 Einführung – Teil 3
Ich grüße euch zur dritten und letzen Folge zur Einführung unseres Programms „Lebensgestalter“ (Sunnaa’ al-Hayat). In der ersten Folge haben wir über die Notwendigkeit dieses Programms diskutiert:
Warum ausgerechnet dieses Programm?
Warum ausgerechnet zu dieser Zeit?
Die traurige Wahrheit ist, dass die islamische und arabische Gesellschaft ihren tiefsten Punkt erreicht hat; tiefer kann eine Gesellschaft kaum sinken.
In der zweiten Folge haben wir darüber gesprochen, dass unsere Religion – der Islam – uns dazu verpflichtet, arbeitsam und produktiv zu sein. Und wir haben über Gott gesprochen, der uns erschaffen hat, um Ihm zu dienen und Seine Statthalter auf Erden zu sein. Dies konnten wir anhand verschiedener Koranverse belegen, z. B.: „Und Ich habe die Menschen und die Dschinn nur (dazu) erschaffen, damit sie Mir dienen“ (51:56) und „Und als dein Herr zu den Engeln sprach: ‚Ich bin dabei, auf der Erde einen Statthalter einzusetzen“ (2:30).
Mit dieser Folge wollen wir nun die Einführung zu unserem Projekt abschließen. Bevor wir beginnen, möchten wir euch an die Ziele dieses Projekts erinnern.
Wir möchten:
1. der kommenden Generation ein neues Bewusstsein verleihen, damit sie aktiv an der Gestaltung ihrer Gemeinschaft teilnimmt,
2. die Hoffnung und den Optimismus stärken,
3. die Fähigkeit erlernen, fromm zu sein und den Sünden des Lebens zu widerstehen.
In dieser Folge möchten wir folgendes diskutieren:
1. Wie sind andere Gesellschaften mit ihrem Aufstieg umgegangen?
2. Wie hat der Prophet Muhammad, Allah segne ihn und schenke ihm Heil (s), Probleme des Aufstiegs behandelt?
3. Wie sollen wir mit damit umgehen?
4. Konzept des Programms.
5. Konzept jeder einzelnen Folge.
6. Projektdauer.
Zu Punkt 1: Wie sind andere Gesellschaften mit ihrem Aufstieg umgegangen?
Gesellschaftlicher Aufstieg ist prinzipiell möglich, er ist wie eine mathematische Gleichung: 1+1=2. Wie diese Gleichung aussieht, werden wir aber nicht jetzt verraten, sondern am Ende der Sendung besprechen und sie dann in allen kommenden Folgen anwenden.
Wir werden anhand einer Reihe von Versuchen beweisen, dass dies alles nicht nur ein theoretisches Modell ist, sondern das Ergebnis harter Arbeit und über ein Jahr andauernder Studien, an denen zahlreiche Experten, Akademiker, Religionsgelehrte und Soziologen aus Arabien und anderen islamischen Ländern teilgenommen haben.
Nun möchte ich von Beispielen aus unserer Zeitepoche berichten. Es geht um die Erfahrungen zweier großer Nationen: Deutschland und Japan. Wenn wir die jüngste Geschichte dieser beiden Länder näher betrachten, so stellen wir fest, dass sie viele Gemeinsamkeiten haben.
Fangen wir mit dem Modell Deutschlands an:
Nach der Kapitulation am 8 Mai 1945 fanden die überlebenden Deutschen ein Bild der Verwüstung vor. Deutschland lag in Trümmern: ein nationaler Totalschaden. Die Moral der Deutschen war am Ende, sie waren seelische Wracks. Nach Jahren unbezwingbarer Herrschaft über einen Großteil Europas und blendender Symbolik, fanden die Deutschen nichts außer Ruinen vor.
Fast fünf Millionen deutsche Männer waren in Gefangenenlagern der Alliierten interniert. Doch da diese nicht für alle Gefangenen ausreichten, wurde ein Großteil der inhaftierten Kriegsgefangenen nach Sibirien gebracht. Die Infrastruktur und mehr als 90 % aller Häuser waren bis auf die Gebäudefundamente völlig zerstört. Diese Zahlen stammen aus offiziellen deutschen Erhebungen. Ganze Städte waren dem Erdboden gleichgemacht worden, wie z. B. Köln oder Dresden... Es gab keine Lebensmittel, keine Grundversorgung, kurz gesagt: alles war zerstört.
