung der Zeit
5- Ressourcen schützen
6- Entschlossenheit und Fleiß
7- Perfektion bei der Arbeit
8- Sinn für Kunst und Ästhetik
9- Definition eines Ziels im Leben
10- Zugehörigkeit zum und Besinnung auf den Islam

Merkt euch die beiden letzten Punkte gut: ein Ziel im Leben und die Zugehörigkeit zum und die Besinnung auf den Islam. Diese beiden Punkte werden uns das ganze Programm über begleiten und sich wie ein roter Leitfaden durchziehen. Wir werden euch die ganze Zeit über immer und immer wieder an sie erinnern. Stellt euch vor, wir würden diese Fesseln lösen und uns frei bewegen!

Wir sind noch immer mit der ersten Fessel an der rechten Hand beschäftigt: Passivität. Das Thema wurde in der letzten Folge nicht abgeschlossen, diese war vielmehr eine Vorbereitung, um einen Ansporn zu geben. In dieser Folge wollen wir nun über die Einzelheiten zu diesem Thema sprechen, von der praktischen Seite aus betrachtet.

Dieses Programm ist nicht von einer Einzelperson. Und so fangen wir nicht eher mit dem Thema an, bevor wir nicht die Zuschriften zur Diskussion gestellt haben, die uns nach der letzten Sendung erreicht haben.

Dreierlei hat uns erreicht:

• Kritik
• Negatives
• Positives

Kritik:
1. Von einer Gruppe junger Christen, die die Serie „Lebensgestalter“ verfolgen. Ihren Aussagen nach haben sie das Gefühl, diese Sendung richte sich nicht an sie, die christliche Jugend, die auch an der Lebensgestaltung mitwirken möchte. Ehrlich gesagt, ich habe mich sehr über diese Zuschrift gefreut und möchte ihnen hiermit sagen, dass ich in der Einführung erläutert habe, dass diese Sendung tatsächlich für alle gedacht ist: Für Jung und Alt, Hausfrauen etc., und auch für Muslime und Christen. Herzlichen Dank also für diesen positiven Einsatz.

2. Die falsche Angabe des Koranverses, auf den ich mich gestützt habe, um zum proaktiven Handeln aufzufordern. Der Koranvers besagt: „Und Allah prägt das Gleichnis zweier Männer. Der eine von beiden ist stumm, er vermag nichts, er ist seinem Herrn eine Last; wohin immer er ihn wendet, er bringt nichts Gutes. Ist er etwa jemandem gleich, der Gerechtigkeit gebietet und sich auf einem geraden Weg befindet?“ (16:76). Als ich den Koranvers erwähnte, habe ich gesagt, er stamme aus der Sure An-Naml („Die Ameisen”), er steht aber in der Sure An-Nahl („Die Bienen”) und nicht in An-Naml. Ich bitte euch, nicht zu vergessen, dass man im Überschwang der Gefühle – wenn man etwas möglichst gut machen will – sich schon mal versprechen kann, das kann vorkommen. Der Unterschied zwischen Naml (Ameisen) und Nahl (Bienen) besteht in einem Buchstaben. Bitte entschuldigt nochmals, der Koranvers stammt aus der Sure An-Nahl.

3. Was unsere Aufgabe sei, wie am Ende der letzten Sendung erwähnt, bleibe unklar. Es genüge nicht, zu sagen, unsere Aufgabe sei das proaktive Handeln, ohne dies näher auszuführen. Man hätte sich klarer und konkreter ausdrücken sollen. In dieser Sendung werde ich - so Allah will – mehr auf Einzelheiten eingehen.

4. Es würde keine ausländische Literatur hinzugezogen und auch nicht auf genug Quellen zu dem Thema „Proaktivität“ zurückgegriffen. Ich kann euch versichern, wir haben uns außerordentliche Mühe bei der Vorbereitung dieser Sendung gegeben. Wir haben uns in erster Linie auf unsere Religion und die „Sunna“, die Lebensweise unseres Propheten, Allah segne ihn und schenke ihm Heil (s), konzentriert, denn wir fanden dort all diese Ideen vor. Darüber hinaus haben wir ausländische Literatur zu diesem Thema, die uns sehr nützlich erschien, nicht außer Acht gelassen, sondern sie studiert und davon viel profitiert. Aber ich möchte nochmals betonen, dass wir nichts in diesen Quellen fanden, was nicht auch schon seinen Ursprung in unserer Religion und der Sunna unseres Propheten (s), unserer Geschichte und unserer Kultur hat. Sogar die Buchtitel: „Bezähme deine Wut“, „Ergreife die Initiative” usw. kennen wir alle schon aus unserer Religion.

