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Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.
Liebe Brüder und Schwestern, abermals treffen wir uns zu unserem Programm Lebensgestalter. Letztes Mal haben wir über Proaktivität gesprochen, dann haben wir damit begonnen, diese mit Perfektion zu verbinden. Wie schon gesagt, wollen wir den proaktiven Menschen, der danach strebt, seine Sachen perfekt zu machen.
In den vorigen Folgen haben wir euch darum gebeten, uns etwas über eure persönlichen Erfahrungen mit Proaktivität zu schicken. Ganz ehrlich: Die Reaktionen der Menschen waren so spürbar und so deutlich, dass man sie weder übersehen noch leugnen kann. In der letzten Woche habe ich etwa 6500 Beiträge über proaktive Tätigkeiten zugeschickt bekommen… Wunderbar ist vor allem, dass diese Bemühungen nicht individueller, sondern kollektiver Natur waren und darüber hinaus durchdrungen von proaktivem Geist.
Wenn wir die proaktiven Taten anhand der Teilnehmer zählen würden, würden wir sehen, dass es mehr als Zehntausend waren, vielleicht noch weit mehr. Ich habe einen ganzen Tag damit verbracht, aus diesen wunderbaren Bemühungen exemplarische Fälle auszuwählen, um sie euch darzustellen. Ich habe nämlich festgestellt, dass, als ich euch in den vorigen Folgen beispielhaft Erfahrungen eurer Brüder und Schwestern aufgezeigt habe, eure Reaktionen noch stärker waren und die Wirkung noch größer. Wie ich immer wieder sage, dieses Programm ist nicht mein Programm, sondern euer Programm denn nur zusammen können wir das Leben gestalten…
Fangen wir diese Folge also mit den proaktiven Beispielen an, die ich unter den Tausenden von Beiträgen ausgewählt habe.
Die proaktiven Beispiele:
1. Muslimische Jugendliche, die in die Schweiz immigriert sind, haben aus Liebe zur Heimat bedürftige Krankenhäuser in ihren Ursprungsländern mit medizinischen Bedarfsgegenständen versorgt.
2. Muslimische Gemeinschaften, die in den westlichen Gesellschaften leben, leiden daran, dass die zweite Generation die arabische Sprache nicht beherrscht. So hat mir Iman aus Brasilien und Fattouh aus Frankreich geschrieben, dass beide Kurse in der arabischen Sprache für Kinder der zweiten Generation organisieren, damit diese ihre arabische Identität in den westlichen Ländern bewahren können.
3. Christliche Jugendliche haben an unserer Umfrage teilgenommen und uns 260 Beiträge zugeschickt.
4. Saudische Ärztinnen besuchen wöchentlich Krankenschwestern aus Südostasien und unterweisen sie im freundlichen und mitfühlenden Umgang mit den Kranken.
5. Studenten an der Universität von Mansura in Ägypten haben ein Theaterstück über „Proaktivität und Erfolg im Leben“ aufgeführt. Ihr Publikum bestand aus 5000 Studentinnen und Studenten.
6. Pharmakologiestudenten der Universität von Alexandria in Ägypten haben auf eigene Kosten die alten Gebetsteppiche in der Fakultätsmoschee durch neue ersetzt.
7. Studenten der Ingenieurswissenschaften an der Universität von Alexandria haben die kaputten Türen und Fenster in der Fakultät repariert und Mülleimer gekauft.
8. Studenten der Ingenieurswissenschaften an der Universität von Schobra in Kairo haben die schäbigen Wände ihrer Fakultät neu angestrichen.
9. Studenten der Universität von Kairo, die wöchentlich einige alte Leute besuchten, haben herausgefunden, dass diese über viele Fertigkeiten und Erfahrungen verfügen. Die Jugendlichen nutzen diese wöchentlichen Besuche seither als Chance, von den Älteren zu lernen.
10. Palästinensische Studenten kommen jede Woche zusammen, schauen sich gemeinsam die neue Folge von „Lebensgestalter“ an und einigen sich danach auf eine proaktive Tat, die sie durchführen wollen. Darüber hinaus kopieren sie die neuen Folgen von „Lebensgestalter“ und verteilen diese Kopien gegen einen symbolischen Preis unter ihren Kommilitonen.
