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Den Verstand benutzen
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Der Charakter

SUNNAA’ AL-HAYAT

Lebensgestalter

 

Den Verstand benutzen

 Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten. Friede und Heil auf Muhammad (s)1, den Gesandten Allahs, auf seine Familie und all seine Gefährten.

 Wir befinden uns immer noch in der letzten Phase unseres Programms, in der Phase, in der wir die Fesseln um uns brechen wollen. Bis jetzt haben wir zehn Fesseln gebrochen, und bevor wir mit der letzten Fessel beginnen, möchte ich euch gerne an unseren Plan - der „fruchtbaren  Woche“ – erinnern, denn dieser Plan wird uns weiter begleiten.

 In der „fruchtbaren Woche“ wollten wir darauf achten, dass wir pro Tag vier Handlungen einhalten: eine ernährt die Seele, eine ernährt den Verstand, eine ernährt den Körper und eine ernährt die Familie. Und wir haben uns auf die folgenden vier Dinge geeinigt: gottesdienstliche Handlungen, Arbeit und Lernen, Soziales und Sport.

Die Arbeit

Wir haben uns darauf konzentriert, dass unser Plan vom Leben des Propheten (s) inspiriert ist. Du sollst pro Tag sechs Stunden lernen oder reine Arbeit ausführen.

All die letzten Projekte basierten auf Bewegung, aber mit unserem Vorhaben heute möchte ich dir sagen, dass du dazu fähig bist, dich von innen zu verbessern, weil du fähig warst, dein Umfeld zu verbessern.

 Gottesdienstliche Handlungen

Wir möchten Allah dienen wie der Prophet (s) es getan hat. Zumindest halten wir die vier grundlegenden Handlungen ein, die dazu führen, eine großartige Belohnung zu erreichen, denn diese vier Handlungen sind der Schlüssel zur Annäherung an Allah, dem Erhabenen.

Diese Handlungen sind:

  • Das zusätzliche Nachtgebet (Qiam al-Leil2); und wenn es nur zwei kurze Gebetseinheiten (Rak’a3) nach dem Nachtgebet sind

  • Bittgebet: mindestens eine Minute nach dem Pflichtgebet

  • Gottgedenken (Zikr4): fünf Minuten auf dem Weg zur Arbeit

  • Koranlesen: zumindest eine Seite zur Zeit des Nachtgebets

 Wer von euch die „fruchtbare Woche“ ausgeführt hat, hat sicher gefühlt, dass die Nähe zu Allah sich erheblich gesteigert hat.

 Um diese vier Handlungen einzuhalten, schlagen wir folgenden Plan vor:

Steh eine halbe Stunde vor der Morgendämmerung auf und verrichte für zehn Minuten ein Nachtgebet. Lies dabei aus dem Koran und sprich dann fünf Minuten vor der Morgendämmerung ein Bittgebet, weil dies die besten Stunden sind, in denen Allah das Bittgebet erfüllt. Danach bete das Morgengebet und schlafe.

So hältst du das ein, was du sollst, und für den Rest des Tages hast du nur noch die Gebete.

Sport

Du sollst pro Tag eine halbe Stunde Sport treiben. Unser großes Vorbild ist dabei der Prophet (s), seine Tüchtigkeit und seine Kraft sowie die Kraft seiner Gefährten.

 Gesellschaftliche Pflichten

Du sollst nach deinen Verwandten und Eltern fragen. Oder du setzt dich ein wenig mit deiner Frau und deinen Kindern zusammen. Oder du fragst nach deinen Nachbarn, was du auch für eine halbe Stunde per Telefon machen kannst.

Mit diesen Taten und wenn Allah will, hast du die „fruchtbare Woche“ durchgeführt, und die Engel werden aufschreiben, dass du in die Fußstapfen des Propheten (s) getreten bist.

Die letzte Fessel

 Unser fruchtbares Projekt wird fortgeführt, und wir erweitern es, indem wir die letzte Fessel brechen: Die Nutzung des Verstandes.

Manche Menschen haben das Problem, dass sie nicht denken möchten. Und wir sind alle überzeugt, dass das Denken eine schwierige Tätigkeit ist, denn jeder von uns sucht nach jemandem, der für ihn denkt.

Sehr viele junge Leute glauben, dass Denken nur etwas für die Älteren ist und dass sie selbst noch zu jung dafür sind. Das Resultat ist, dass wir nichts produzieren. Wo sind die Ergebnisse, die wir der Menschheit erbringen?

