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Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.
Liebe Geschwister im Islam, herzlich Willkommen zu einer neuen Folge. Ich möchte diesmal mit einigen Fragen anfangen, die mir durch den Kopf gegangen sind:
Was ist die wahre Geburtsstunde des Menschen?
Ist das, wenn er das Licht der Welt erblickt, alsdann er zu robben anfängt, sich entwickelt und auf allen Vieren krabbelt, dann zu laufen beginnt, dann wächst, lernt, heiratet, selbst Kinder bekommt und dann stirbt? Oder ist man erst dann wirklich geboren, wenn man für sich selbst, seine Gesellschaft und seine Ummah (Gemeinschaft) einen Beitrag leistet, also in dem Moment, in dem man anfängt, aktiv an der Lebensgestaltung teilzunehmen? Tatsächlich wird der Mensch erst dann wirklich geboren, wenn er in seinem Leben Zeichen setzt und eine Bereicherung für seine Gesellschaft ist, anstatt eine Last zu sein.
So stellt sich also die Frage, ob wir bereits geboren sind? Und hier sind wir wieder beim Ziel dieser Sendereihe „Lebensgestalter“.
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Heute beschäftigen wir uns mit der dritten Fessel, nämlich Disziplinlosigkeit, Unentschlossenheit, Oberflächlichkeit, Frivolität und Freizügigkeit. All diese Begriffe stehen für eine schlimme Fessel, die uns in vielen Bereichen unseres Lebens einschränkt. Wir werden uns aber auf die Medien konzentrieren, auf die Oberflächlichkeit und die Frivolität in den Medien. Denn es ist an der Zeit, hier Einhalt zu gebieten. Wir sind nun proaktiv und bewegen uns schnell und zielsicher. Es gibt nichts mehr, was uns aufhalten kann – unsere Hände sind entfesselt...
Wir müssen uns endlich mit diesem schrecklichen Problem befassen, das in einer befremdlichen Art die Medien mehr und mehr dominiert.
Doch bevor ich zum Kern der Frage komme und verdeutliche, wie die Fernsehanstalten, Satellitensender, der Rundfunk, die Presse, die Zeitschriften und das Internet Oberflächlichkeit und Frivolität unter den Jugendlichen propagieren, möchte ich dem Thema – wegen seiner Wichtigkeit – Beispiele von disziplinierten, entschlossenen Menschen voranstellen:
Abu Bakr as-Siddiq
Er war zwar schlank und schmächtig, aber willenstark und sehr entschlossen. Er pflegte über sich selbst zu sagen: „Bei Allah! Nie träumte ich beim Schlafen, wurde nie unachtsam und bin nie vom Weg abgekommen“. Diese Worte drücken das tiefe Verständnis von Ernsthaftigkeit bei Abu Bakr aus, denn das Leben ist kurz und das Ziel erhaben. Es gibt keine Zeit zum Scherzen, denn ohne Fleiß kein Preis.
Die Frau mit dem Zopf
Am Tag der Schlacht von Qadisiyya, als die Menschen zu Sa’d Ibn Abi Waqqas kamen, um für die bevorstehende Schlacht zu sammeln, kam eine arme Frau weinend zu ihm und sagte, dass sie nichts zum Spenden besitze. Sie wolle aber auch zum Sieg der Muslime etwas beitragen, weshalb sie ihren Zopf abgeschnitten habe, damit er ihn als Zügel für sein Pferd benutzen könne. Das Beispiel dieser Frau möchte ich den muslimischen Frauen ans Herz legen, die die meiste Zeit nichts anderes tun, als vor dem Fernseher zu sitzen oder zu telefonieren.