Negatives:

Zu diesem Punkt haben wir zwar keine Zuschriften erhalten, aber uns ist folgendes aufgefallen: Wir haben alle Leute gebeten, den Fragebogen auszufüllen, ihn uns zuzuschicken und uns kräftig zu unterstützen. Aber bis jetzt beläuft sich die Anzahl der eingegangenen Fragebögen auf 13000. Ich denke, dass ist sehr wenig im Vergleich zu dem, was man ursprünglich hätte erwarten müssen. Und das, obwohl die Umfrage noch bis zum Sonnabend, den 13. März verlängert wurde. Ich hatte aber erwartet, dass die Anzahl weit darüber hinausgehen würde, denn die Zahl derjenigen, die proaktives Handeln propagieren, ist weitaus größer.

Positives:

1. Die Anzahl derjenigen, die uns berichtet haben, dass sie proaktiv gehandelt und etwas geleistet haben: Insgesamt kamen wir auf 600 positive Taten. Alles waren gute Ideen, und das Erstaunliche dabei war, dass all diese Taten nur innerhalb einer Woche stattfanden.

2. Wir haben 1300 Vorschläge zur Gestaltung der Sendung über das Internet oder per Telefon erhalten. Das ist alles sehr schön und verstärkt unsere Hoffnung auf einen echten Aufschwung für unsere Länder.

Beispiele für proaktives Handeln:

3. Das Beispiel des IT-Experten Ahmad Samy, das wir bereits vorgestellt hatten. Ich bekam einen Anruf von einem Geschäftsmann aus Kuwait, der sich dieses Projektes annehmen, es finanzieren und auf die ganze arabische Welt ausdehnen wollte. Wir haben beide miteinander in Kontakt gebracht, und die Sache läuft. Wie ihr seht, kommt das Geld, wenn man nur die Hoffnung nicht aufgibt.

4. Eine Geschichte von jemand anderem: Als er die Straße „Almaza“ in Ägypten im Stadtteil Misr al-Dschadida entlang ging, sah er einen Bulldozer, der die Straße ebnete. Es gab dort in einer der Nebenstraßen ein großes Schlagloch, und da fiel ihm unsere Sendung ein. So ging er zum Fahrer des Bulldozers, um ihn zu fragen, ob er dieses Schlagloch zumachen könne, sobald er seine Arbeit beendet habe. Der Arbeiter sah ihn erstaunt an und sagte: „Was ist heute nur los? Gerade kamen ein paar junge Leute vorbei und haben dasselbe von mir verlangt.“ So ging der Mann und suchte nach den jungen Leuten, bis er sie fand. Sie hatten gerade selbst das Schlagloch notdürftig zugeschüttet, nachdem der Arbeiter ihnen gesagt hatte, er könne das Loch im Moment nicht zumachen, weil er andere Arbeiten verrichten müsse. Als der Mann sie fragte, warum sie das Schlagloch zugeschüttet hätten, entgegneten sie: „Wir haben die Sendung „Lebensgestalter“ gesehen und wollten proaktiv sein.“

5. Einige Mädchen an einer Schule in Kuwait gingen zu ihrer Klassenlehrerin, um sie zu bitten, ihnen jede Woche 5 Minuten zu geben, um mit den Mädchen in der Schule darüber zu diskutieren, wie man die Fesseln lösen könne. Sie haben dann einen Verein mit dem Namen „Lebensgestalter“ gegründet.

6. Eine junge Dame aus Katar, namentlich Fatima Darwisch, schickt Parolen, über die wir in den Folgen sprechen, regelmäßig als SMS-Botschaft an vieler Leute Handy – Allah möge ihre Mühe belohnen! Es sind Parolen wie: „Ein fester Wille kann Berge versetzen“ usw.

7. Kommen wir zu der Moschee Abu Bakr as-Siddiq, einer der großen Moscheen Kairos. Die Brüder dort hatten sich versammelt und vorgeschlagen, man solle doch Kurse für Jung und Alt einrichten, um sie verschiedene Fertigkeiten zu lehren: Computer, Kommunikationsmittel usw. Letzten Donnerstag hat dann tatsächlich erstmals ein Kurs angefangen.