 Ich möchte, dass mir einer von euch sagt, was wir in den letzten 100 Jahren der Menschheit beigesteuert haben. Wo sind die Nobelpreise in der Medizin und dem Ingenieurwesen? Und wehe ihr sagt, dass dies eine Verschwörung gegen uns ist, denn es gibt keinen, der etwas produziert hat, das einen Preis verdient hätte.

Wo sind die welttauglichen Theorien in der Wirtschaft? In der Politik? Alles kommt aus dem Westen. Wo sind die originellen Kunstschöpfungen? Auch den Video Clip haben wir von ihnen kopiert, so wie sie ihn machen. Wieso haben wir keine eigenen Leistungen, die auch zu uns passen? Sogar die Sportarten sind schon vorbereitet aus dem Westen gekommen.

 So leben wir. Wir übernehmen das, was andere denken. Sie haben das Auto erfunden, und wir fahren es. Das gleiche gilt für die Kamera, das Handy usw. Wir sind einfach nur Verbraucher, weil wir nicht selbst denken. Ich weiß, dies sind verletzende Worte.

Übrigens, die heutige Folge ist schwierig. Und unser Vorhaben ist nicht wie die vorigen, die schon von so vielen durchgeführt worden sind. Deswegen möchte ich sagen: Auch wenn es nach dieser Folge keine effektiven Ergebnisse geben wird, haben wir aber zumindest das Problem erläutert und diskutiert.

Es gibt zwei Arten von Einnahmequellen: natürliche wie Wasser und Öl, und menschliche wie Zeit und Verstand.

In unseren Ländern gibt es eine große Diskussion: Ist das ständige Ansteigen der Zahl der Muslime eine Last oder ein Vorteil? Es tut mir leid, wenn ich sagen muss, dass es eine Last ist. Denn das Anhäufen von Körpern ist eine Last, wenn daraus kein Nutzen entsteht.

Beispiele aus dem Leben des Propheten (s)

 Der Prophet (s) sagte: „Der Muslim ist wie der Regen: Wo er niedergeht, ist er von Nutzen.“

A’mr bin Al-A’as verlangte von Abu Bakr 1.000 Mann. Dieser hat ihm dann nur einen Mann geschickt: Alqa’qa’ bin A’mr, dessen Verstand und Geist gleichwertig mit dem von 1.000 Mann war.

Seid ihr Menschen damit einverstanden, dass ihr eine Last seid?

Der Prophet (s) sagte: „Ich werde auf eure Anzahl gegenüber den anderen Gemeinschaften am Tage der Auferstehung stolz sein.“ Ist hier wohl nur die Quantität oder auch die Qualität der Menschen gemeint? Wo ist unser Beitrag des Verstandes?

 Was ich heute von euch will, ist, dass ihr denkt. Denn die Gehirnzellen fangen an zu rosten, wenn man sie nicht benutzt.

 Japan ist ein Land ohne natürliche Einnahmequellen, aber die wichtigste menschliche Einnahmequelle ist deren Verstand. Denn während des 2. Weltkrieges wurde das ganze Land zerstört, Häuser und Fabriken. Aber der Verstand der Japaner wurde nicht zerstört.

Es gibt auch einen Grundsatz, der lustig, aber leider auch wahr ist: Was würde wohl passieren, wenn wir das japanische Volk in eines unserer Länder verlegen würden und uns nach Japan? Nach einem Jahr würden wir in unserem Land neue Gebäude, Produktionen und Herstellungen sehen, und in Japan aufgeregte Hühner und Abwasser auf den Straßen.

 Der Punkt ist, es ist nicht das Geld oder die Quellen, die alles ermöglichen, sondern der Mensch kann selbst etwas verbessern oder zugrunde richten.

 Ich möchte eine Frage stellen: Warum sind wir so geworden? Warum gibt es keine Ideen?

Meiner Ansicht nach gibt es dafür vier Ursachen:

 1.) Die Ausbildung: eine Ausbildung, die sich auf das Aufnehmen beschränkt.