Der Sohn der Frau mit dem Zopf
Vor Beginn der Schlacht trat ein Junge an Sa’d heran und bat ihn darum, sich dem Heer anschließen zu dürfen. Sa’d aber schickte ihn zurück mit der Begründung, dass dies eine Männersache sei. Doch der Junge überraschte ihn als er erwiderte: „Was hast du, Sa’d? Das ist eine Sache zwischen mir und Allah, Er hat gekauft und ich habe verkauft. Was mischst du dich also zwischen mir und Allah ein?“ Daraufhin nahm Sa’d ihn in die Truppen auf. In der Nacht vor der Schlacht kam der Junge zu Sa’d und sagte: „Ich hatte eine wundersame Vision. Ich habe mich in Gärten spazieren sehen, die nicht von dieser Welt waren, und ich habe Flüsse gesehen, die nicht von dieser Welt waren, und ich habe Frauen gesehen, die nicht von dieser Welt waren.“ Sa’d rief: „Allah ist am größten! Ich denke, es ist das Märtyrertum!“ Der Junge fragte: „Gibt es etwas, was ich für dich tun kann, Sa’d?“ Dieser antwortete: „In der Tat, du kannst was für mich tun. Wenn du den Gesandten Allah (s) triffst, dann richte ihm meine Grüße aus und sage ihm: ‚Sa’d sagt dir: ‚Möge Allah dich belohnen. Wir haben fürwahr das gefunden, was du uns versprochen hast.’’“ Da erwiderte der Junge: „Und du, Sa’d, richte meiner Mutter folgende Nachricht aus: ‚Ich habe wahrhaftig vorgefunden, was Allah mir versprochen hat. Ich sehe das Paradies vor mir.’“ Sa’d fragte: „Und wer ist deine Mutter?“ „Die Frau mit dem Zopf“, entgegnete der Junge.
Abdullah Ibn Umm Maktum
Während der Schlacht kam ein Blinder zu Sa’d. Sein Name war Abdullah Ibn Umm Maktum. Er war wie Bilal der Muezzin des Gesandten. Und obwohl er aufgrund seiner Blindheit von der Pflicht zum Kampf befreit war, schloss er sich dem Heer an und bat darum, die Standarte zu tragen. Doch Sa’d verweigerte ihm die Bitte und fragte ihn: „Wie willst du das machen? Du bist doch blind.“ Doch Abdullah antwortete ihm: „O Sa’d! Ich sehe nichts, deshalb werde ich mich von meinem Platz nicht wegbewegen. Im Gegensatz dazu wird ein Sehender fliehen, wenn er ein Pferd sieht.“ Sa’d erwiderte: „Du hast recht“, und gab ihm die Fahne. Nach der Schlacht fanden sie ihn als Märtyrer mit der Fahne in der Hand.
Seht ihr die wahre Bedeutung von Männlichkeit? Heute definieren wir Männlichkeit dadurch, dass wir Zigaretten im Mund stecken haben oder an der Anzahl der Freundinnen...
Der gläubige Junge
Dies ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der an die Botschaft des Messias, Friede sei mit ihm, glaubte. Zu jener Zeit wurden die Anhänger Jesu verfolgt und getötet. Und so wollte der König auch diesen Jungen töten. Der kleine Junge sagte zum König: „Du wirst mich nicht eher töten können, bis du die Menschen dazu versammelst.“ Doch der König befahl einigen seiner Gefolgsleute, den Jungen von der Spitze des Berges zu werfen. Als er dort war, sprach der Junge folgendes Bittgebet: „O Allah! Genüge mir gegen sie (d.h. beschütze mich vor ihnen), womit Du willst und wie Du willst. Wahrlich Du bist ja zu allem imstande“, und so fielen sie alle vom Berg... Der Junge aber kehrte zum König zurück, denn er wollte nicht fliehen. Er hatte ein Ziel und eine Botschaft: Er wollte sich für den Glauben der Leute opfern. Beim zweiten Mal versuchte der König, ihn im Meer zu ertränken, doch er scheiterte auch diesmal. Der Junge wiederholte seine Worte zum König: „Du wirst mich nicht eher töten, bis du die Menschen dazu versammelst, einen Pfeil aus meinem Köcher nimmst, und sagst: ‚Im Namen Gottes, dem Herrn des Jungen’“ Der König tat, wie ihm geheißen wurde, und der Junge starb den Tod des Märtyrers. Die Menschen aber sagten: „ Wir glauben an den Herrn des Jungen, wir glauben an den Herrn des Jungen“. Die wahre Geburtsstunde dieses Jungen war an dem Tag an, dem er zum Märtyrer wurde, denn er war der Grund für die Rechtleitung aller Menschen in der Stadt.