11. Medizinstudentinnen an der Fateh Universität in Libyen haben so viele proaktive Aktionen verwirklicht, dass der Dekan ihnen eigens für die Organisation dieser Wohltätigkeiten einen Raum an der Fakultät überließ. Darüber hinaus stellen sie das Material für ein wöchentliches Programm über Lebensgestalter im libyschen Rundfunk zusammen.
12. Im Oman haben einige Mädchen einen Wohltätigkeitsverein namens „Um Al-Masakeen“ gegründet (in Anlehnung an den Namen der Frau des Propheten (s)), mit dem Zweck, abgelegte Kleider an die Armen zu verteilen.
13. Einige Hausfrauen aus den Golfstaaten bringen asiatischen Dienstmädchen das Lesen und Schreiben bei.
14. Einige Hausfrauen haben damit begonnen, gemeinsam mit anderen Hausfrauen aus der gleichen Wohngegend Koran zu rezitieren und zu studieren.
15. Einige Hausfrauen haben sich mit Hotels in Verbindung gesetzt, um übergebliebenes Essen zu bekommen, das sie an die Armen verteilen.
16. Zwei Damen erinnerten mich an die Zeit der Prophetengefährten und an den Hadith des Propheten (s): „Das Gute besteht in mir und in meiner Ummah bis hin zum Tag der Auferstehung.“ Diese beiden Damen, die sich übrigens nicht kennen, haben letzte Woche einem Waisenhaus ein Grundstück im Wert von 2 Mio. ägyptischen Pfund gespendet. Das Grundstück ist bereits letzte Woche übergeben worden.
17. In Jordanien haben Schüler der „Radwan Schule“ eine Summe ihres Taschengeldes abgezweigt, um Waisenkinder zu unterstützen.
18. Das Gleiche ist in einer anderen Schule in Kuwait passiert.
19. Mädchen aus Syrien sammeln altes Papier und verkaufen es an Papierfabriken, anstelle es wegzuschmeißen.
20. Mahmoud Scharif Said, ein Universitäts-Ingenieur hatte eine wunderbare und einzigartige Idee, nämlich „Zakat des Wissens“ (Wissens-Spende). Er ist ausgezeichnet in Mathematik und entschloss sich, Schülern kostenlose Nachhilfestunden zu geben, egal welche Klasse sie besuchen. Zu diesem Zweck hat er seine Telefonnummer und E-Mail-Adresse in seinem Wohnhaus und seiner Nachbarschaft verteilt.
21. Die gleiche Idee hatte ein Dozent namens Tamer Mahmud, der Magisteranden in seinem Fachbereich kostenlos Nachhilfeunterricht erteilt.
22. Irakische Jugendliche haben ein Projekt namens „Zuraa‘ al-Ward“ (Blumenpflanzer) ins Leben gerufen. Dabei lehren sie ihre Landsleute das Lesen und Schreiben bzw. vermitteln ihnen Computerkenntnisse.
Ganz offen gesagt bin ich sehr froh über diese Beispiele, die man in allen Ecken der arabischen Welt findet. In Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien, Oman, Kuwait, Syrien, sogar im Irak und in Palästina. Worauf wartet ihr, Brüder und Schwestern, um es ihnen gleichzutun?
An dieser Stelle möchte ich die Proaktiven auf zweierlei aufmerksam machen:
Erstens: Bei diesen Wohltätigkeiten soll die Absicht einzig für Allah allein sein. Allahs Gesandter (s) sagt sinngemäß: „Taten werden nach der Absicht (bewertet), und jedem Menschen wird gemäß seiner Absicht zuteil.“
Zweitens: Der Einsatz für das Gute soll kontinuierlich sein, denn Allahs Gesandter (s) sagt sinngemäß: „Die regelmäßige Arbeit ist Allah am liebsten, auch wenn es wenig ist.“
Wunderbar ist auch, dass die Proaktiven angefangen haben, die Früchte ihrer Wohltätigkeiten zu genießen und den süßen Geschmack des Erfolgs zu erfahren. Ihr Glauben ist gestärkt worden, sowie ihre Fähigkeit, Versuchungen zu widerstehen. Darin liegt eigentlich der Inbegriff unseres Programms. Das Programm zielt weniger darauf ab, bloß die Batterien des Glaubens wöchentlich aufzuladen. Vielmehr soll jeder daraus lernen, sich ein Ziel zu setzen und die ganze Woche lang für dieses Ziel zu arbeiten.