Stell dir vor, du hättest in dieser Zeit gelebt, wärst einer von vielen in Elend lebenden Menschen. Was würdest du tun? Viele sagten, sie hätten keine Zukunft mehr: „Unser Land wird von vier Siegermächten mit Schadenfreude beherrscht: den USA, der Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich.“ Hinzu kam, dass ein Großteil der Bevölkerung aus dem von der Sowjetunion kontrollierten Osten nach Westdeutschland flüchtete. Ihre Zahl wurde auf 15 Millionen geschätzt.
Wenn wir uns die deutsche Bevölkerung jener Zeit anschauen, stellen wir fest, dass sie nur noch aus Frauen, Kindern und alten Menschen bestand. Die Männer waren entweder im Krieg gefallen oder in Gefangenschaft. Nach dem Schock über die schmachvolle Niederlage fragte man sich, wie die ausweglose Situation zu lösen sei. Eine Antwort zu finden war äußerst schwierig. Die Ratlosen dachten, es sei einfacher, sich der Situation zu entziehen, indem man mit dem Strick sein Leben beendete.
Doch irgendwie kam ein rettender Gedanke, eine Idee wurde geboren. Man klammerte sich an sie, quasi wie an den letzten Strohhalm. Die Idee verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Es war so einfach: „Bevor wir kapitulierten, waren wir eine Großmacht. Was hindert uns also daran, wieder aufzustehen und noch mal von vorne zu beginnen.“ Wisst ihr, wer diese Vorstellung verbreitete? Es waren die Frauen. Die deutschen Frauen hatten diesen entscheidenden Geistesblitz und gaben der deutschen Bevölkerung ihren ersten Hoffnungsschimmer. Und so begann der Wiederaufbau Deutschlands, alle machten mit: Kinder, Frauen und Alte. Die Initiative ging aus dem Volk hervor und nicht aus einer Regierung. Jedes Mal, wenn ein Haus fertig gebaut wurde, erhielt es die Aufschrift: „Warte nicht auf dein Recht, tu das, wozu du fähig bist.“
Schon 1975, nach nur 30 Jahren, stand Deutschland wieder in voller Blüte. Bald stand Deutschland wieder ganz vorne in der Weltrangliste der Besten: auf dem 3 Platz in bezug auf das Wachstum und auf dem 2 Platz in bezug auf den Export. Schauen wir uns an, wie Deutschland in nur 30 Jahren diese rasante Entwicklung schaffen konnte.
Beginnen wir mit der ersten Phase:
Sie begann mit dem Wiederaufbau in den Jahren 1945 bis 1955. Die Frauen hatten hier eine entscheidende Rolle. Sie handelten nach dem Motto: Verliere nie die Hoffnung, wir sind ein starkes Volk, wir sind die Besten der Welt! So waren die Deutschen zu jener Zeit: Sie behielten die Hoffnung und motivierten sich gegenseitig zur Arbeit und zum Aufbau. Ihr Hauptantrieb war ein fester Glaube an sich.
Der Sieg der deutschen Fußball-Nationalelf in der Weltmeisterschaft im Jahre 1954 hat das deutsche Selbstbewusstsein in dieser Phase weiter gestärkt. Die ganze Welt blickte mit Bewunderung auf Deutschland. Wie konnte dieses zermürbte Volk einen derartig starken Willen aufbringen, seine zerstörte Heimat wieder aufzubauen?? Die deutschen Frauen, die hierbei eine besondere Rolle einnahmen, nannte man deshalb auch voller Wertschätzung „Trümmerfrauen“.
Zweite Phase der Entwicklung:
Die zweite Phase, in den Jahren 1955 – 1965, galt dem Wiederaufbau der Industrie. Anfang der 50er wurden viele Fabriken geradezu aus dem Boden gestampft, man wollte den Anschluss an die verschonten Industrienationen nicht verpassen. Gleichzeitig begann eine gezielte und immense Anwerbung von Gastarbeitern. Fast fünf Millionen Ausländer wurden ins Land geholt, die meisten von ihnen aus der Türkei. In jeder Fabrik hingen Schilder auf denen die wichtigsten deutschen Tugenden zu lesen waren:
Disziplin
Entschlossenheit
Pünktlichkeit
Dritte Phase der Entwicklung:
Nachdem sich viele Menschen von den Untaten des Naziregimes distanziert hatten, sollte in dieser Phase ein neues Heimatgefühl wiederhergestellt werden. Die Deutschen trauten sich wieder, sich mit ihrer Nation zu identifizieren (1965 – 1975).