8. Wir haben heute ein junges Mädchen aus dem Libanon zu Gast. Letztes Mal hat sie uns zugehört, und heute ist sie gekommen, um sich uns vorzustellen und zu berichten, was sie unternommen hat. Wir geben ihr das Wort, um über ihr Projekt zu sprechen:
„Mein Name ist Dina Ghazawi. Wir sind eine Gruppe von jungen Leuten aus dem Nordlibanon im Alter von 18-20 Jahren. Wir wollen etwas für den Islam tun. Zwar haben wir kein großes Wissen über den Islam, aber wir wollen proaktiv sein und positiven Einsatz leisten. So haben wir beschlossen, ein Projekt für Kinder aus unserer Gegend durchzuführen, denn sie sind schwach auf den Gebieten Fremdsprachen und Computer. Wir haben Nachhilfekurse eingerichtet, und in Zukunft wird es auch noch mehr Aktivitäten geben, wie Handarbeiten für Mädchen usw. Wir bitten Allah um gutes Gelingen.“

Das war alles, was wir über die letzte Folge an Für und Wider erhalten haben.

In dieser Folge wollen wir nun zur Praxis übergehen.

Wir wollen 4 Fragen beantworten:

1. Warum ist Proaktivität von solcher Bedeutung? – Wir müssen voll und ganz davon überzeugt sein, dass es ohne Proaktivität keinen Aufschwung geben wird. Wir müssen uns dieser blutigen Fessel „Passivität“ entledigen.
2. Was verhindert Proaktivität bzw. motiviertes Handeln?
3. Wie werde ich proaktiv?
4. Welche Bereiche umfasst Proaktivität?

Nachdem wir diese Fragen beantwortet haben, werden wir am Ende über ein konkretes Projekt sprechen.

Erste Frage: Warum ist Proaktivität von solcher Bedeutung?

Passivität ist wohl das Schlimmste und Gefährlichste, was Länder und Völker lähmt. Somit ist Proaktivität wohl das wichtigste und stärkste Mittel zum Aufschwung der Ummah (muslimische Gemeinde), und zwar aus 3 Gründen.

1. Was ist es, das den Aufschwung von Gemeinschaften bewirkt? Was muss vorhanden sein, damit ein Volk aufsteht?

Studien kamen zu dem Ergebnis, dass der Aufschwung von Einzelpersonen mit großer Einsatzbereitschaft (Proaktivität), mit Ideen und Ehrgeiz ins Rollen gebracht wird. Also sind es einzelne Individuen, die die Geschichte verändern.

Das erste, wonach diese Individuen suchen, sind proaktive Menschen mit Einsatzbereitschaft. Sie wollen so eine Gruppe von Einsatzfreudigen bilden, die der Gemeinschaft zum Aufschwung verhilft. Der Kommunismus hat sich durch Marx und Lenin etabliert, beide waren zum äußersten Einsatz bereit. China ist durch Mao Tse-tung aufgestanden, als er schon 56 Jahre alt war. Der Islam hat sich durch den Propheten (s) etabliert, der erste und wirksamste der Proaktiven, und zwar in einer Welt, die in tiefer Finsternis umherirrte.

Wo finden wir noch solche Einsatzbereitschaft und solchen Opfermut wie beim Propheten (s)? Gibt etwa jemanden, der ihn darin übertrifft? Als er (s) etwas in Gang setzen wollte, suchte er nach proaktiven Menschen. Er sagte: „O Allah, bringe den Islam durch einen der beiden Umars zu Ruhm und Ehren.“ Gemeint waren Umar ibn al-Chattab und Umar ibn Hischam, die beiden proaktivsten Persönlichkeiten mit dem größten Opfermut in der damaligen Gesellschaft. Proaktivität ist also der wichtigste Faktor, um den Aufschwung zu bewirken. Und warum solltet nicht ihr die Pioniere des Aufschwunges sein? Die erste in unserem Wohnblock, die etwas Bestimmtes getan hat, und der erste in der Schule oder deiner Straße, der dies und jenes gemacht hat... Durch solche Pioniere erhebt sich die Gesellschaft und richtet sich wieder auf.