Abdullah Ibn Umar Ibn Abd Al-Aziz
Einer der Gründe für die Stärke und die Standhaftigkeit bei der Gerechtigkeit von Umar Ibn Abd Al-Aziz war sein Sohn Abdullah, der an dem Tag, an dem sein Vater zum Kalifen wurde, zu ihm sagte: „O Vater! Du wirst am Jüngsten Tag befragt werden, und wir mit dir... Sei deshalb immer gerecht, auch wenn wir deswegen in einen kochenden Topf gesteckt würden. Verlasse niemals den Pfad der Gerechtigkeit.“ Worauf Umar dann sagte: „Gepriesen sei Allah, der mir aus meiner Familie jemanden zur Seite stellte, der mich erinnert.“ Sein Sohn war siebzehn Jahre alt, doch ernsthaft und sehr entschlossen. So geschah es, dass – als einmal geplündertes Geld von den Banu Umayyah (Nachfahren des Kalifen Umar) eingesammelt wurde – einige muslimische Gelehrte urteilten, dass Umar das Geld nicht an die ursprünglichen Eigentümer zurückzugeben brauche, da die Sünde für die Plünderungen zu Lasten seiner Vorfahren ginge. Doch Umar bestand darauf, dieses Vermögen seinen Eigentümern zurückzugeben. Weil es jedoch die Zeit der Mittagsruhe war, sagte er: „Ich werde es am Nachmittag zurückgeben.“ Da kam sein Sohn zu ihm und fragte ihn: „Wer garantiert dir, dass du bis zum Nachmittag lebst?“ – Dieser junge Mann starb mit neunzehn Jahren, nachdem er seinen Vater standhaft, stark und fest gemacht hatte, so dass dieser keinerlei Tadel fürchtete, wenn es um die Sache Allahs ging.
Ali Ibn Abi Talib
Er nahm die Sache des Islam bereits mit sieben Jahren auf sich und trug sie, bis er mit dreiundsechzig als Märtyrer starb.
Ibrahim Ibn Adham
Er war ein junger Mann ohne nennenswerte Beschäftigung. Seine einzige Sorge auf dieser Welt galt seiner Lieblingsbeschäftigung: dem Reiten. Eines Tages ging ein alter Mann an ihm vorbei und fragte ihn: „O Ibrahim! Bist du nur deswegen erschaffen worden, oder ist es dir etwa befohlen worden?!“ Da ging Ibrahim nach Hause und schwor sich, sein Leben nach dem auszurichten, wofür er erschaffen worden war. Allah sagt im Koran: „Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur erschaffen, damit sie Mir dienen“ (51:56). So wurde aus Ibrahim der Größte unter den Nachfolgern der Prophetengefährten.
Abdullah Ibn Az-Zubair Ibn Al-’Awaam
Im Gegensatz zu seinen Altersgenossen, floh der sieben- oder achtjährige Abdullah Ibn Az-Zubair Ibn Al-’Awaam, nie vor dem Kalifen Umar Ibn Al-Chattab, der eine starke Respektsperson war. Umar fragte ihn: „Warum rennst du nicht weg wie deine Freunde?“ Woraufhin Abdullah erwiderte: „Ich habe nichts falsch gemacht, für das ich wegrennen müsste. Außerdem ist die Straße nicht so eng, dass man dir den Weg freimachen müsste.“ Da fragte ihn Umar: „Und warum spielst du nicht mit deinen Freunden?“ Abdullah antwortete: „Ich spiele schon mit ihnen, aber ich bin nicht zum Spielen geboren.“ „Und wofür bist du geboren?“, fragte Umar. „Um dem Islam Ehre zu machen“, entgegnete Abdullah.
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Dies waren einige Musterbeispiele für Disziplin, Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit.
Seht ihr, wie diese Generation zur Disziplin erzogen wurde, im Gegensatz zu unserer heutigen Generation, die zur Unentschlossenheit erzogen wurde und immer noch erzogen wird? Und die Medien verfestigen diese Prinzipien. Wie kannst du so flatterhaft sein, und wie so oberflächlich? Man möchte fast meinen, der einzige Unterschied zwischen uns und der Generation der Prophetengefährten liegt in der Entschlossenheit:
• Sie empfingen den Koran, um ihn umzusetzen, während wir ihn zur Unterhaltung empfangen – wenn wir ihn denn überhaupt lesen! Wenn ein Prophetengefährte einen Vers mit dem Aufruf „O ihr Gläubigen!“ hörte, sagte er: „Ja o Herr, was befiehlst du?“
• So heißt es auch im Koran: „Er (der Koran) ist wahrlich ein entscheidendes Wort; er ist kein Scherz“ (86:13-14).