Das Projekt der letzten Woche war, einem Bedürftigen innerhalb der Familie zu helfen. Dafür habe ich ca. 5500 Beiträge bekommen, die vom Geist der Proaktivität durchdrungen waren.
Trotz dieser optimistischen Stimmung habe ich einen sehr kritischen, verzweifelten Brief bekommen. Der Absender vertritt die Meinung, dass es so viele Hindernisse gäbe, dass man sie nicht besiegen könne. Vom Ziel unseres Programms sei er gar nicht überzeugt. Veränderung und Erfolg wären unmöglich. Unverschämtheit sei überall verbreitet. Dafür führt er das Beispiel an, dass sich mehr als 70000 Jungen und Mädchen bei einem Fernsehprogramm beworben haben, um dort das Tanzen und Singen zu lernen. Dem Verfasser des Briefes stelle ich die Frage: Sollen wir resigniert zu Hause hocken, gar nichts tun und schließlich gedemütigt und schwach sterben?
Nein! Die Veränderung soll aus unserem Inneren kommen. Wir alle haben die Fähigkeit, etwas zu bewirken bzw. zu verändern, vorausgesetzt, dass wir uns ein Ziel setzen und uns für dieses Ziel regelmäßig und emsig einsetzen.
Um es anders zu formulieren: Stellen wir uns zwei Kreise vor:
Der erste Kreis repräsentiert die äußeren Hindernisse… Dieser ist sehr schwer zu überwinden.
Der zweite Kreis befindet sich innerhalb des ersten und stellt den Wirkungskreis dar, also die Fertigkeiten, die man besitzt, um seine Umgebung zu beeinflussen.
Betrachtet man den Kreis der äußeren Hindernisse, wird er einem im Vergleich zum Wirkungskreis zu groß und zu schwer bezwingbar vorkommen.
Wenn man aber seinen Wirkungskreis betrachtet, sich auf seine Fertigkeiten und seine Energie konzentriert und sich fragt, wie man seine Umgebung beeinflussen kann, dann wird dieser Kreis allmählich größer, wohingegen der Kreis der Hindernisse kleiner wird, bis er am Ende völlig zusammenfällt.
Genau das hat unser Prophet (s) gemacht: Am Anfang seines Aufrufs zum Islam waren die Hindernisse zu zahlreich: In der Ka’ba gab es ca. 360 Götzenbilder. Was hat der Prophet getan? Er begann damit, seinen Wirkungskreis allmählich zu erweitern, indem er die rechtschaffenen Jugendlichen für die neue Religion zu gewinnen suchte. Von da an sind sukzessive Billionen von Muslimen in den Wirkungskreis des Propheten (s) eingetreten, und der Islam wird bis zum Tag der Rechenschaftsablegung immer mehr Anhänger gewinnen.
Als guten Anfang können wir unseren Wirkungskreis erweitern, indem wir unseren Kindern eine gute Erziehung zuteil werden lassen und sie zur Rechtschaffenheit erziehen. Das wäre eine Antwort! Passivität und Resignation müssen wir beiseite lassen. Raffen wir uns auf! Die Zukunft wird den Muslimen Gutes bringen, so Allah will.
Setzen wir nun unser Gespräch über das Thema “Perfektion“ fort.
Wie wir schon erklärt haben, Perfektion und Proaktivität sind zwei Seiten einer Medaille. Wir wollen den proaktiven Menschen, der danach strebt, seine Sache perfekt zu machen. Es ist wirklich traurig, dass die Muslime heutzutage ihre Aufgaben nicht mehr perfekt bewältigen können, seien diese Aufgaben religiös, beruflich oder persönlich. Es ist nicht schwer, Leute zu finden, deren ganzes Leben durch Nachlässigkeit geprägt ist:
• Du hörst den einen sagen: „Mach’s halt irgendwie, schaut eh keiner zu!“ Aber Allah sagt ihm: „Er kennt das Treulose der Augen, und was die Gemüter geheim halten“ (40:19).