2. Ein zweiter Grund sollte dich zur Proaktivität motivieren, pass auf: Jedes Volk hat bestimmte Merkmale. Das deutsche Volk z.B. zeichnet sich durch Durchhaltevermögen und Annahme der Herausforderung aus. Die Japaner sind bekannt dafür, sehr hart zu arbeiten.

Was also ist das besondere Merkmal, das Allah für die Muslime will? – Die Proaktivität! – Wie kannst du das belegen?? – „Ihr seid die beste Gemeinschaft, für die Menschen hervorgebracht, ihr tragt das Rechte auf, und ihr untersagt das Verwerfliche, und ihr glaubt an Allah, und wenn die Leute der Schrift geglaubt hätten, bestimmt wäre es besser für sie gewesen, unter ihnen sind Gläubige, und die meisten von ihnen sind die Frevler.“ (3:110)

Das „Auftragen des Rechten“ und das „Untersagen des Verwerflichen“ sind der Kern der Proaktivität bzw. des positiven Einsatzes. Als ob der positive Einsatz das besondere Merkmal für uns Muslime sein soll! Das „Auftragen des Rechten“ und das „Untersagen des Verwerflichen“ stehen noch vor dem Glauben an Allah, denn Allah spricht hier von der Gesellschaft. Und wenn wir das Rechte auftragen und das Verwerfliche verbieten, kommt die Gesellschaft zum Glauben an Allah.

Und das gilt nicht nur für die Männer, sondern für Frauen und Männer gleichermaßen. – Und woher hast du das?? – Wenn der Koran über Proaktivität spricht, spricht er nicht – wie in den meisten Koranversen üblich – in der Allgemeinheitsform, sondern wird konkreter: „Und die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen, die einen sind die Beschützer der anderen, sie tragen das Rechte auf und untersagen das Verwerfliche...“ (9:71). Und der Prophet (s) fasste den gesamten Islam zusammen als er sagte: „Die Religion ist der gute Ratschlag.“ Und der gute Ratschlag ist Proaktivität, auf allen Ebenen... Das rechte Verständnis des Islam erfordert, dass wir proaktiv sind. Wenn wir das nicht begreifen, haben wir unsere Religion nicht vollständig verstanden.

3. Das Verderben der Völker ist das Fehlen der Proaktivität. Ohne positiven Einsatz gehen die Völker zugrunde. Allah, der Gepriesene und Erhabene, spricht: „Und es ist nicht an deinem Herrn, dass Er eine Ansiedlung in Unrecht vernichtet, und ihre Leute tun Rechtschaffenes“ (11:117). Es heißt hier „tun Rechtschaffenes“ (muslihun) und nicht etwa „rechtschaffen sind“ (salihun), d.h. also „die proaktiv sind und sich positiv einsetzen“. Es ist, als ob Allah uns hier vor dem Verderben warnen wollte, wenn wir nicht proaktiv sind.

Zweite Frage: Was verhindert Proaktivität und motiviertes Handeln?

1- Schüchternheit vor anderen Leuten.
2- Furcht vor Fehlern.
3- Schnelles Aufgeben, wenn der erste Versuch fehlgeschlagen ist.
4- Niedergeschlagenheit bzw. das Gefühl von Aussichtslosigkeit in der Konfrontation mit äußerlichen Behinderungen.

1. Schüchternheit vor anderen Leuten

Wie können wir uns vor dem Rechten schämen??

Wir möchten zwar ein Schamgefühl besitzen, aber es gibt da einen großen Unterschied zwischen Schüchternheit und dem Schamgefühl. Dein Schamgefühl lässt nicht zu, das du dich selbst durch Unsitten erniedrigst vor Allah, vor den Leuten oder vor dir selbst.

Schüchternheit jedoch verunsichert, wenn man alle Blicke auf sich gerichtet fühlt, und man wird unfähig, seine Meinung zu sagen. Bleib stark und mutig!

Einige Beispiel hierzu: Am Tag als Allah dem Propheten (s) befahl: „Also führe aus, was dir aufgetragen ist…“ (15:94) – der Islam war noch neu – und was also tat der Prophet (s)? Er stellte sich auf den bekanntesten Berg in Mekka und rief alle Leute im Umkreis zusammen. Dann sagte er zu ihnen: „Wenn ich euch sagen würde, dass hinter diesem Berg eine Armee stünde, die euch angreifen will, würdet ihr mir Glauben schenken?“ Sie antworteten: „Wir haben niemals von dir auch nur eine einzige Lüge vernommen.“ Er sprach: „So bin ich denn gekommen euch zu warnen, vor euch liegt eine harte Strafe.“ Und du, schämst du dich noch immer zu tun, was recht ist?