Viele Unternehmer profitierten von dem Boom der Nachkriegszeit, es gab wieder Reichtum. Solche Firmen wurden staatlich verpflichtet, Ausbildungs- und Arbeitsplätze in ausreichendem Maße anzubieten. Auf die Frage, welche Pläne die Regierung zur Verbesserung der Konjunktur habe, antwortete der Wirtschaftsminister: „Es bedarf keiner Pläne, die Deutschen wenden die richtige Strategie bereits an, und zwar ohne irgendwelche Direktiven.“
Es lassen sich also folgende Faktoren für den erfolgreichen Aufstieg Deutschlands festhalten:
1. der felsenfeste Glaube an eine Idee,
2. große Hoffnung in der Bevölkerung,
3. unbeugsamer Wille,
4. Entschlossenheit, Stärke, Disziplin, effizienter Einsatz von Zeit!
Projizieren wir nun die Erfahrungen der Deutschen in der Nachkriegszeit auf die heutige islamische Gesellschaft, stellen wir fest, dass es uns für die Formel des Erfolges eigentlich an fast nichts fehlt. Glaubt mir, dies ist gewiss kein leeres Gerede, denn dafür gibt es Beweise - was also bietet uns der Islam an?
Eine sichere Methode = Der heilige Koran
Ein Vorbild = Der Prophet Muhammad (s).
Finanzielle Mittel
Eine reiche Kultur
Viele junge Menschen
Aber leider fehlt uns ein wichtiger Faktor: der unbeugsame Wille!
Betrachten wir nun eine ähnlich interessante Erfahrung, und zwar die der Japaner:
Das Ausmaß der Zerstörung war in Japan um ein Vielfaches größer. Amerikanische Jagdflugzeuge warfen Atombomben auf die Städte Nagasaki und Hiroshima. In nur wenigen Minuten wurden Hunderttausende von Menschenleben ausgelöscht. Die vernichtende Wirkung der Atombomben ging über die unmittelbare Explosion hinaus. Die radioaktive Strahlung hinterließ Schäden am menschlichen Genom, die seit Generationen andauern. Noch heute werden Babys mit Fehlbildungen geboren. Es war ein Verbrechen gegen die Menschheit.
Betrachten wir nun, was den Japanern aus dieser traurigen und scheinbar unlösbaren Lage hinaus geholfen hat. Zunächst sehen wir viele Parallelen zu den Deutschen. Sie brauchten als Antriebsmotor eine fundamentale Idee. Sie fanden sie in ihrem buddhistischen Glauben. Doch das Fundament dieses Glaubens ist eher schwach und irreführend. Den Lehren Buddhas zufolge ist der Gläubigste unter ihnen derjenige, der am härtesten arbeitet. Deshalb tauschten die Japaner das Schlachtfeld gegen zivile Arbeitsstätten ein: Sie schufteten in Fabriken, plackten sich auf Ackerländern ab und forschten in Laboren.
Leitlinien wie sie auch im Krieg eingesetzt wurden, hatten nun zivile Bedeutung:
Anstrengung
Forschung
Innovation
Schnell erreichten sie einen nationalen Konsens über die Bereitschaft und den Mut zum Neuaufbau ihrer Nation. Über die Landesgrenzen hinaus wurden diese Eigenschaften zum Markenzeichen der Japaner: „Made in Japan“ wurde weltbekannt.
Ihr tiefer Glaube (und ihr Hass) hinderte die Japaner nicht daran, in das Land ihrer einstigen Feinde zu gehen. Sie wollten von deren Errungenschaften lernen und von ihrem Wissen profitieren.
Ein junger japanischer Wissenschaftler ging in die USA, um über die Konstruktion einer bestimmten Maschine zu promovieren. Dabei ging es ihm weniger um den Doktortitel, sondern vielmehr darum, die Kenntnisse zu erlangen, diese Maschine in seiner Heimat nachzubauen. Das Studium sollte ursprünglich 4 Jahre dauern, doch sein Ehrgeiz und sein Engagement verhalfen ihm zu einer verkürzten Studiendauer. Nach nur zwei Jahren war er in der Lage, die Maschine zu bauen. So sagte er sich also von seinem Traum los, zu promovieren, um sein gewonnenes Wissen seinem Volk schnell zur Verfügung stellen. Als der japanische König den jungen Ingenieur empfing und die dröhnende Maschine hörte, sagte er: „Nun kann die japanische Symphonie beginnen“, und sie spielt bis heute.
