UmMahat Al-Moemenin
Die Mütter der Gläubigen
Vorwort über die Mütter der Gläubigen
Einführung in die Serie:
Die Serie "Wa nalqa Al-Ahebba" (Begegnungen mit den Lieben) ist
fast zu Ende. Aber wir können diese Serie nicht abschließen, ohne uns mit den
Ehefrauen des Propheten (s¹) zu beschäftigen, weil diese Serie die Biographien
der Gefährten des Propheten (s) veranschaulichen soll. Ich habe mich daraufhin
entschlossen, eine Reihe über die Ehefrauen des Propheten (s) in derselben Serie
zu veröffentlichen. Hierfür habe ich auf das Buch „Asad Al-Raba“ (Löwe des
Dschungels) von Ibn Al-Athir zurückgegriffen, welches aus mehreren Bänden
besteht. Ein ganzer Band handelt ausschließlich von den weiblichen Gefährten des
Propheten (s) (in erster Linie von seinen Ehefrauen), denn diese haben viel für
den Islam geleistet und keine Opfer waren ihnen zu groß. Frauen sind nicht nur
eine tragende Säule der Gesellschaft sondern spielen auch eine große Rolle bei
deren Entwicklung. Was dazu führt, dass der Islam die Frau sehr hoch einschätzt.
Wußtet ihr, dass:
§
die erste Person, die nach dem Propheten (s) das Gebet
verrichtete, eine Frau war?
§
die erste Person, die nach dem Propheten (s) an Allah (t)
glaubte, eine Frau war?
§
die erste Person, die nach dem Propheten (s) die religiösen
Pflichten erfüllte, eine Frau war?
§
die erste Person, der nach dem Propheten (s) das Paradies
verhießen wurde, eine Frau war?
§
der erste Märtyrer im Islam eine Frau war?
§
der erste muslimische Märtyrer in Europa auch eine Frau war?
Wir erzählen die Lebensgeschichten der Ehefrauen des Propheten
(s) aus folgenden Gründen:
1.
sie sind den muslimischen Frauen die größten Vorbilder.
2.
nur durch sie erfahren wir die kleinsten Einzelheiten im Leben
des Propheten (s), u.a. wie man sich rituell wäscht oder sich mit seiner Frau in
bestimmten Zeiten (z.B. während der Menstruationsdauer) verhält.
3.
das Eheleben des Propheten (s) mit seinen Frauen gilt als eine
Schule für uns, in der wir Lektionen im Eheglück lernen können, was uns
heutzutage am meisten fehlt. Wir finden niemals solche Liebe und solches Glück,
wie Muhammad (s) und Chadidscha (r)
es in ihrem Eheleben hatten.
4.
die Ehefrauen des Propheten (s) sind laut dem Koran (33:6) unsere
Mütter. Wir sollten die Lebensgeschichten unserer Mütter kennenlernen und
spüren, dass sie wirklich unsere Mütter sind. Die Gefährten riefen sie immer
"unsere Mütter", selbst wenn sie Geschwister von ihnen waren. Muhammad Ibn Abu
Bakr war zwar der Bruder von A’ischa (r), aber er rief sie immer "meine Mutter".
Die Ehefrauen des Propheten (s):
Der Prophet (s) hatte zwölf Ehefrauen. Die Gelehrten sind sich
jedoch uneinig über die genaue Zahl, denn einige meinen, der Prophet (s) ging
eine ordentliche Ehe mit der ägyptischen Maria Bint Scham’un (r) ein. Andere
wiederum behaupten, dass sie zum Besitz des Propheten (s) von Rechts wegen
zählte. Am wahrscheinlichsten jedoch ging sie eine ordentliche Ehe mit dem
Propheten (s) ein.
Die Ehefrauen des Propheten (s) der Reihe nach:
1.
Chadidscha Bint Chuwailid
2.
Sauda Bint Dama’a
3.
A’ischa Bint Abu Bakr
4.
Hafsa Bint U’mar
5.
Zainab Bint Chozaima
6.
Umm Salama (Hind Bint Abu Umaima)
7.
Zainab Bint Dschahsch
8.
Dschuaira Bint Al-Hareth
9.
Safia Bint Hujai Ibn Al-Achtab
10.
Umm Habiba (Ramla Bint Abu Sufian)
11.
Maria Bint Scham’un
12.
Maimuna Bint Al-Harith
·
Wie viele von ihnen waren unverheiratet, als der Prophet (s) sie
heiratete?
Nur eine, und zwar A’ischa (r).
·
Wie viele von ihnen waren arabischen Ursprungs?
Alle waren arabischen Ursprungs, außer Maria, sie war koptische
Ägypterin.
·
Wie viele von ihnen gehörten anderen Religionen an, ehe sie den
Propheten heirateten?
Safia (r) war zunächst Jüdin, wurde aber vor der Eheschließung
mit dem Propheten (s) Muslimin.
Maria(r) war eine christliche Koptin, konvertierte aber auch vor
der Heirat zum Islam.