• In einem anderen Vers heißt es: „Wenn einer das Irdische begehrt, bereiten Wir ihm schnell das, was Wir wollen – dem, der Uns beliebt; danach haben Wir die Hölle für ihn bestimmt, in der er schmort, verdammt und verstoßen. Und wenn aber einer das Jenseits begehrt und es beharrlich erstrebt und gläubig ist – dessen Eifer wird mit Dank belohnt. Ihnen allen, diesen und jenen, gewähren Wir die Gabe deines Herrn. Und die Gabe deines Herrn ist keinesfalls beschränkt“ (17:18-20). Dieser Vers macht deutlich, dass derjenige, der sein Wohl im Diesseits erstrebt und darin diszipliniert ist, bekommen wird, wonach er sucht. Und wessen Bestreben das Jenseits ist, der wird seinen Lohn im Jenseits bekommen. Währenddessen sind die Undisziplinierten, die irgendwo in der Mitte stehen, es gar nicht wert, überhaupt erwähnt zu werden. Es sind diejenigen, die sagen: „Ich werde im nächsten Jahr anfangen, nach dem Islam zu leben,“ oder: „Ich werde das Kopftuch erst tragen, wenn ich geheiratet habe. Diese Leute sind flatterhaft, unentschlossen und nicht ernsthaft.
• Deshalb war der Beginn der Offenbarung auf den Gesandten (s) voller Ernst: Der Engel Gabriel umarmte ihn sehr fest, bevor er ihn wieder los ließ, damit der Gesandte (s) begriff, dass er vor einer wichtigen und ernsten Aufgabe stand.
• Dann wird offenbart: „Also wenn du fertig bist, so bemühe dich weiter“ (94:7), um das Ausmaß der Ernsthaftigkeit der Sache zu bekräftigen. Der Gesandte sagte auch zu seiner Frau Chadidscha: „Die Zeit des Ruhens ist vorbei.“
Es folgen weitere Beispiele:
Bischr
Einmal kam ein Mann namens Bischr zum Propheten und sagte zu ihm: „Reiche mir deine Hand, damit ich dir Treue gelobe, o Gesandter Allahs. Doch wisse, ich kann weder Almosen geben, noch mich am Dschihad (1) beteiligen.“ Daraufhin zog der Gesandte seine Hand zurück und fragte: „Weder Almosen geben, noch sich am Dschihad beteiligen? Was willst du dann geloben?“
Die Delegation
Als einmal eine Delegation zum Gesandten Allahs (s) nach Medina kam, um ihm die Treue zu geloben, war unter ihnen ein junger Mann, der in Medina ein Mädchen erblickte und es am Kleid zog. Am nächsten Morgen, als sie dem Gesandten Allahs (s) das Gelöbnis gaben, reichte der Prophet (s) jedem von ihnen die Hand. Bei dem jungen Mann angekommen, hielt er seine Hand zurück und fragte: „Bist du nicht derjenige, der gestern das Mädchen am Kleid zog?“ Der Junge bejahte die Frage, und der Prophet (s) erwiderte: „Bei Allah, ich werde dir das Gelöbnis niemals abnehmen“, und wandte sein Gesicht von ihm ab. Darauf schrie der Junge verzweifelt: „Nicht, o Gesandter Allahs!! Ich werde es auch nie wieder tun!“ Erst dann sagte der Prophet (s): „Gut, ich nehme dir dein Gelöbnis ab.“
Was würde wohl der Gesandte Allahs (s) sagen, wenn er heute sehen würde, was sich zwischen den muslimischen Jungen und Mädchen abspielt?? Wie wollen die Medienvertreter und die Verantwortlichen für die Frivolitäten in den Medien dem Gesandten Allahs (s) am Jüngsten Tag begegnen, wo sie der Grund für den moralischen Verfall der Jugendlichen sind?
Samra Ibn Dschundub und Raafi’ Ibn Chadidsch
Am Tage von Badr kamen zwei Jungen zum Gesandten Allahs (s) und baten darum, sich dem muslimischen Heer anschließen zu dürfen. Der eine hieß Samra Ibn Dschundub und der andere Raafi’ Ibn Chadidsch. Doch der Prophet (s) schickte sie aufgrund ihres sehr jungen Alters wieder zurück. Doch dann sagte Samra: „O Gesandter Allahs, ich bin zielsicher beim Bogenschießen, mein Pfeil verfehlt niemals sein Ziel“, und demonstrierte dem Gesandten (s) seine Treffsicherheit. Da erlaubte ihm der Gesandte (s), mitzukommen. Auch Raafi’ meldete sich und sagte: „Ich besiege Samra im Ringen“, demonstrierte ihm seine Stärke und besiegte Samra. So erlaubte der Gesandte auch ihm, mitzukommen.