Ihr jungen Leute, diese Symphonie hatte nichts mit Gesang oder Musik zu tun. Es war der Klang der laufenden Maschinen.
Die japanische Wirtschaft erlangte schnell wachsenden Auftrieb:
Im Jahre 1952 hatte Japan praktisch keine Exportaktivitäten.
Im Jahre 1970 betrug der Export 3,8 Milliarden US-Dollar.
Im Jahre 1991 waren es bereits 386 Milliarden US-Dollar.
Und an dieser Stelle möchte ich noch mal an die goldene Regel erinnern:
Wenn sich jemand eine Idee in den Kopf setzt,
an sie glaubt und an ihr festhält,
und sie konsequent umsetzt,
wird er sie bestimmt zu Lebzeiten verwirklicht sehen!
Vergleichen wir nun noch einmal die Erfahrungen der Deutschen und der Japaner, stellen wir fest, dass sie viele Gemeinsamkeiten haben:
1. Eine relativ kurze Zeitspanne: Bis zum wirtschaftlichen Erfolg dauerte es in beiden Ländern nur 30 Jahre.
2. Die Anfangsidee: Die Deutschen wollten die Besten der Welt sein und die Japaner richteten sich nach den Lehren ihres buddhistischen Glaubens.
1. Hoffnung (In Deutschland pflegte man zu sagen: „Säe die Hoffnung vor dem Weizen.“)
2. Einen festen Willen
3. „Geistige“ Bedingungen: proaktive Haltung, Entschlossenheit und effiziente Nutzung der Zeit.
4. Materielle Bedingungen: fruchtbarer Ackerboden, adäquates Klima, Bodenschätze
Zu Punkt 2: Werfen wir nun einen genaueren Blick auf die islamische Erfahrung:
Wie ist der Prophet Muhammad (s) mit dieser Thematik umgegangen?
Diese einmalige Erfahrung ist nach allen Maßstäben universal: Sie bedeutete nicht nur ein Wirtschaftswunder, sondern vollbrachte auch wahre Wunder auf den Gebieten der Wissenschaft, des gesellschaftlichen und militärischen Fortschritts etc.
In den vorangegangen Beispielen wurde der Aufschwung anhand des durchschnittlichen pro Kopf Einkommens bewertet. In der einzigartigen islamischen Erfahrung hingegen legen wir einen ganzheitlichen Bewertungsmaßstab an: Sie wollte in erster Linie ein neues Bewusstsein schaffen und nicht lediglich höhere Durchschnittseinkommen generieren.
Was also waren die Ursachen für den Erfolg der islamischen Gesellschaft?
Auch hier gab es eine Anfangsidee, mit der alles begonnen hat. Diese Idee basierte auf den unerschütterlichen Glauben an Gott. Die Überzeugung, dass der Erfolg im Leben eine von Gott auferlegte Pflicht ist, die für alle Muslime Geltung hat. Denn der Mensch wurde geschaffen, um Gottes Statthalter auf Erden zu sein.