• Ein anderer sagt: „Die Leute wollen nur das Billige; nur mindere Qualität findet Käufer!“ Und Allah antwortet: „... derart prägt Allah das Wahre und das Nichtige, und was den Schaum angeht, geht er davon als Abfall, und was das angeht, was den Menschen nützt, so verbleibt es in der Erde“ (13:17).
• Ein Dritter sagt: „Solange sie mich so schlecht bezahlen, werde ich mir auch keine Mühe geben!“ Dem sagt Allah: „O die ihr glaubt, haltet die Abmachungen ...“ (5:1).
• Ein Weiterer sagt: „Alle Leute machen es so!“ Und Allah sagt ihm: „Und alle sie kommen zu Ihm am Tag der Auferstehung allein“ (19:95).
• Man hört auch: Die letzten kleinen Feinheiten sind nicht so wichtig! Und Allah antwortet: „Bestimmt haben Wir schon den Menschen in bester Gestaltung geschaffen“ (95:4).
• Noch ein anderer spricht resigniert: „Die Leute haben ihr Studium abgeschlossen und stehen nun alle im Arbeitsamt Schlange. Es gibt weder Arbeit noch sonst was, ist doch alles gleich.“ Diesem antwortet Allah: „... Wir lassen ja nicht die Belohnung dessen verloren gehen, der aufs Beste handelt“ (18:30).
Ich möchte euch eine rührende Geschichte über unseren Propheten (s) erzählen und zwar vom Tag, als sein Sohn Ibrahim starb. An diesem Tag weinte der Prophet (s) soviel, wie er in seinem Leben nie geweint hatte. Nachdem er seinen verstorbenen Sohn beigesetzt hatte, sah er eine Spalte in der Graboberfläche. Da trug der Prophet (s) dem Bestatter auf, die Graboberfläche glatt zu machen. Da fragte dieser, ob das dem Verstorbenen nütze. Darauf erwiderte der Prophet (s): „Weder nützt es ihm, noch schadet es ihm, aber es ist erfreulich für den Blick des Betrachters.“
Seht ihr? Sogar in diesem traurigen Moment strebt der Prophet (s) nach Perfektion. Dann sagte er „Allah liebt es, dass, wenn einer von euch etwas tut, dass er es perfekt macht.“
Nach genauer Betrachtung haben wir 4 Gründe für fehlende Perfektion ausmachen können:
1. Manche Leute verrichten ihre Aufgaben nicht richtig, um größere finanzielle Gewinne zu erwirtschaften: Ein Techniker z. B. möchte ein Auto nicht ganz einwandfrei reparieren. Angenommen, der Besitzer wird zu seiner Werkstatt zurückzukehren, um den Mangel nochmals untersuchen und beseitigen zu lassen. Der Techniker denkt, dadurch müsste der Besitzer ihm noch mehr bezahlen. Ein Arzt macht genau das Gleiche. Betrachten wir diese Fälle genauer, stellen wir fest, dass das verdiente Geld als illegal erwirtschaftet bezeichnet werden muss. Denn die Unachtsamkeit ist hier absichtlich.
2. Ignoranz: Ignoranz führt dazu, dass man gar nicht weiß, wie eine Sache zu verrichten ist.
3. Faulheit
4. Wenn man die Frucht der Perfektion nie gekostet hat. Denn Perfektion hat wohl einen Geschmack. Wer diesen kennen lernt, wird sich nie erlauben, nachlässig zu handeln.
Wie gelangen wir dann zur Perfektion?
1. Wir müssen uns ein Ziel im Leben setzen.
2. Wir müssen einen starken Willen haben.
3. Wir müssen auch Geduld haben.
4. Entweder müssen wir über Wissen und Erfahrung verfügen oder wir müssen Experten zu Rate ziehen, wenn wir selber nicht in der Lage sind, unsere Aufgabe möglichst perfekt zu verrichten.
Wie Ihr seht, sind das genau die Eigenschaften eines Proaktiven. Wenn jemand diese Eigenschaften innehat, perfektionieren sich seine Taten von selbst.