Mu’adh und Mu’auidh
Am Tag von Badr waren sie dreizehn und vierzehn Jahre alt. Sie waren es, die Abu Dschahl, das Haupt der Glaubensverweigerer, getötet haben. Weil sie noch so jung waren, pflegten sie, ihre Schwerter um ihre Hand fest zu wickeln.
Es ist ein großer Unterschied zwischen demjenigen, der lebt, um Mädchen hinterher zu laufen, und demjenigen, der lebt, um ins Paradies zu kommen.
Disziplin im Gottesdienst
Als die Medinenser am Tag nach der Offenbarung des Alkoholverbots aufwachten, fanden sie die Straßen überflutet von weggeschüttetem Alkohol. Heute hingegen finden wir manche, die das Verbot von Alkohol anzweifeln.
Der Hidschab
Ebenso war es mit dem Hidschab: Damals empfingen sie eine Offenbarung zur sofortigen Umsetzung und nicht zur Unterhaltung. Heute hingegen finden wir manche, die das Gebot der Bedeckung anzweifeln.
Ibn an-Nafis
Er war ein muslimischer Gelehrter und ein Musterbeispiel für Disziplin. Er war es, der den kleinen Blutkreislauf entdeckte, und wie das Blut über die Lungen gesäubert wird. Auch hat er die Funktion der Herzklappen entdeckt und die Anatomie des Herzens. Seine Entdeckungen waren eine große Errungenschaft für die Medizin. Die Generationen nach ihm nutzten seine Grundlagen, um die Funktion des Herzens zu verstehen und den großen Blutkreislauf zu entdecken. Der Grund für seinen herausragenden Erfolg war der Ausspruch des Propheten (s), den er gehört hatte als er klein war: „Allah hat keine Krankheit geschaffen, ohne dafür auch ein Heilmittel zu machen.“ Als er sah, dass die Leute diese Überlieferung anzweifelten und behaupteten, dass manche Krankheiten unheilbar seien, beharrte er darauf, die Richtigkeit dieser Überlieferung zu beweisen, dafür arbeitete er.
Ibn an-Nafis war in seiner Arbeit ein Exempel für Disziplin. Wenn er anfing, seine Schriften zu verfassen, spitzte er für gewöhnlich mehrere Stifte, damit ihn niemand bei der Arbeit unterbrechen würde und er sich konzentrieren konnte. Dieser Gelehrte war bereits im Alter von fünfunddreißig Jahren Autor von über achtzig Bänden. Zu seinen Büchern gehört eine medizinische Enzyklopädie (Asch-Schamil fi-t-Tibb). Wenn dieser Gelehrte am Jüngsten Tag auf den Gesandten Allahs (s) trifft, wird er sagen können: „Ich habe die Richtigkeit deines Ausspruchs bewiesen, o Gesandter Allahs.“
Und ich sage euch, diese Überlieferung ist nicht nur auf die Medizin zu übertragen, sondern auf viele Bereiche, wie die Probleme der Muslime und unsere gesellschaftlichen Probleme.
Und nun, nachdem wir dargestellt haben, dass der Islam eine Religion der Ernsthaftigkeit und Disziplin ist, gehen wir zur jetzigen Lage der Muslime über und betrachten, wie weit es mit uns gekommen ist.
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Ich werde euch erzählen, wie es dazu gekommen ist, dass Flatterhaftigkeit und Disziplinlosigkeit die Oberhand über uns gewannen. Dabei werde ich den Schwerpunkt auf die Medien legen, weil die Medien ein wichtiges Mittel sind, um moralische Werte und guten Charakter entweder zu fördern oder zu zerstören. Und ich betone noch mal: Die Lebensgestalter werden niemals Erfolg haben, ohne sich von der Fessel der Disziplinlosigkeit zu befreien. Nun stelle ich euch einige Erscheinungsformen der Disziplinlosigkeit und Oberflächlichkeit in den Medien vor:
• Die Videoclips
Es ist in der Musik üblich geworden, den Körper und die Attraktivität der Frau zu missbrauchen.