Am Tag, an dem Umar ibn al-Chattab in den Islam eintrat: Er ging zum Propheten (s) und klopfte an seine Tür. Dann nahmen die Gefährten des Propheten (s) Umar in die Zange, und der Prophet (s) packte ihn und sprach: „Ist es nicht an der Zeit Umar, den Islam anzunehmen?“ Da entgegnete Umar: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah und dass Muhammad Allahs Gesandter ist.“ Eine Sekunde später, nachdem er sein Zeugnis abgelegt und sich zum Islam bekannt hatte, sagte er zum Propheten (s): „Sind wir nicht im Recht?“ Er entgegnete: „Ja.” Da sagte er: „Und sind sie nicht im Trugschluss?“ Er entgegnete: „Ja.” Da sagte er: „Warum verstecken wir uns dann?“ Der Prophet (s) entgegnete: „ Was ist deine Ansicht, Umar?“ Er sagte: „Wir gehen hinaus!” Und so zogen die Muslime in zwei Reihen los. Eine Reihe mit Umar an der Spitze und eine andere Reihe mit Hamza an der Spitze, um ihren Eintritt in den Islam allen zu verkünden. Doch damit nicht genug: Er ging zu den Polytheisten, einem nach dem anderen, und pochte an ihre Türen, um ihnen seinen neuen Glauben zu verkünden. Dann ging er zu dem Mann, der in ganz Mekka dafür bekannt war, Gerede in Umlauf zu bringen, um ihn über seinen Eintritt in den Islam zu benachrichtigen, damit er die Kunde in ganz Mekka verbreiten würde. Und all das am ersten Tag seines Eintritts im den Islam. Dann ging er, um den Islam bei sich zu Hause zu verkünden und seine Kinder davon in Kenntnis zu setzen – am ersten Tag seines Übertritts!

Ein anderes Beispiel: Ein junger Mann, der in Großbritannien lebt, ging jeden Tag in den Hyde Park zur Speaker’s Corner, um über den Islam zu sprechen, bis seine Stimme heiser wurde. Heute ist er promovierter Politikwissenschaftler in Großbritannien und eine bekannte Autorität. Weiter: Die erste Universitäts-Moschee wurde in den dreißiger Jahren in einer der bekanntesten Universitäten der arabischen Länder eingerichtet, vorher gab es dort keine Moschee: Ein Student wollte beten, und der einzige Platz zum Beten in der Universität befand sich im Keller, unter der Erde. Also ging der Student, um dort zu beten. Was er dort vorfand, war ein Kellerloch voller Spinnen und einen einzigen Arbeiter, der dort seine Gebete verrichtete. Er fragte ihn, warum er ausgerechnet an so einem Platz betete. Der Arbeiter antwortete darauf, das es keinen anderen Platz zum Beten über der Erde gäbe. Der Student weigerte sich jedoch, unter der Erde zu beten. Doch proaktiv wie er war, ging er voller Elan zum zentralen Platz auf dem Universitätsgelände und rief den Adhan (Gebetsruf), bei Tage, oberhalb des Erdbodens. Dann sagte er das Gebet an (er sprach die Iqama) und fing an zu beten. Man hat über ihn gelacht und ihn für verrückt erklärt. – Lass dich nicht einschüchtern! – Nach vier Tagen schloss sich ihm der Arbeiter an, der zuvor im Keller gebetet hatte. Nach einer Woche waren sie zu viert. Nach einem Monat schloss sich ihnen ein Dozent an. Dann verlief die Sache ganz normal, bis dann der Dekan sie zu sich bestellte und sie bat, sie sollten doch das Gebet nicht auf diese Weise in der Öffentlichkeit und vor allen Leuten verrichten. Gleichzeitig eröffnete er ihnen, dass für sie mit dem Bau einer Moschee begonnen wurde, in der sie dann beten könnten. So wurde der Bau der ersten Moschee in der Fakultät für Agrarwirtschaft fertiggestellt. Dann weiteten sich die Moscheen auf alle anderen Universitäten aus.