So heiratete der Prophet (s) Frauen, die keine Araberinnen waren,
nicht aus dem Stamm der Quraisch kamen sowie Musliminen und Nichtmusliminen. Er
heiratete auch Frauen, die ledig, geschieden oder verwitwet waren.
Hier stellt sich die Frage: „Warum heiratete der Prophet (s) so
viele Frauen?“
Einige Orientalisten meinten, dass der Prophet (s) ein (niemals
könnte er es sein!) lüsterner Mensch sei. Um darauf Antwort zu geben, müssen wir
zuerst die Lebensabschnitte des Propheten (s) aus der Nähe betrachten:
1.
Abschnitt: Er war bis zu seinem 25. Lebensjahr ledig.
2.
Abschnitt: Vom 25. bis zum 50. Lebensjahr lebte er mit Chadidscha
(r) zusammen obwohl sie 15 Jahre älter war als er. Vor dem Propheten (s) war sie
bereits zweimal verheiratet und brachte aus diesen Ehen Kinder mit in die Ehe.
3.
Abschnitt: Als er 50 war, starb Chadidscha (r) und er lebte zwei
Jahre lang allein aus Trauer um sie und der Treue wegen.
4.
Abschnitt: Zwischen seinem 52. und seinem 60. Lebensjahr
heiratete er die weiteren Mütter der Gläubigen, wobei dies verschiedene Gründe
hatte: humane, politische oder missionarische.
5.
Abschnitt: Zwischen seinem 60. und 63 Lebensjahr ging er keine
Ehe mehr ein, nachdem die Verse:
[„Es
ist dir nicht erlaubt, künftig (andere) Frauen (zu heiraten)...“]
(33:52) offenbart wurden.
Ist es verständlich, dass die Lüsternheit so plötzlich den
Propheten (s) im Alter von 52 Jahren überkam? Diese Periode war eine Zeit voller
Kriege und Auseinandersetzungen. Der Prophet (s) hatte wenig Zeit zu
geschlechtlichen Beziehungen mit seinen Frauen. Außerdem heiratete er Sauda(r),
die damals mehr als 80 Jahre alt war. Sie war die erste verwitwete Frau im Islam
da ihr Ehemann verstarb, als sie gemeinsam nach Abessinien auswanderten. Ihre
Verwandten waren Nichtmuslime, deswegen heiratete sie der Prophet (s), um sie zu
schützen und ihr Freude zu machen. Die Ehe dauerte eineinhalb oder zwei Jahre
danach heiratete er A’ischa.
Der Prophet(s) hat auf zwei unterschiedliche Weisen geheiratet:
1.
Er hat als Muhammad (s) der Mann geheiratet (seine Ehefrau
Chadidscha(r))
2.
Er hat als der Prophet Muhammad (s) geheiratet (mit den
restlichen Ehefrauen, um sein Prophetentum zu praktizieren, guten Charakter,
Humanität und Barmherzigkeit auszuüben und zu verbreiten)
Es ist etwas Natürliches, denn die anderen Propheten haben auch
mehrere Frauen geheiratet, z.B.: unser Prophet Abraham, Jakob, David sowie der
Prophet Salomon. Alle Himmlischen Bücher sagen, dass die Propheten mehreren
Frauen geheiratet haben.
3. Der Prophet (s) hat diese Frauen aus bestimmten Gründen
geheiratet, die wie folgt lauten:
1. Verbreitung und Verkündung des Islam (Da’wa)
Der Prophet (s) baute eine Gemeinschaft (Umma) bis zum Tag der
Abrechnung auf. Es musste eine Aufklärung über die Kunst des Aufrufes zum Islam
gemacht werden sowie über die Prinzipien und Regeln der islamischen Lebensweise.
Deswegen musste es dem männlichen Teil der Gefährten des Propheten (s)
ermöglicht werden, sein Haus ohne Hemmungen zu betreten, um über die Details
seines Lebens zu berichten. Der Prophet (s) hat A’ischa geheiratet als sie noch
jung war. Es war notwendig, dass sie auch lange Jahre nach seinem (s) Tod diese
Gemeinschaft (Umma) lehren kann und damit ihre Religionsauffassung stark ist.
Sie hat auch keinen Nachwuchs bekommen, das ist eine göttliche Gebung, damit sie
mehr Zeit für die religiösen Angelegenheiten hat. A’ischa (r) hat nach dem Tod
des Propheten (s) die Menschen gelehrt. Sie verstarb im Jahr 57 nach dem
Islamischen Kalender (Hidschrajahr). A’ischa (r) hatte mehr Wissen über
Erlaubtes (Halal) und Verbotenes (Haram) im Islam als die anderen Muslime, denn
die Ehefrauen des Propheten (s) haben über 3000 Hadithe2 übermittelt.
Manch einer behauptet, dass A’ischa (r) zu jung verheiratet wurde ohne zu
bedenken, dass Mädchen die in der Wüste leben früher in die Pubertät kommen als
z.B. Mädchen in Sibirien, was man durch das unterschiedliche Klima erklären
kann.