Ich werde euch die Geschichte einer Person erzählen, die über die erwähnten Eigenschaften verfügte. Das Ergebnis davon war ausgezeichnete und verblüffende Arbeit. Diese Person ist Muhammad al-Fatih. (1)
Muhammad al-Fatih schaffte es, Konstantinopel einzunehmen. Aber lasst mich erst mal erklären, welche Bedeutung Konstantinopel hatte:
Konstantinopel ist die Stadt, die das Mittelmeer mit dem Schwarzen Meer verbindet. Sie verbindet auch Asien mit Europa. Dadurch war diese Stadt das beste Handelszentrum im Mittelalter. Über diese Stadt sagt Napoleon: „Falls die ganze Welt ein einziges Reich wäre, dann müsste Konstantinopel die Hauptstadt dieses Weltreiches sein.“ Die Römer regierten diese Stadt und von dort aus die Welt. Seit der Ära von Ali Ibn Abi Talib (d. h. 800 Jahre lang) haben die Muslime immer wieder versucht, diese Stadt einzunehmen, aber alle ihre Versuche schlugen fehl aufgrund der starken Festungen, die so aussahen:
1. Ein mit Wasser gefüllter Graben, der vor den Festungsmauern gelegen war; er war 10 Meter tief und 60 Fuß breit.
2. Zwei Festungsmauern: Die äußere Mauer war 25 Fuß hoch und 10 Meter breit.
3. Die zweite Mauer war 40 Fuß hoch und 15 Meter breit. Sie hatte Wachtürme, die jeweils 60 Fuß hoch waren.
4. Die Stadt war dreieckförmig: Zwei Seiten lagen am Meer und die dritte wurde von den oben erwähnten Mauern geschützt.
5. All diese Mauern wurden von 400 Schiffen aus bewacht.
Die Muslime wollten diese Stadt einnehmen, nicht nur wegen ihrer strategischen Bedeutung, sondern vor allem wegen den zwei Aussprüchen des Propheten (s):
1. „Allah wird die Sünden jener Armee verzeihen, die als erste die Stadt des Kaisers erobert.“
2. „Gewiss wird Konstantinopel dank eines Mannes eingenommen werden... Und welch ein trefflicher Befehlshaber es sein wird, und welch eine treffliche Armee...“
Über 800 Jahre lang bemühten sich die Muslime um die Eroberung Konstantinopels. Während dieser Zeit gab es 10 Versuche: Den ersten zur Zeit von ’Uthman Ibn ‘Affaan, den zweiten und dritten zur Zeit von Mu‘awiya Ibn Abi Sufyan, den vierten zur Zeit von Sulaiman Ibn ’Abdulmalik, den fünften zur Zeit von Harun Ar-Raschid und andere gescheiterte Versuche, von denen einer bekannt wurde, weil all die großen Gefährten des Propheten daran teilnahmen, wie Abu Ajjub al-Ansari, ’Abdullah ibn ’Umar, ‘Abdullah ibn ‘Abbas…u.a.; dabei belagerten sie die Stadt 7 Jahre lang. Dort starb Abu Ajjub al-Ansari. Er verlangte, an der Stelle beigesetzt zu werden, die Konstantinopel am nächsten war. Damit hegte er die Hoffnung, dass ihn der Prophet (s) jener Armee zuzählen würde, deren Sünden Allah verzeihen würde. Seht Ihr, wie stark diese Leute von jenem Traum angespornt wurden?
Schließlich wurde Muhammad al-Fatih geboren. Seine Kindheit verbrachte Muhammad mit Spielen. Da er Sohn des Königs war, musste er noch nicht viel Verantwortung tragen und hatte hierfür keinen Sinn entwickelt. Eines Tages aber sagte ihm sein Lehrer: „Sei ein Mann“. Es verletzte Muhammad sehr, von seinem Lehrer nicht als Mann anerkannt zu sein. So fasste er den Entschluss, ein richtiger Mann zu werden: Er lernte den Koran auswendig und meisterte fünf Sprachen: Arabisch, Türkisch, Persisch, Latein und Altgriechisch. Auch studierte er Astronomie, Geographie und Geschichte. Als er zehn Jahre alt war, gab sein Lehrer ihm den Traum ein, Konstantinopel zu erobern. Der Lehrer erzählte ihm von dieser Stadt und vom Hadith des Propheten (s): „Gewiss wird Konstantinopel durch die Hand eines Mannes eingenommen werden... Und welch ein trefflicher Befehlshaber es sein wird, und welch eine treffliche Armee...“ Der Lehrer sagte ihm, dass er der Mann sein könne, den der Prophet (s) in seinem Hadith erwähnt hatte. Natürlich konnte der Lehrer dies nicht vorhersagen. Muhammad aber hoffte fortan, dieser Mann zu sein und den alten Traum der Muslime erfüllen zu können.