Und deshalb: Geniere dich nicht! Du benötigst zweierlei, damit du dich nicht einschüchtern lässt:

1- ein Ziel im Leben,
2- einen festen Willen und großen Ehrgeiz.

2. Furcht vor Fehlern

Hab keine Angst davor, Fehler zu machen. Am Anfang des Erfolges steht ein missglückter Versuch – leider glauben die Araber daran nicht. Ich berichte euch jetzt von einer persönlichen Erfahrung, obwohl ich über persönliche Erfahrungen eigentlich nicht sprechen sollte. Als ich noch ein kleines Kind war, machten meinem Vater meine Introvertiertheit und meine Angst davor, etwas falsch zu machen, sehr zu schaffen. Ich war derart schüchtern, dass es schon nicht mehr annehmbar war. Bis ich mich dann auf die Religion besann und dadurch eine einzigartige Kraft gewann. Trotzdem hielt meine Schüchternheit an, bis ich dann zum ersten Mal den Genuss des Erfolges schmecken durfte: Mein engster Freund war nicht sehr religiös. Doch ich wollte ihn dazu bringen und versuchte es immer wieder und wieder, bis Allah ihn rechtleitete. So machte ich die Erfahrung wie wichtig und nützlich dieser Einsatz war, und ich wollte sie wiederholen. Da ich die Religion und den Fußball liebe, kam es mir in den Sinn, ein Fußballturnier zwischen den Moscheen zu organisieren. Drei Monate lang suchte ich die Moscheen auf, um die Leute kennenzulernen. Das Fußballturnier kam zustande und war ein voller Erfolg.

Darum: Lasse dich nicht entmutigen, bis du auf den Geschmack des Erfolges kommst:

1- Ein Ziel im Leben.
2- Fester Wille und großer Ehrgeiz.
3- Vertraue auf Allah.
4- Schmecke den Erfolg.

3. Schnelles Aufgeben, wenn der erste Versuch fehlgeschlagen ist.

Gib nicht beim ersten Mal auf. Versuche es immer und immer wieder.

Um nach Medina zu kommen, wandte sich der Prophet (s) an sechsundzwanzig Stämme, alle lehnten ab. Sechsundzwanzig Versuche! Kann man da von Aufgeben oder Verzweiflung sprechen?? Manchmal wiesen sie ihn aufs Schroffste zurück. Und alles waren Versuche auf dem Weg...

Wir haben viele Zuschriften bekommen, in denen steht: „ Wir haben es versucht, aber ohne Erfolg. Wir machen nicht weiter mit euch mit als Lebensgestalter.” – Edison brauchte 99 fehlgeschlagene Versuche, bevor er die elektrische Glühbirne erfand. Seine Antwort auf die Kritiker war die: „Es genügt mir, der Menschheit zur Erfindung der elektrischen Glühbirne 99 Versuche erspart zu haben.“

Unser geehrter Prophet Jakob, Friede mit ihm, sagt noch nach 20 Jahren zu seinen Söhnen: „Ihr, meine Söhne, geht und versucht von Jusuf und seinem Bruder zu erfahren, und seid nicht hoffnungslos gegenüber der beruhigenden Barmherzigkeit Allahs, - hoffnungslos gegenüber der beruhigenden Barmherzigkeit Allahs ist ja nur das Volk der Glaubensverweigerer.“ (12:87)

Wie kannst du nach all dem noch verzweifeln? Hab Geduld, versuche und mache Fehler. Die Lösung liegt in diesem Rezept, das wir aus Koran und Sunna entnommen haben:

1- Ein Ziel im Leben.
2- Fester Wille und großer Ehrgeiz.
3- Vertraue auf Allah.
4- Schmecke den Erfolg.
5- Geduld und Durchhaltevermögen.