 Die Ausbildung in unseren Ländern beschränkt sich auf die Informationsaufnahme. Der Verstand verwandelt sich zu einem Speicher, der keinen Platz mehr für eigene Innovationen hat. Im Westen dagegen werden die Kinder nicht in dieser Weise ausgebildet. Ein Thema wird mit Hinweisen auf das Forschungspotential zur Diskussion gestellt. Deine Meinung erkennen sie durch das, was du herausfindest. Es entstehen drei oder vier verschiedene Meinungen für jedes Thema, und so gewöhnt sich der Verstand daran, dass es immer Alternativen gibt. Bei uns aber wird die Information dem Kind nur in einer Art und Weise vermittelt. Und wenn es diese Art aufgreift, dann wird sein Verstand gestoppt, und es kann keine Alternativen finden.

 Eine andere Folge dieser Ausbildungsform ist, dass das Kind bei uns doppelt so viel lernt wie das Kind im Westen. Dabei ist das Ergebnis aber viel geringer. Nach einer Statistik ist das ägyptische Kind bis zum Alter von fünf Jahren am klügsten. Das ändert sich aber ab dem Zeitpunkt, wo es in die Schule kommt.

 2.) Das Haus: unbegründete Entscheidungen

 Das Kind hört zu, ohne den Grund dafür zu verstehen. Es sieht nur, wie der Vater und die Mutter massiv Entscheidungen durchsetzen.

Es wurde einmal ein Experiment mit Personen aus unserer Gesellschaft gemacht. Das Ergebnis war, dass der Vater und die Mutter das Wort „nein” 148.000 mal unbegründet verwendet haben, wohingegen das Wort „ja” nur 40.000 mal gebraucht wurde. Damit werden die mentalen Fähigkeiten des Kindes begrenzt.

Die Befehle sollten stattdessen begründet sein. Das Kind sollte die Chance haben zu diskutieren. Es sollte als Erwachsener betrachtet werden, und seine Meinung sollten wir ernst nehmen.

Das betrifft auch die Art des Spielzeugs: Sucht Spielzeuge, die den Verstand eurer Kinder fördern. Die Europäer haben sogar die Steuern auf Spielzeug aufgehoben, weil sie den Verstand der Kinder entwickeln wollen.

3.) Die Massenmedien: schauen, ohne selektiv zu sein

 Die Massenmedien beinhalten Gutes und Schlechtes. Leider treffen wir keine gute Entscheidung. Wir nehmen das Schlechte und schauen es an, obwohl es Programme gibt, die den Verstand fördern. Aber diese sieht leider niemand.

 4.) Das falsche Verständnis der Religion: Wenige wissen, dass Denken Gottesdienst ist.

 Das Denken ist eine Pflicht im Islam. Es ist eine Sünde, wenn wir nicht nachdenken. Weißt du das? Weißt du, warum du die Eröffnungssure „Al Fatiha”[1] in jedem Gebet rezitierst? Wir denken nicht einmal über unseren Gottesdienst nach.

 Wegen dieser vier Gründe sind Generationen von Jugendlichen entstanden, die nicht denken können. Das Gehirn ist ein Muskel, genauso wie die übrigen Muskeln des Körpers. Wenn du ihn nicht trainierst, wird er schlaff, das ist wissenschaftlich nachgewiesen.

 Das Denken und die Zellen des Gehirns

Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass um jede Zelle des Gehirns – und das sind 140 Milliarden Zellen - zusätzliche Bestandteile entstehen, die uns beim Denken helfen. Diese Zusätze vermehren sich, wenn du denkst, und sterben ab, wenn du nicht denkst.

Das Denken, das ich hier meine, ist nicht das Denken an die täglichen Anforderungen, sondern das reife Denken, das die Probleme unserer Nation lösen kann.

 Ein Beispiel dafür ist der junge Mann, der seinen Lebenslauf allen möglichen Firmen schickt, ohne an eine andere Lösung zu denken. Ein anderes Beispiel ist der Mann, der sich bei einer Arbeit vorstellt, die 12 Jahre Erfahrung erfordert. Nach dem Vorstellungsgespräch sagt man ihm, er sei unqualifiziert, weil er wahrscheinlich nur ein Jahr Erfahrung hat. Die übrigen 11 Jahre Erfahrung seien nur Nachahmungen dieses einen Jahres gewesen.