• Zeitungen und Zeitschriften
Über 70% der Nachrichten in diesen Medien beschäftigen sich mit Berichten über Stars, ihre Eigentümlichkeiten und den neuesten Klatsch über sie.
• Morbide Castingsendungen
Diese üben auf Jungen und Mädchen eine große Anziehungskraft aus, da sie sich dort Jugendliche ansehen können, die ihre Tanz- und Gesangsbegabungen in Konkurrenzveranstaltungen zur Schau stellen.
• Persönliche Botschaften in der Öffentlichkeit,
die über die Bildschirme der Satellitensender flimmern, und in denen sich Jungen und Mädchen gegenseitig ihre Liebe gestehen, während alle dem zuschauen dürfen. Am Ende haben nur die Firmen und Sender profitiert, die durch diese billige Methode verdienen und dadurch Flatterhaftigkeit und Frivolität unter den Jugendlichen verbreiten.
• Liedertexte
Sie alle konzentrieren sich auf Herzschmerz, Trennung, Kummer, die Unfähigkeit, sich zu trennen und so weiter und so fort... Seit Jahrzehnten immer die gleichen Schnulzentexte.
• Sendungen, die zum Hinterherschnüffeln und Ausspionieren motivieren.
Wer profitiert von solchen Dingen? Sind wir in dieser Phase und mit dieser Einfältigkeit und Oberflächlichkeit in der Lage, einen Aufschwung in Gang zu bringen? Ich rede heute nicht darüber, ob etwas halal (erlaubt) oder haram (verboten) ist. Ich rede über den Aufschwung der muslimischen Ummah, ich rede davon, dass unsere Länder vor dem Niedergang stehen!!! Und die Frivolität, die Flatterhaftigkeit verbreitet sich immer mehr unter den Jugendlichen...
Heute nehmen sich die Jungs denjenigen zum Vorbild, der am meisten Freundinnen hat, denjenigen mit der schicksten Frisur, den coolsten Klamotten oder sonst was; das gleiche gilt für die Mädchen.
Ich möchte euch von einem jungen Mann erzählen, der bei einem Verlag im Entwicklungsbereich arbeitet. Es überraschte ihn, dass von seinem Verlag eine Zeitschrift herausgegeben wird, die sich ausschließlich auf seichte Themen konzentriert. Er konnte es einfach nicht glauben, bis er dann den Geschäftsführer fragte...
Eine der jungen Sängerinnen fragte man in einem Interview, wieso sie ihren Körper in Videoclips entblöße. Sie antwortete unbeschönigt: „Damit mich die Jungs anschauen.“
Einen anderen Star hat man nach seinem neuen Haarschnitt gefragt, worauf er antwortete, dass dieser nur eben „was Neues zum Aufmerksamkeiterregen“ sei.
Während ich mir all diese unerträglichen Szenen in den Satellitenprogrammen anschaute, erinnerte ich mich an den Ausspruch des Gesandten (s), als er sinngemäß sagte: „Bald (schon) fallen die Völker über euch her (und zehren euch auf), wie Hungrige über ihren Kessel herfallen.“ Da fragten die Prophetengefährten: „O Gesandter Gottes, werden wir in jener Zeit wenige sein?“ Da antwortete er: „Nein, ihr werdet zahlreich sein in jener Zeit, aber ihr werdet sein wie Schaumkronen auf einem Strom.“
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Was ist der Schlüssel für den Aufstieg und den Niedergang von Zivilisationen? Wie stieg die Zivilisation der Byzantiner und wie die der Römer auf? Wie kam es zur Blütezeit des Islam? Oder des Kommunismus? Und wie sind sie untergegangen?
Es war nur eine einzige Sache, ein einziger Grund: Die Existenz einer starken Idee, die ihren Weg in die Herzen der Menschen fand, sich ihrer Gefühle bemächtigte, große Energien freisetzte, die dann unglaubliche Dinge bewirkten. Und schließlich entstand eine Zivilisation. Alles in dieser Welt beginnt mit einem Gedanken, einer Idee. Der Kommunismus basierte auf der Idee, Volksvermögen unter der Bevölkerung zu verteilen. Europa entstand durch die Idee der grenzübergreifenden Freiheit. Alle Erfindungen entstanden durch eine Idee. Jede künstlerische Tätigkeit keimt in einem Gedanken. Der Islam begann mit einem großartigen Gedanken, nämlich Allahs Wohlgefallen zu erlangen, ins Paradies einzutreten und im Diesseits erfolgreich sein.