4. Niedergeschlagenheit bzw. das Gefühl von Aussichtslosigkeit in der Konfrontation mit äußerlichen Behinderungen.

Die Umstände, die die Muslime zur Zeit durchmachen, hält sie in einem Dauerzustand von Hoffnungslosigkeit. Wie viele außerordentliche äußere Umstände und Hindernisse hatte Yusuf, Friede mit ihm, – durchzustehen: Mit 12 Jahren wurde er in den Brunnen geworfen, seine Brüder hassten ihn, er wurde als Sklave verkauft, er kam für 10 Jahre ins Gefängnis – all diese äußeren Umstände raubten ihm 40 Jahre seines Lebens. Derartige Umstände könnten für jeden anderen Grund zum Versagen bedeuten. Er aber kam aus dem Gefängnis, um Wirtschaftsminister zu werden, der für die Ernährung der Bevölkerung verantwortlich war, und zwar auf Grund seines Gottvertrauens und seiner Begabung. Seid ihr jetzt, nach all dem, bereit zu sagen: „Ab heute gebe ich die Hoffnung nicht mehr auf, ich mache weiter! Ab heute habe ich keine Angst mehr, etwas falsch zu machen!“??

Bei der Schlacht von Mu’ta betrug die Anzahl der Muslime 3000 (mit 1000 Pferden) und die der Römer 200.000 (mit 50.000 Pferden). Könnt ihr euch diesen Unterschied vorstellen?? Sie hätten leicht aufgeben können, aber das war ihnen zu passiv. Nach langer Überlegung suchten die Muslime in einem Engpass Schutz, so dass die Römer sich wegen der Enge gezwungen sahen, die Vorhut ihres Heeres auf 3000 Mann zu verringern, damit diese eintreten und sich ihnen an dieser engen Stelle stellen konnten. Somit standen sich beide Heere an der Front zahlenmäßig gleich gegenüber. Daraufhin änderten die Römer ihren Schlachtplan, und so wurden aus dem großen Heer jeweils einzelne, aufeinanderfolgende Schübe von 3000 Mann: erst 3000, dann wieder 3000 und so weiter. Dadurch wurde das Heer außer Kraft gesetzt. Von den Muslimen fanden 12 den Märtyrertod, von dem Römern kamen über 1500 ums Leben. Das ließ die Römer sogar glauben, sie hätten es mit übernatürlichen Wesen zu tun... Da waren sie also, 3000 proaktive Muslime. Sie ließen Herakleios ahnen, dass sie sein Reich nach 10 Jahren erben würden, und so geschah es.

Prägt euch diese Regel gut ein: Wer sich eine Idee in den Kopf setzt, für sie lebt und sich für sie mit allen Kräften einsetzt, verwirklicht sie auch!

Dritte Frage: Wie werde ich proaktiv?

Um proaktiv zu sein, brauchst du:

1- ein Ziel im Leben,
2- festen Willen und großen Ehrgeiz,
3- Vertrauen auf Allah,
4- den Geschmack des Erfolgs,
5- Geduld und Durchhaltevermögen,
6- einen scharfen, „proaktiven“ Verstand.

Vierte Frage: Welche Bereiche umfasst Proaktivität?

1- Die Familie,
2- die Schule oder Universität,
3- die Arbeitsstelle,
4- die Nachbarn und das Viertel, in dem man wohnt,
5- den Umweltschutz.

Lasst uns mit realen Beispielen schließen, die uns bis zur nächsten Woche begleiten sollen:

Ich möchte euch von der Erfahrung eines Mannes aus Jordanien erzählen. Er hörte den Ausspruch des Propheten (s): „Wer Freude in ein muslimisches Haus bringt, verdient dafür keinen geringeren Lohn als das Paradies.“ Er war arm und kannte sich in den armen Stadtvierteln aus. Er dachte nach. Dann suchte er die großen Hotels auf und fragte, ob er überschüssiges Essen mitnehmen könne. Er fing mit einem Hotel an und brachte das Essen für eine Familie mit, danach wurden es zwei. Dann wurden aus dem einen Hotel ganze fünf, und bald kaufte er einen Kleintransporter, um das Essen auszufahren, bis dann ganz Jordanien diesen Mann kannte. Allah hat seinen Lebensstandard gehoben und sein Leben änderte sich gänzlich. Und er unternahm all das, als er noch ein armer Mann war.