 Es ist erstaunlich, dass der Islam die Religion ist, die am meisten über das Benutzen des Verstandes spricht: 

  • Der Prophet (s) sagte: „Allah schuf keine Schöpfung, die bei Ihm edelmütiger als der Verstand ist.“

  • Der Prophet (s) sah seine Gefährten einen ihrer Toten wegen seines Gottesdienstes loben. Der Prophet (s) fragte sie: ,,Wie war der Verstand eures Freundes?“ Sie sagten: „Unser Prophet, wir unterhalten uns mit dir über seinen Gottesdienst, und du fragst uns nach seinem Verstand?“ Er sagte: „Am Jüngsten Tag werden die Leute vor Allah jeder nach seinem Verstand verglichen.“

  • Seine Frau A’ischa fragte den Propheten (s): „Was erhebt die Leute in der Welt?“ Er antwortete: „Der Verstand.“ Sie fragte: „Was erhebt die Leute am Jüngsten Tag?“ Er sagte: „Der Verstand.“

  • A’ischa sagte: „Unser Prophet, wie ist die Bestrafung für die Taten?“ Er sagte: „Jeder handelt nach seinem Verstand.“

  • Der Prophet (s) sagte: „Allah schuf den Verstand und sagte: ,Bei Meiner Würde und bei Meiner Erhabenheit, habe ich keine Schöpfung erschaffen, die bei Mir edelmütiger ist als du. Mit dir gebe Ich und mit dir nehme Ich, mit dir belohne Ich und mit dir bestrafe Ich.“

  • Der Prophet (s) sagte: „Aba Al-Dardaa, wenn die Leute näher bei Allah mit den guten Taten sind, sei näher bei Allah mit deinem Verstand.“

Der Koran und das Denken

Seht die Wörter, die auf das Denken im Koran hinweisen:

§         Das Wort Verständnis (Bassirah) wird 54 mal im Koran erwähnt.

§         Das Wort Wahrnehmungen (al-abssar) 48 mal

§         Vernünftig sein (yaakiluna) 48 mal

§         Nachdenken (yatafakkiruna) 122 mal

§         Sich erinnern (yatzakar) 210 mal

§         Weisheit (al-hekmah) 20 mal.

Ausdrücke wie zum Beispiel „siehe!“ oder „sieht er nicht“ meinen das Analysieren und Betrachten.

Da fällt mir ein, ein großer Teil der Klugheit wird durch Ausüben und Versuchen gewonnen. Der Koran sagt euch: Nutzt euren Verstand. Wir haben einen vollkommenen Gottesdienst, der auf das Denken beruht. Damit haben die Propheten (Friede sei mit ihnen) Allah angebetet und damit wird Allah auch anerkannt. Dieser Gottesdienst ist das Denken an Allahs Schöpfung.

Die Propheten und das Nachdenken

§         Der Prophet (s) hat zehn Jahre lang vor seiner Berufung in der Höhle Hiraa meditiert.

§         Unser Prophet Ibrahim wurde durch Meditation ein Prophet: [So ließen Wir Ibrahim das Reich der Himmel und der Erde betrachten und verstehen, auf dass er zu den fest überzeugten Gläubigen gehöre.] (6:75)

 Aussprüche über das Nachdenken

§         Al-Hassan sagte darüber: „Ein stundenlanges Nachdenken ist besser als ein jahrelanger Gottesdienst.“

§         A’mr ibn A’bd Al-A’ziz sagte: „Meditation ist der beste Gottesdienst.“

Das Denken ist ein Gottesdienst, der durch Ausüben erlangt wird. Nur wenige Leute üben dies aus. Lasst es uns ausüben!

Denke nach, wie begann die Schöpfung?

§         Es heißt: [Sprich: Geht auf der Erde umher und seht, wie Er die Schöpfung entstehen ließ!...] (29:20)

§         Eine Delegation fragte den Propheten (s): „Wie begann es?“ Er sagte: „Allah war allein, es gab nichts außer Ihm.“

Denke darüber nach. Viele Gedanken werden dadurch entstehen.

Denke nach, wie endet es? [Wenn ins Horn geblasen wird, werden alle in den Himmeln und auf Erden wie erschlagen tot daliegen...] (39:68)

Das Universum begann mit einem Windstoß und endet mit einem: [An diesem gewaltigen Tag werden Wir den Himmel wie ein Blatt in den Büchern zusammenfalten...] (21:104)

Stelle dir durch diese Verse deine Schwäche vor! Wenn du eine halbe Stunde darüber nachdenkst, wirst du dich nie gegen Allah auflehnen. Du wirst Ihn aber lieben und anerkennen.