Kurz gesagt: Zivilisationen steigen durch eine Idee auf. Wird diese fallengelassen, geht die Zivilisation unter. Aber was haben Oberflächlichkeit und Flatterhaftigkeit mit dieser Idee zu tun? Das, was die Medien in ihren liederlichen Sendungen an Oberflächlichkeit und Disziplinlosigkeit verbreiten, ist der größte Ideenkiller. Dies ist also die Gefahr des Ideenkillers.
Wir besitzen die großartigste Idee überhaupt, und diese Idee ist bereits erfolgreich erprobt. Was aber fehlt, ist, dass sie ihren Weg in die Herzen der Menschen findet, diese sich mit ihr solidarisieren und für sie leben, damit sich schließlich der Erfolg einstellt...
Die Gefahr dieser Sendungen, welche die Triebe erregen und ziellose, moralisch zerstörerische Inhalte darstellen, liegt nicht nur in der Frage, ob sie halal oder haram sind, sondern darin, dass sie den Aufschwung der muslimischen Ummah verhindern. Denn immer, wenn du dich auf den Aufschwung konzentrieren möchtest, stößt du auf solche Sendungen, die dich wieder nach unten ziehen.
Einige Wissenschaftler vertreten die Theorie, dass es drei Welten gibt:
1. Die Welt der Dinge, wie die Uhr an meinem Arm, Hemden, Autos, etc...
2. Die Welt der Personen, wie dein Vater, deine Mutter, deine Vorbilder und Personen, die dich in deiner Lebensführung beeinflussen.
3. Die Welt der Gedanken: Welche ist die größte Idee in deinem Kopf?
Wenn ein Kind auf die Welt kommt, interessiert es am meisten die Welt der Dinge, die es umgibt. Dann wird es etwas älter und interessiert sich für die Welt der Personen. Es lernt die Menschen um sich herum kennen: Papa, Mama etc. Es wächst weiter auf und beginnt, sich von den Gedanken, die es umgeben, beeinflussen zu lassen.
Das Problem der Oberflächlichkeit und der Frivolität ist, dass es die Muslime nur auf die Welt der Dinge fixiert. Sie verbleiben also in der Kindheitsphase und entwickeln sich nicht weiter – sie bleiben erfolglos.
Als ich einmal eine Schule besucht habe, fragte ich ein Kind: „Was bekommt ihr in der Schule?“ Es antwortete: „Kekse.“ Ich antwortete: „Nein, ich meine den Unterrichtsstoff.“ Aber das Kind hatte nur entsprechend der Ausrichtung seiner Erziehung, die sich auf die Welt der Dinge fixierte – anstatt auf die Welt der Gedanken –, geantwortet. Hierin liegt die Gefahr der Videoclips und der destruktiven Medien.
Ich habe einmal eine Studie gelesen, die besagt, dass ägyptische Kinder die klügsten Kinder der Welt sind – bis sie sechs Jahre alt sind! Das ist nur lustig bis sich die Frage stellt: Was kommt nach dem sechsten Lebensjahr?
Das Problem der Oberflächlichkeit, der Disziplinlosigkeit und des Tötens von Ideen ist sehr gefährlich, und lässt uns alle Hoffnung verlieren...
Deshalb richten wir unseren AUFRUF an die Medienverantwortlichen in den arabischen Ländern, an die Regisseure und Produzenten, an die Drehbuchautoren und die Songschreiber:
Tötet nicht die Ideen, denn wir wollen in unseren Ländern einen Aufschwung herbeiführen. Liebt ihr unsere Länder? Liebt ihr den Islam? Wir bitten euch, seid nicht der Grund dafür, dass wir in die Irre gehen. Bestreitet eueren Lebensunterhalt nicht mit Gedankenmord an Jugendlichen. Freut euch nicht über das verdiente Geld durch das Verbreiten von Oberflächlichkeit und Frivolität unter der Jugend. Die Abrechnung wird hart sein am Tag des Jüngsten Gerichts. Allah (t) sagt: „Und stellt sie auf, denn sie werden befragt werden“ (37:24) und: „Deshalb sollen sie am Tag der Auferstehung ihre Lasten vollständig tragen, und von den Lasten derjenigen, die sie fehlgehen ließen, ohne Wissen. Wie böse ist das, was sie an Last auf sich nehmen.“ (16:25). Allahs Gesandter (s) hat gesagt: „Wer eine schlechte Sitte einführt, trägt die Last dafür und die Last derjenigen, die dieser Sitte folgen, bis zum Tag der Auferstehung.“
Ich habe mich gefragt, ob das, was heutzutage in den Medien geschieht, Zufall oder geplant ist. Ich weiß es nicht, aber Allah (t) sagt: „Diejenigen, die möchten, dass die Abscheulichkeit sich über diejenigen, die glauben, verbreitet, für sie gibt es schmerzende Strafe in dieser Welt und im Jenseits, und Allah weiß Bescheid, und ihr wisst nicht Bescheid“ (24:19).