Ab diesem Moment verfügte Muhammad über folgendes:
1. ein Ziel,
2. das Wissen,
3. den Willen,
4. die Geduld.
Als junger Mann sammelte er Experten um sich, die ihm erklären konnten, was für Hindernisse ihm im Weg nach Konstantinopel stünden. Von ihnen erfuhr er, dass er drei Hindernisse überwinden musste:
1. Es war gefährlich, die Stadt von der Seite des Meeres aus zu erstürmen. Wenn die muslimischen Truppen die Küste erreichen würden, könnten sie nicht mehr geschützt werden, sie wären dann den Gegnern ausgeliefert. Um dies verhindern zu können, mussten die Muslime eine Festung errichten, was ein ganzes Jahr in Anspruch nehmen würde.
2. Weil die Mauern der Stadt so hoch und breit waren, gab es keine Kanonen, die diese hätten zerstören können.
3. In der Meeresenge befand sich eine riesige Kette, die fremde Schiffe daran hinderte, in ihre Gewässer einzudringen.
Was also hat Muhammad getan, um das Unmögliche möglich zu machen?
1. Er ließ in nur 3 Monaten eine mobile Festung bauen. Dafür beauftragte er die besten Handwerker, denen er durch den Hadith des Propheten (s) Ansporn gab.
2. Es hieß damals, dass der einzige Mann, der eine Kanone bauen könnte, die stark genug für die Zerstörung der Stadt wäre, ein ungarischer Fachmann sei, der im Kerker innerhalb Konstantinopels gefangen gehalten wurde. So ließ Muhammad einen riesigen Tunnel unter dem Meer und unter die Festungen der Stadt graben, um diesen Fachmann zu befreien. Nachdem dieser Plan erfolgreich durchgeführt worden war, konnte der Ungar die gewünschte Kanone bauen. Diese wog 700 Ratl (2) Pfund und wurde von 100 Ochsen und 100 starken Männern gezogen. Wenn ein Geschoss abgefeuert wurde, verursachte es einen 6 Fuß tiefen Krater. Den Widerhall konnte man noch in 13 Meilen Entfernung hören. – Stellt euch derartige Erfindungen vor. Seht, wie selbst die Hilfe ausländischer Experten in Anspruch genommen wurde; heutzutage wandern die muslimischen Experten aus, um dem Westen Nutzen zu bringen. - Der Plan der damaligen Muslime wurde perfekt und ohne einen einzigen Fehler ausgeführt.
3. Um das Kettenhindernis in der Meeresenge zu umgehen, leiteten die Muslime ihre Schiffe auf einer Strecke von fünf Kilometern über die Wüste und das Gebirge um. Klingt unvorstellbar? Die Muslime fällten alle Bäume in der Gegend, bauten damit Schienen durch die Wüste und gossen Öl darauf. So war es ihnen möglich, mit Hilfe von Hunderten von Männern und Ochsen, 70 Schiffe mit gesetzten Segeln über die eingefetteten Schienen gleiten zu lassen. Die Schiffe wurden dann gleich vor den Stadtmauern ins Meer hinabgelassen. Erwähnenswert ist, dass die Muslime diesen Plan zwischen Abend- und Morgendämmerung in die Tat umsetzen mussten, damit die Römer sie nicht ertappten und ihre Schiffe verbrannten. Die Muslime hatten den Plan genau und perfekt durchführen können, 400 römische Schiffe verbrannt und ihre Gegner besiegt. So wurde die langersehnte Eroberung Konstantinopels verwirklicht.
Vergesst nie: Jeder, der von einer Idee überzeugt ist, sein Ziel beständig verfolgt und sich dafür emsig einsetzt, wird sein Ziel am Ende auch erreichen!
Ein Dokumentarfilm, der den Plan von Muhammad al-Fatih darstellt, kann von der folgenden Seite heruntergeladen werden: www.amrkhaled.net.