Denk an die Sonne

Die Sonnenenergie entsteht aus der starken Wechselwirkung von 650 Millionen Tonnen Helium und 650 Millionen Tonnen Wasserstoff, die bei einer Geschwindigkeit von etwa 13 Millionen Meilen pro Sekunde erfolgt. Betrachte nun diesen Vers: [Und die Sonne eilt dem ihr gesetzten Ziel zu. Das ist die Anordnung des Erhabenen, des Allwissenden.] (36:38)

Die Sonne mit ihrer Leistungsfähigkeit wurde für den Menschen erschaffen. Und so haben die Menschen im Westen Nutzen daraus gezogen und die Sonnenenergie intensiv erforscht. Diese Forschungsarbeiten sollten doch eher von uns kommen, denn die Sonne scheint in unseren Ländern viel häufiger, was impliziert, dass unsere Länder über mehr Sonnenenergie verfügen.

Betrachte nun das Sonnensystem

Siehe, wie viele Planeten sich auf der Milchstraße um die Sonne bewegen. Weißt du, dass die Sonne lediglich ein Stern aus mehr als 200 Millionen Sternen auf der Milchstraße ist? Dass unsere Galaxie nur eine von mehreren Millionen Galaxien ist? Und dass die Galaxien wie ein winziger Punkt im ersten Himmel erscheinen? Der Prophet Muhammad (s) hat gesagt: „Der erste Himmel im Vergleich zum zweiten Himmel ist wie ein Sandkorn in der Wüste; und der zweite Himmel zum dritten ist wie ein Sandkorn in der Wüste … und so weiter.“

 Denk über all dies nach und benutze deinen Verstand, um zu erkennen, wie winzig und machtlos du bist im Vergleich zu Allahs Macht. Und trotzdem bist du bei Allah aufgrund deines Verstandes das Wichtigste Seiner Geschöpfe.

Betrachte deinen Körper

Dein Körper enthält viele Organe, die ohne dein Mitwirken funktionieren. Allah allein regelt die Funktionsweise dieser Organe für dich, damit du mehr Zeit zum Nachdenken hast. Zum Beispiel bewegt sich die Lunge zum Atmen im Durchschnitt 20.000 mal am Tag, das Herz schlägt 72 mal pro Minute u. a. All dies geschieht unwillkürlich und ohne jegliche Anstrengung von deinerseits.

 Die muslimischen Gelehrten und Denker

Die muslimischen Wissenschaftler haben die Trigonometrie, Algebra, den Logarithmus und die Null, die davor in der Menge der Ziffern noch nicht bekannt war, erfunden. Darüber hinaus waren sie die ersten, die die Grundlagen der Anatomie der Augen und des Körpers festgelegt haben. Ferner entdeckten sie die Heilmittel für viele damals noch fremde Krankheiten wie etwa Masern und Pocken. Wir waren die ersten, die Operationen zur Mandel- und Steinentfernung  sowie der Harnwege durchgeführt haben. Wir haben auch die Mikroorganismen und Bakterien ohne Mikroskop entdeckt. Die Muslime waren weiterhin die ersten, die herausfanden, dass die Erde rund ist, und stellten sie außerdem kartographisch kugelförmig dar. Zudem sind wir diejenigen, die Soziologie und Sprachwissenschaften gegründet haben.

Der Westen hat auf unseren Erfindungen und Entdeckungen aufgebaut. Und nun ist er der Erfinder und derjenige geworden, der die Oberhand hat, während wir lediglich die Nutzer seiner Entdeckungen geworden sind.

  • Denke an den Propheten Muhammad (s) und die Idee des Tunnels in der Schlacht von Al-Chandaq, die Salman Al-Farisi vorgeschlagen und der Prophet (s) eingesetzt hat.

  • Der Prophet Muhammad (s) ist derjenige, der zum ersten Mal Minen bei der Belagerung der Stadt At-Taif verwendet hat. Er hat - wie einer seiner Gefährten vorgeschlagen hat - Eisenspieße in den Boden eingegraben, so dass die Pferde nicht passieren konnten.

  • Al-Hassan ibn Al-Haytham gründete die Wissenschaft der Optik und erklärte die Phänomene der Lichtbrechung und Lichtreflexion in einer Theorie, die er „Al-Kamara” nannte. Davon stammt das Wort „Kamera”. Er begann all seine Bücher mit dem Satz: „Solange ich lebe, werde ich meine ganze Kraft und meinen Verstand für die Erforschung der Wissenschaft einsetzen, und dies aus drei Gründen:

1. um jedem zu helfen, der die Wahrheit während meines Lebens und danach anstrebt,

2. auf dass Allah mich sowohl im Grab als auch am Jüngsten Tag mit dem Besten vergelten mag, und

3. um zur Entwicklung und Erhöhung der Stellung der Muslime beizutragen, und um den Islam in Ehren zu halten.”