Zunächst begann der edle Prophet Muhammad (s) bei den Frauen und den Jugendlichen. Mit 38 Jahren war Abu Bakr der Älteste seiner Anhänger. Muhammad (s) säte ständig Hoffnung und Glauben. So sagte er beispielsweise sinngemäß: „Der Islam wird gewiss (überall) dorthin gelangen, wo es Tag und Nacht gibt.“
Einst bot Muhammad (s) dem Adi Ibn Hatem Ali at-Taa’i die Konvertierung zum Islam an. Adi lehnte zunächst jedoch ab, weil die islamische Gemeinschaft arm und schwach war. Dem Propheten (s) gelang es dennoch, Adi zu überzeugen, indem er ihm Hoffnung machte. Er sagte sinngemäß: „Bei Allah, es wird den (armen) Muslimen so viel Geld gegeben werden, bis es keinen mehr geben wird, der es nimmt; das Reich von Chosrau (d.h. Persien) wird erobert werden; und Frauen werden sich von Hira (im Jemen) nach Mekka bewegen können, ohne jemanden zu fürchten außer Gott.“
Unter dem Namen Chandak wurde eine Schlacht zwischen den Muslimen und den Glaubensverweigerern bekannt. Chandak war ein Erdgraben, der die Muslime vor den Waffen der überzähligen Glaubensverweigerer schützen sollte. Während sie den Graben anlegten, hinderte sie ein großer Felsbrocken an dessen Fertigstellung. Man befürchtete, dass die Glaubensverweigerer den Felsen zur Überschreitung des Grabens nutzen könnten. Da erhob sich der Prophet Muhammad (s), schlug mit seinem Beil auf den Felsen, dass dieser Funken sprühte, und sagte: „Gott ist am größten, der Sieg über die Perser ist uns sicher!“ Der Prophet (s) schlug ein zweites Mal, so dass die Funken sprühten und sagte: „Gott ist am größten, der Sieg über die Römer ist uns sicher!“ Beim dritten Schlag zerbarst der Fels in Stücke. So gelang es Muhammad (s), Hoffnung und festen Glauben in den Herzen seiner Gefährten zu säen. Mit dieser Methode gelang es Muhammad (s), die Gläubigen von ihren Zweifeln zu befreien, ihre Überzeugung zu festigen und sie schlussendlich zum Erfolg zu führen. Dieser Erfolg spiegelte sich in der Standhaftigkeit seiner Gefährten und ihrem festen Glauben wider:
Sumaya, die Mutter von Amr Ibn Yaser, widerstand der Bedrohung und Folter durch Abu Dschahl, der sie dem Islam entreißen wollte. Abu Dschahl tötete sie mit dem Speer und Sumaya wurde die erste Märtyrerin in der islamischen Geschichte. Der Prophet Muhammad (s) verkündete ihr den Eintritt in das Paradies sinngemäß mit den Worten: „Übt euch in Geduld, Familie von Yaser, das Paradies ist euer Lohn.“
Bilal Ibn Rabah, ein abessinischer Sklave, den Allah mit dem Islam ehrte. Er war es, der die berühmten Worte sprach: „Der Einzige, der Einzige“ (Ahad, Ahad). Bilal wurde von den Glaubensverweigerern fast zu Tode gefoltert, damit er sich vom Islam distanziere. Das Gewicht schwerer Felssteine auf seiner Brust vermochten ihn nicht zur Untreue gegenüber Gott zu verleiten. „Gott ist der Einzige“ sagte er immer wieder trotz der Folter, bis er freigekauft wurde.
Al-Chansa, eine zu jener Zeit berühmte Poetin, deren vier Kinder als Märtyrer fielen, sagte voller Standhaftigkeit: „Preis sei dem, der mich mit ihrem Märtyrertum geehrt hat.“
Sayyida Aischa, die Ehefrau Muhammads (s), unterwies Männer in den Lehren des Islam.
Die ersten Muslime waren nicht gerade mit Reichtum ausgestattet. Die Bürger Medinas waren einfache Menschen, doch besaßen sie auch wichtige Tugenden. Sie waren reich an Prinzipien und Moral, und so erfüllte sich bald die Prophezeiung Muhammads (s): Die islamische Wirtschaft gedieh und der Reichtum entfaltete sich über die gesamte Gesellschaft. Generationen nach Muhammad (s) profitierten noch von dem erlangten Wohlstand.
Kurz gesagt, die Erfahrung unseres geliebten Propheten Muhammad (s) beweist, dass Wille und Tatkraft zum Erfolg führen können. So geschah es dann auch, da die Muslime sich auf einen tief verwurzelten Glauben an Gott stützten, starken Willens und entschlossen waren, und Allah machte sie standhaft. Von dieser Zeit an verbreitete sich eine hochentwickelte Kultur, von der die gesamte Menschheit über eine Dauer von mehr als 1300 Jahren profitieren sollte:
Die Wissenschaft des Korans, der Ahadith und des Fiqh (islamische Rechtswissenschaft)
Sprachwissenschaft: Literatur, Grammatik und Rhetorik
Mathematik: Algebra, Differential- und Integralrechnung, Bruchrechnung, Entwicklung der Zahl „null“.