Eine andere Idee, über die euch jetzt ihr Urheber selbst berichtet. Herr Nasser, er ist jetzt bei uns im Studio, bitte schön: „Mein Name ist Nasser Bakkar, ich bin 32 Jahre alt. Als ich 10 war, suchte uns einmal eine Leiterin von der Ersten Hilfe auf und wollte mich sprechen. Meine Mutter wunderte sich. Ich hatte bereits von einem Erste Hilfe-Kurs gehört und mich ohne ihr Wissen dafür angemeldet. Ich ging mit 10 Jahren dort hin, um zu lernen wie man Erste Hilfe leistet. Und ich bin mit anderen jungen Libanesen zur Zeit des Krieges im Libanon losgezogen, um diesen freiwilligen Dienst zu leisten. Wir haben alle Arten von Bränden, Bombardierungen und Explosionen miterlebt, in Sabra und Schatila und in anderen Orten in ganz Libanon, die der Krieg zerstört hatte. Dies ist eine echte Herausforderung, und wir müssen alles geben, was in unserer Macht steht, um ihr gerecht zu werden.“

Ich zeige euch jetzt einen zweiminütigen Film über einen Mann, der sich ein Projekt ausgedacht hat. Ein ganz einfacher Mann, Ahmad ist sein Name. Er hat sich unter schwierigsten Umständen Wissen angeeignet, denn sein Vater war verstorben. Gleich, nachdem er ausgelernt hatte, beschloss er, dem gesamten Viertel Unterricht zu erteilen, und zwar unter schwierigsten Umständen: auf dem Dach eines Hauses und mit geringen Mitteln. Ganz alleine unterrichtete er die Hälfte der Dorfbewohner, die Analphabeten waren. Er sagt: „Durch diese Arbeit wollte ich nur den Lohn von Allah, dem Gepriesenen und Erhabenen, erlangen.” Wenn nun jeder von uns jungen Leuten daran denken würde, eine Schule für die Analphabeten seines Dorfes zu eröffnen, wie wäre dann unsere Lage??

Einigen wir uns auf die praktische Aufgabe für diese Woche:

Dieses Mal werden wir konkreter. Der erste Bereich für proaktives und motiviertes Handeln ist die Familie. Dementsprechend ist die praktische Aufgabe diese Woche: Jeder soll nach einer bedürftigen Familie in seinem Familienkreis Ausschau halten, um sie zu unterstützen. Wir alle suchen in unserem Familienkreis. Die Hilfeleistung kann anfangen bei der Übernahme ihrer Ausbildungskosten über das Besorgen von Notwendigkeiten bis zum einfachen Mitgefühl und seelischen Beistand. Wir unterstützen eine bedürftige Familie aus unserem Familienkreis. Wir werden unseren Lohn dafür von Allah erhalten und uns gemeinsam in alle Richtungen bewegen. Das ist unser Projekt.

Kommen wir noch einmal zum Fragebogen:

Bist du proaktiv, gehörst du zu den Lebensgestaltern?

1. Wie viel proaktive Dinge hast du diese Woche getan?

• Weniger als zwei ===> schwach proaktiv
• Zwei bis fünf ===> mittelmäßig proaktiv
• Mehr als fünf ===> sehr proaktiv

2. Wie viele Personen hast du motiviert, proaktiv zu werden?

• Weniger als zwei ===> schwach proaktiv
• Zwei bis fünf ===> mittelmäßig proaktiv
• Mehr als fünf ===> sehr proaktiv

3. Wie vielen Personen hast du diese Umfrage gegeben?

• Weniger als fünf ===> schwach proaktiv
• Fünf bis zehn ===> mittelmäßig proaktiv
• Mehr als zehn ===> sehr proaktiv

Unser Ziel ist mehr als 70% „sehr proaktiv“.

Erinnert euch an die Worte: „Fügst du dem Leben keinen Wert hinzu, bist du fürs Leben wertlos.“ Und vergesst nicht, dass es zwei Arten des Aufschwungs gibt: Die „sedimentäre“, d.h. eine Generation trägt einen Teil zum Aufschwung bei, und die nachfolgende baut dann darauf auf. So verlief die Renaissance in Frankreich und Europa. Die zweite Art ist der Aufschwung durch die Massen: die Zusammenballung des gesamten Energiepotientals der Jugend und der Menschen, wie es beispielsweise in China der Fall war.

Der Islam hat beide Arten miteinander vereint: Er begann mit einem Aufschwung durch die Massen und endete mit einem „sedimentären“ Aufschwung. Und das ist das Ziel, deshalb haben wir vereinbart, dass wir alle zur gleichen Zeit am gleichen Projekt arbeiten. Und - so Allah will – werden wir diesen Aufschwung der Massen zustande bringen.

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