  • Ali ibn Abi Talib war 10 Jahre alt, als der Prophet (s) ihn zum Islam einlud. Als Antwort sagte Ali: „Lass mich bis morgen darüber nachdenken!” Und in der Tat kam Ali am nächsten Tag zurück und bat den Propheten (s) um die Wiederholung dessen, was er ihm am vorherigen Tag gesagt hatte. Als der Prophet (s) seine Einladung wiederholte, sprach Ali auf der Stelle aus: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt. Und ich bezeuge, dass du Allahs Gesandter bist.       

  • Einmal begegnete der Prophet (s) Rabi’ah ibn Ka’b Al-Aslami. Da hatte Rabi’ah etwas getan, woran der Prophet (s) Gefallen fand. So sagte ihm der Prophet (s): „Wünsch dir etwas Rabi’ah. Egal, was du dir wünschst, ich werde es dir erfüllen!” Da sagte Rabi’ah: „O, Gesandter Allahs, das ist eine sehr wichtige Sache. So lass mich darüber ein wenig nachdenken!” Der Prophet (s) lächelte und sagte ihm: „Also gut, denke darüber nach, Rabi’ah.” Als Rabi’ah am nächsten Tag zum Propheten (s) kam, fragte ihn der Prophet (s): „Rabi’ah, hast du es dir überlegt?” Rabi’ah antwortete: „Ich habe es mir überlegt. Wenn ich dich um etwas für das Diesseits bitte, wird es ebenfalls im Diesseits zu Ende gehen, deshalb wünsche ich mir, dass ich dich ins Paradies begleite.” Da fragte ihn der Prophet (s): „Sonst noch was, Rabi’ah?” Rabi’ah antwortete: „Nein, o Gesandter Allahs. Ich habe es mir überlegt...“  Das heißt, er hat gründlich darüber nachgedacht und seine Entscheidung getroffen.

  • In der Schlacht von Al-Kadisiya hatten die Pferde der Muslime Angst vor den Elefanten ihrer Gegner. So hatte ein Gefährte des Propheten (s) folgende Idee: Er konstruierte einen Elefanten aus Ton und zeigte ihn den Pferden. Mit diesem kleinen Trick verschwand die Angst, und die Muslime gewannen die Schlacht.

  • Denke nun an den Krieg zwischen Ägypten und Israel im Jahr 1973, in dem Israel die Barlev-Mauer gebaut hat, welche die größte Verteidigungsbarrikade der menschlichen Geschichte darstellte. Die Barlev-Mauer erschien teilweise undurchdringbar. Darüber hinaus gab es vor der Mauer eine Barrikade aus Sand, die den Suez-Kanal umgab und 22 Meter hoch war (wie etwa ein Gebäude mit acht Stockwerken). Die russischen Experten waren der Meinung, dass es nur zwei Möglichkeiten gäbe, diese Mauer zu durchdringen: entweder die Sandbarrikade mit einer Atombombe zu bewerfen oder 100.000 Soldaten mithilfe von ungefähr 4.000 Helikoptern die Sandbarrikade überfliegen zu lassen. Mit  anderen Worten, es wäre unmöglich, die Barlev-Mauer zu durchbrechen. Da hatte ein ägyptischer Soldat von niedrigem Rang eine Idee, und zwar die Sandbarrikade mit  Wasserpumpen zu durchbohren, um sie abzuschwächen. Anfangs wurde dieser Soldat wegen seines Einfalles ausgelacht. Jedoch wurde die Idee durchgeführt und war ein riesiger Erfolg. An einem einzigen Tag gelang es den ägyptischen Soldaten, mit den Wasserschläuchen 81 Löcher durch die Sandbarrikaden zu bohren, und ca. 3 Millionen Kubikmeter Sand lösten sich ab.