Medizin: arabische Ärzte waren Pioniere auf vielen medizinischen Gebieten:
Die erste operative Entfernung eines Katarakts (Augenkrankheit) durch Hassan Ibn Al Haitham.
Die erste operative Entfernung der Mandeln
Anatomie
Bakteriologie und die Lehre über Malignome
Die medizinischen Lehrbücher von Ibn Sina (Avicenna: „Kanon der Medizin“), al-Razi (Rhazes) und Ibn al-Nafis, der erstmals den Lungenkreislauf beschrieb, wurden bis vor gar nicht allzu langer Zeit noch an europäischen Universitäten gelehrt.
Die Bibliotheken waren reich an Büchern und wissenschaftlichen Werken, allein in Bagdad gab es mehr als zwei Millionen Bände und Manuskripte. Überall in den Städten gab es medizinische Einrichtungen und Krankenhäuser.
Wir sehen also, dass die Araber bereits 200 Jahre nach dem Tod des Gesandten Muhammad (s) weltweit die führende Nation waren.
Aus all dem lassen sich die Prinzipien des Erfolges folgendermaßen festhalten:
1. Der feste Wille
2. Lesen (und Lernen)
3. Nachdenken (und Forschen)
4. Arbeit (und Anstrengung)
All diese Dinge hat Allah uns im Koran aufgetragen. Aufforderungen wie „sich anstrengen“ werden im Koran 250 Mal erwähnt, „erfolgreich zu sein und auf der Erde zu walten“ mehr als 400 Mal, „benutzt euren Verstand“ mehr als 50 Mal, und auch über den Wert der Zeit wird berichtet: „Bei der Nachmittag-Zeit...“ (103:1), „Bei der Morgendämmerung...“ (89:1).
Zu Punkt 3: Lasst uns nun überlegen, wie wir unsere heutigen Probleme angehen wollen:
Zunächst werden wir die Formel für den Aufstieg erarbeiten. Diese Formel ist der Weg zum Erfolg, an ihr orientiert sich der weitere Verlauf unserer Sendungen.
Fester Glaube an eine Idee + große Hoffnung = unerschütterlicher Wille
Unerschütterlicher Wille + vorhandene, erforderliche Mittel = sicherer Erfolg
Fester Glaube an eine Idee: Zunahme der Religiosität
Große Hoffnung: Die Hauptaufgabe dieses Programms
Unerschütterlicher Wille: Den werden wir in jeder Folge testen
Vorhandensein bestimmter Mittel und Bedingungen: geistige wie materielle.
Die Formel ist ein feststehendes Naturgesetz, konstant wie die Existenz der Sonne und des Mondes.
Daraus ergibt sich eine Frage, auf die wir im Folgenden antworten werden: Es gibt andere Nationen, die Erfolg hatten und die nicht an die islamischen Lehren glaubten, warum also ausgerechnet das islamische Modell wählen???
1. Der Islam ist die einzige Ideologie, deren Inhalte sich mehr als 1300 Jahre behaupten konnten, wohingegen andere im Laufe der Zeit kamen und alle wieder gingen, wie beispielsweise der Kommunismus.
2. Die anderen Nationen bezogen ihre Kraft aus ihren Wurzeln. Die Deutschen ließen sich von der Idee leiten, sie seien das beste Volk der Welt. Die Japaner bedienten sich der Ideologie Buddhas als treibender Kraft für ihre Ziele. Warum also sollen ausgerechnet wir nun das Rad neu erfinden und über Bord werfen, was wir bereits haben? Vielmehr müssen wir uns auf den Ursprung rückbesinnen, auf den Islam, und auf ihn bauen...
Zu Punkt 4: Konzept des Programms:
Dieses Programm wird inschaa Allah, so Gott will, auf mehreren Stadien aufbauen:
Das erste Stadium sagt dir: Verinnerliche die Werte und Prinzipien des Erfolgs!
Das zweite Stadium sagt dir: Entwickle dein Selbstvertrauen! Und los geht’s...
1. Verinnerlichen der Werte und Prinzipien des Erfolgs
Zugehörigkeit zum und Besinnung auf den Islam
Verantwortungsgefühl entwickeln
Proaktive Haltung
Entschlossenheit und Fleiß
Wertschätzung der Zeit
Weitreichende Bildung
Perfektion bei der Arbeit
Ressourcen schützen
Wahrnehmung von Kunst und Ästhetik
Definition eines Ziels im Leben
Das Ziel dieses Programms ist, die zehn hier genannten Werte und Prinzipien zu verinnerlichen, auf sie zu beharren und anhand eines wöchentlichen Projektes zu testen, was wirklich umgesetzt wurde.