2. Zusammenhalt der Gemeinschaft (Umma) nach dem Tod des
Propheten (s)
Der Prophet (s) war mit vier seiner Nachfolger (Chulafaa)
verwandt:
-
Er hat A’ischa
(r), die Tochter von Abu Bakr (r) geheiratet
-
Er hat Hafsa
(r) , die Tochter von U’mar (r) geheiratet
-
Ali hat Fatima
(r) , die Tochter des Propheten (s) geheiratet
-
U’thman hat Ruqaya, die Tochter des Propheten (s), und nach ihrem
Tod ihre Schwester Umm Kalthum geheiratet
Aus diesem Grund hatten die vier Nachfolger (Chulafaa) eine
besonders enge Beziehung zum Propheten (s).
3. Barmherzigkeit mit den Witwen
Der Prophet (s) war barmherzig mit den Witwen (Frauen der
Märtyrer) deshalb fand er für sie einen Versorger. Wie z.B. seine Ehen mit:
Sauda, Umm Salama, Umm Habiba (die Tochter von Abu Sufian). Nachdem sie, Umm
Habiba, nach Abessinien ausgewandert ist und ihren Vater Abu Sufian verlassen
hat, verstarb ihr Ehemann U’baid Allah Ibn Dschahsch. Es war ihr unmöglich mit
den Ungläubigen zusammen zu bleiben und sie musste einen bedeutenden Mann
heiraten. So hat der Prophet (s) sie geheiratet, damit er Abu Sufian
erschüttert. Dieser freute sich, denn er wusste, dass seine Tochter nie zu den
Ungläubigen zurückkehren würde.
Ihr solltet wissen, dass eine Frau zu heiraten, um ihr
beizustehen und sie zu beschützen, die beste Sache ist, die ein Mann tun kann.
4. Vervollständigung des Islam und seiner Gesetze
Der Prophet (s) musste in bestimmten Situationen ein Vorbild
sein, um den Islam und seine Gesetze zu vervollständigen. Es sollte bewiesen
werden, dass der Islam eine Barmherzigkeit für denjenigen ist, der aus seiner
Religion austritt und zum Islam konvertiert. So z.B. hat der Prophet (s) Safia
(r), die Tochter von Haiyi Ibn Al-Achtab, geheiratet, um zu beweisen, dass der
Islam selbst denjenigen verzeiht, die zum Islam übertreten auch wenn sie vorher
Feinde waren.
Er (s) hat auch Maria Al-Qubtia geheiratet, damit er eine
Beziehung zwischen dem Volk von Ägypten bis zum Tag der Auferstehung herstellt.
Somit entstand zwischen dem Propheten (s) und den Ägyptern ein Band bestehend
aus Verwandtschaft und Verschwägerung.
Er (s) hat auch Dschuwairia (r) geheiratet, die zusammen mit
Leuten aus ihrem Stamm in einem Krieg gefangen genommen wurde. Sie war
gleichzeitig die Tochter des Führers dieses Stammes und wurde nach ihrer Heirat
mit dem Propheten (s) ein Anlass dafür, dass der gesamte Stamm den Islam annahm.
Denn die Gefährten des Propheten (s) haben sich so sehr dafür geschämt, dass die
Stammesangehörigen der Frau des Propheten (s) ihre Kriegsgefangene waren und
ließen sie deshalb frei. Dies führte dazu, dass der ganze Volksstamm zum Islam
übertrat. Man hat sogar über sie gesagt, dass sie die gesegnete Frau des Stammes
war, weil sie der Grund war, dass ihr Stamm sich zum Islam bekannte.
Warum ist es nicht erlaubt, dass ein Muslim mehr als vier Frauen
heiratet?
Weil diese Anzahl von Frauen nur dem Propheten (s) erlaubt war,
um seine Aufgaben zu erfüllen. Warum wollen ihn die Männer speziell in diese
Sache nachahmen und nicht in anderen, wie z.B. die Tatsache, dass der Prophet
(s) Tag und Nacht gefastet hat, ohne das Fasten zu brechen. (Der Prophet (s)
hatte gesagt, dass seine Person nicht mit anderen zu vergleichen ist). Warum
verlangen wir die Ausnahme in diesem Bereich und nicht in einem anderen?
Und hier möchte ich ein Wort an die Männern richten, die mehr
Frauen heiraten, als es ihnen der Koran von Rechtswegen her erlaubt. Es gibt
Voraussetzungen und Regeln wie die Gerechtigkeit und das Leisten von Unterhalt.
Wer nicht dazu fähig ist dies einzuhalten, so begeht er eine Sünde.
Der Prophet (s) hat mit der Polygamie erst im Alter von 52 Jahren
angefangen, nachdem er über eine gewisse Lebenserfahrung und Standhaftigkeit
verfügte. Ein weiterer Aspekt ist die finanzielle Situation, über die wir
verfügen müssen, um unsere Familien aufrecht zu erhalten. Darüber hinaus sollten
wir die Gefühle der ersten Frau beachten. Man sieht, dass es viele Regeln
diesbezüglich gibt, die man einhalten muss, bevor man mehrere Frauen heiratet.