Praktische Aufgaben

Notiere dir nun die folgenden Punkte, die von einigen Experten erarbeitet wurden, um dir dabei zu helfen, deinen Verstand und dein Innovationspotential zu fördern:

1. Leg dir ein Lebensziel fest.

2. Lies viele Bücher, um umfassende Erfahrungen zu sammeln. Hierfür wurden auf der Website (www.amrkhaled.net) bereits empfehlenswerte Bücher aus verschiedenen Gebieten veröffentlicht. Vergiss nicht, dass das erste Wort, das auf unsere Nation herabgesandt wurde, “Lies!” war. Eine Studie über Menschen mit großer Innovationskraft zeigte, dass sie im Durchschnitt ca. 50 Bücher jährlich lesen. Ich persönlich finde, dass es nicht schwierig ist, diesen Durchschnitt zu erreichen. Halte während des Lesens einen Stift und ein Blatt Papier in der Hand, und schreibe deine Notizen auf. Denk über das, was du liest, nach. Du wirst feststellen, dass du viele Ideen hast und dass sich deine Denkleistung nach ungefähr sechs Monaten deutlich verbessert.

 3. Versuch immer, neue Bekanntschaften zu schließen und Erfahrungen zu sammeln, sei es durch Verreisen oder durch Arbeiten während der Sommerferien. Die Experten haben festgestellt, dass die meisten erfolgreichen Persönlichkeiten während der Schulzeit Nebenjobs ausgeübt haben. Außerdem basiert 90% der Intelligenz auf den Erfahrungen, die man im Laufe seines Lebens sammelt. Willst du dich aber verschließen und dennoch über Einfallsreichtum verfügen und Verstand und Erfahrungen fördern, wird dir dies mit Sicherheit nicht gelingen.

 4. Hilf deinem Verstand dabei, neue Denkweisen und Ideen zu entwickeln, indem du neue Gebiete erforschst. Wenn du zum Beispiel dein Gehirn nur mit Singen, Tanzen und Chatten speist, werden auch nur leere und nutzlose Ideen entstehen. Wenn du dich hingegen mit Wissenschaften, Theologie, Koran u.a. befasst, wirst du viele nützliche und großartige Gedanken entwickeln.

 5. Beschäftige dich nur mit wichtigen und nützlichen Fragen statt mit unbedeutenden Angelegenheiten. Al-Buchari zum Beispiel lernte eine Million Hadithe[2] auswendig. Als er danach gefragt wurde, wie er all diese Hadithe auswendig lernen konnte, antwortete er: „Ich beschäftige mich mit nichts anderem als mit den Hadithen.”

 6. Benutze dein Vorstellungsvermögen: Stell dir vor, du wärst der Vorsitzende einer Firma, ein Schulleiter etc. Du wirst feststellen, dass du in der Lage bist, viele gute Ideen zu entwickeln.

 7. Diskutiere und teile deine Gedanken mit einer Arbeitsgruppe. Dadurch wird ein Brainstorming entstehen, das zu großartigen Ideen führen wird.

 Schließlich habe ich noch ein paar Anmerkungen, die dir bei der Erfüllung der praktischen Aufgaben helfen sollen:

  • Gewöhn dich daran, regelmäßig allein spazieren zu gehen und dabei ein wenig zu sinnieren, auch wenn es nur für 10 Minuten ist.

  • Halte deine Ideen in einem Notizbuch fest.

  • Ändere deinen gewohnten Tagesablauf einmal in der Woche ab.

  • Verreise ab und zu für eine Weile.

So wird der Prophet Muhammad (s) am Jüngsten Tag Freude an uns haben.

Hiermit schließen wir die erste Phase des Programms ab.

Allahs Friede, Gnade und Segen seien mit euch!

As-salamu aleikum wa rahmatulallahi wa barakatuh


1 Salla-llahu alaihi wa sallam: Allah segne ihn und schenke ihm Heil. Segensformel, die nach koranischer

  Aufforderung (vgl. 33:56) bei der Erwähnung des Propheten Muhammad gesprochen werden soll. Nach islamischer Tradition wird dies vor allem regelmäßig bei der Erwähnung des Propheten getan.

2 Ein Nachtgebet, das man in der Zeit zwischen Mitternacht und Morgengebet verrichtet.

3 Gebetseinheit, die sich aus dem Stehen, Rezitieren, der Verbeugung, Niederwerfung und dem Sitzen zusammensetzt.

4 Gottgedenken. Leise oder laut vorgetragene, oft rhythmisch gegliederte Lobpreisung oder Anrufung der    

  Namen Allahs.

[1] Die Eröffnung: Sure 1 des Koran

[2] Die überlieferten Aussprüche des Propheten Muhammad (s).

 

 

 

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