Die Belagerung dauerte mehr als 50 Tage. In der Nacht vor dem Sieg hat Muhammad folgende zuvor unübliche Dinge gemacht:
1. Er hat den Willen der Soldaten mit militärischen Rhythmen und Gesang gefördert.
2. Er spornte sie durch den Hadith des Propheten (s) an.
3. Er verlangte von ihnen, wiederholt für den Propheten (s) um Segen zu bitten und sich beständig an ihn zu erinnern, damit sie für die bevorstehende Schlacht moralisiert würden.
4. Dann verlangte er, dass die ganze Armee zwei Rak’a (Gebetseinheiten) zu Allah beteten, wobei der Lehrer Muhammads das Gebet als Imam leitete.
Als Muhammad Ibn Murad, der später als Muhammad al-Fatih bekannt wurde, gefragt wurde, wie er zu dieser großartigen Eroberung fähig war, woher er diese Willenstärke hatte, antwortete er:
„Dafür besitze ich Zweierlei:
• Ein Herz hart wie Stein, das nicht weich wird, bis ich durchgeführt habe, was ich wollte.
• Ein Auge, das aus Ehrfurcht vor Allah weint.“
Das lässt uns eines anderen Lebensgestalters gedenken: Scheich Ahmad Yasin. Er war an seinen Rollstuhl gefesselt und konnte sich in vielen Dingen nicht selbst helfen, dennoch hatte er einen eisernen Willen. Wir werden nicht um ihn trauern, denn er hat den Märtyrertod gefunden. Wir trauern nur um diejenigen, die einen gelähmten Willen haben, obwohl sie einen gesunden Körper besitzen. Khalid Ibn al-Walid, das Schwert Allahs, hat sich diese Art zu sterben sehr gewünscht. Auf seinem Sterbebett sagte er: „Mein ganzer Körper ist übersät von Narben aufgrund von Speer- und Schwerthieben – und hier liege ich nun auf meinem Bett und sterbe wie ein Kamel.“ Der Islam erlebt momentan eine Phase, die mit einer Ebbe zu vergleichen ist. Die Flut erlebte unsere Religion zur Zeit des Propheten und zur Zeit von Männern wie Muhammad al-Fatih. Eine neue Flut ist zu erwarten. Der Märtyrertod von Scheich Yasin vermittelt uns diese verheißungsvolle Botschaft trotz der Dreistigkeit seiner Mörder.
Das Projekt der Woche:
Der Prophet (s) sagte sinngemäß: „Lasst mein Gesicht am Tag der Auferstehung sich (aufgrund von Schmach) nicht verfinstern.“ Dies wiederholte er dreimal.
Unsere Generation muss etwas tun, denn wir schätzen doch unseren Propheten (s) hoch. Mögen Allah und der Prophet (s) Wohlgefallen an uns finden!
1. Die erste Aufgabe lässt sich unter dem Motto: „Perfektioniere die Lebensgestaltung!“ zusammenfassen. Das bedeutet: Wenn du irgend etwas findest, das nicht perfekt ist, sei es ein Produkt, eine verrichtete Arbeit oder gar eine soziale Beziehung, dann schreibe einen kleinen Brief an den/die Betreffenden und bitte mit aller Höflichkeit um Verbesserung oder wende dich an die Betreffenden mit einem guten Rat! Und vergiss nicht, uns ein Feedback zu geben!
2. Die zweite Aufgabe: Perfektioniere den Schluss jedes der vorgeschriebenen Gebete, indem du drei Mal mit „Astaghfirullah“ um Allahs Vergebung bittest. Dann sprich jeweils 33 mal Subhanallah, Alhamdulillah und Allahu Akbar. Schließlich sagst du: La Ilaha illa llah Wahdahu la Scharika lah, Lahu l-Mulk wa Lahu l-Hamd wa Huwa ’ala kulli Schai’in qadir. Dies bedeutet: Es gibt keinen Gott außer Allah; Er hat keinen Teilhaber, die Herrschaft ist Sein und das Lob ist Sein, und Er ist zu allem imstande. Beende auf diese Weise jedes der fünf täglichen Pflichtgebete.
(1) Bekannt als: Muhammed II Fatih, der Eroberer
Übersetzt durch: Dar al-Tarjama / Deutsches Team
© AmrKhaled.net
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