Durch die Anhäufung von Ideen und Projekten sowie die ständige Wiederholung der Erfolgsprinzipien, werden diese inschaa Allah fest verinnerlicht werden. In jeder Folge werden wir von realen Erfolgsgeschichten berichten, wie die Geschichte von Khaldun zum Beispiel, von der wir in der zweiten Folge erzählt haben. All dies wir inschaa Allah dazu beitragen, uns fest davon zu überzeugen, dass jeder von uns Erfolg haben kann!
2. Vorbereitung auf den Erfolg und Entwicklung des Selbstvertrauens
Unbeugsamer Wille
Erkennen der eigenen Neigungen, Fähigkeiten und Talente
Innovation und Kreativität
Strukturiertes Denken
Wertschätzung von Bildung
Wertschätzung von Arbeit
Eigeninitiative
Das beste Beispiel und das Vorbild
Prioritäten festlegen
Soziale Kompetenz: Kunst der Kommunikation
Herausforderungen annehmen, bei Hindernissen geduldig und standhaft sein
Richtiges Planen und ein klarer, zukunftsgerichteter Blick
Beenden wir die Einführung zu unserem Programm mit der Geschichte unseres jungen Freundes, schauen wir sie uns erneut an:
Sieh dir diesen jungen Mann genau an: Er ist traurig und depressiv. In seinem engen Zimmer hängen überall Spinnweben. Auf dem Schreibtisch liegt ein verstaubter Koran, auf einem Sofa ein nachlässig hingeworfener Gebetsteppich. Außerhalb seines Zimmers ist es hell und sonnig. Wir haben diesen jungen Mann angesprochen und fragten ihn, ob er mit uns ans Licht kommen möchte. Er sagte: „Es geht nicht.“ Wir antworteten: „Doch, es geht.“ Dann regte sich sein Körper und bedeutete den Wunsch, aufzustehen, aber es gelang ihm nicht. Es schien, als wäre er angebunden. An seiner linken Hand war er mit Passivität gefesselt, seine rechte Hand hing in einer Schlinge aus Trägheit. Um seinen Hals hing eine Kette aus Ignoranz, seine Beine waren fixiert mit Ziellosigkeit. Damit er sich befreien kann, boten wir ihm unsere Hilfe an. Wir gaben ihm die ersten drei Folgen dieses Programms, und die Idee überzeugte ihn. Schritt für Schritt lernte er, seinen Willen wieder aufzurichten, sein Ziel zu definieren und sein Wissen zu erweitern. Er begann, sein Wissen umzusetzen. So konnte er sich schließlich von seinen Fesseln befreien, dies war der erste Schritt.
Der junge Mann erlernte:
eine proaktive Haltung einzunehmen,
Entschlossenheit und
sich anzustrengen.
Eines Tages öffneten wir ihm die Zimmertür, und er wollte aufstehen, und den Raum verlassen. Doch bevor er austrat, sagten wir ihm: „Lass uns dich zuerst mit den Fähigkeiten ausrüsten, die dir auf dem Weg zum Erfolg dienen werden.“
Dies ist der zweite Schritt. Wir rüsteten ihn aus mit:
Eigeninitiative und
einem unerschütterlichen Willen.
Wir halfen ihm:
seine Neigungen und Talente zu erkennen
und seine Zukunft richtig zu planen.
Und so gelang es ihm, herauszutreten, ganz leicht. Dabei hielt er zwei Dinge in seinen Händen: in seiner Rechten den Koran, und in seiner Linken die Mittel zum Erfolg im Leben.
So trat er ans Licht, und es ward Zeit für den dritten Schritt: Er muss in der Gemeinschaft arbeiten, und zwar mit jungen Männern und Frauen, die aus anderen dunklen Zimmern herausgetreten sind, wie er selbst. Fasst euch an den Händen, und ihr werdet erfolgreich sein!
Unser Motto ist: Gemeinsam gestalten wir das Leben!
Übersetzt durch: Dar al-Tarjama – Deutsches Team
© AmrKhaled.net
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