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Bleibt noch ein Punkt, auf den ich eingehen möchte: Disziplin und Ernsthaftigkeit bedeuten nicht, dass wir nur noch verdrießlich und mürrisch sind. Im Gegenteil: Ich gehe aus und entspanne mich, aber es bleibt immer in meinem Hinterkopf, dass ich eine wichtige Idee in mir trage, für die ich lebe, und für die ich beständig arbeite. Deshalb müssen wir einen Ausgleich schaffen.
Ein lebendiges Beispiel dafür ist eine Gruppe libanesischer Jugendlicher. Es gab mal eine Zeit, da waren sie untätig. Doch dann wurden sie aktiv und gründeten einen Verein, den sie Hadir nannten. Zwanzig Jungen und Mädchen, die in ihrer Zusammenarbeit den Rahmen der moralischen Disziplin zwischen sich wahren. Sie planten gezielte mediale Aktivitäten und bewiesen damit, dass sie trotz ihres jungen Alters - alle um die zwanzig Jahre herum - in der Lage sind, erfolgreich zu sein.
Zu ihren Aktivitäten gehören:
• Kinderlieder. Diese wurden im letzten Ramadan in den meisten Satellitensendern ausgestrahlt.
• Eine Internetseite, um den Jugendlichen Allah näher zu bringen.
• Eine Buch über die Moscheen im Libanon, um den Libanon von seiner schönsten Seite zu zeigen.
• Ein Fastenkalender für den Monat Ramadan, der in den Universitäten verteilt wurde.
• Basketballturniere zwischen den Moscheen.
Ich möchte mit folgender Frage abschließen:
Sind denn die anderen Nationen aufgestiegen, während sie subversive, zerstörerische Ideen hatten? Haben die Medien Japans, Chinas oder Deutschlands in ihrer Aufbauphase solche Sendungen ausgestrahlt? – Nein!!
Können wir also eine Veränderung herbeiführen???
Das Projekt der Woche:
Die einzige oder wichtigste Methode der Medien, um Oberflächlichkeit und Frivolität zu verbreiten, ist der Körper und die Attraktivität der Frau, um Gelüste zu wecken. Deshalb heißt unser Projekt für diese Woche: Frauen respektieren!
Wir werden es niemals hinnehmen, dass die Frau in ihrer Würde erniedrigt wird. Erblickt keine Szene in den Satellitensendern, Zeitschriften, der Werbung oder in irgend einem anderen Medium, dass den Körper der Frau missbraucht, ohne dass ihr Hunderte von Schreiben auf die freundlichste Art verfasst, in denen ihr darauf aufmerksam macht: „Wir boykottieren dieses Produkt, denn die dargestellte Frau in ihrer Werbung ist meine Mutter, meine Schwester, meine Tochter. Das Respektieren der Frau gehört zu den menschlichen Werten, und das Ausnutzen des Körpers der Frau zu Vertriebszwecken ist eine Beleidigung für jede Frau!“ Schicke den Verantwortlichen solche Schreiben, in denen du in einer gesitteten Art klar zum Ausdruck bringst, dass wir jegliche Ausnutzung des weiblichen Körpers ablehnen, weil sie eine Beleidigung für dich und alle Frauen ist. Wenn wir dies tun und Tausende solcher Briefe verschicken, wird es zweifelsfrei zu einer Veränderung kommen.
Nächste Woche führen wir unser Gespräch weiter, so Allah will.
Und der Friede Allahs sei mit euch und Seine Barmherzigkeit und Seine Gnaden -
Wa s-salamu alaikum wa rahmatu-llahi wa barakatuh.
(1) Ganzer Einsatz für die Sache Allahs.
Übersetzt durch: Dar al-Tarjama / Deutsches Team
© AmrKhaled.net
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