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Ein Aufruf zum
friedlichen Miteinander"
Folge 14
Im Namen Allahs, des
Allerbarmers, des Barmherzigen, Lob sei Allah, dem Herrn der Welten. Allah segne
und schenke dem Propheten und seinen Gefährten Heil.
Friede sei mit euch!
Willkommen zu einer
neuen Folge unserer Sendung: "Ein Aufruf zum friedlichen Miteinander"!
Heute werden wir unsere
Geschichte über Al-Schafi’i fortsetzen. Von den großen Gelehrten hatte er
verschiedene Titel bekommen. Der bekannteste Titel ist „der Sunna Verteidiger“.
Ich persönlich bevorzuge es, ihn den „Imam des friedlichen Miteinander“ zu
nennen wegen seiner einzigartigen Leistungen auf diesem Gebiet.
Heute wollen wir näher
auf das Leben von Al-Schafi’i eingehen und seine Charaktereigenschaften
hervorheben.
Al-Schafi’is Reise nach
Jemen:
Wie wir bereits in der
letzten Folge erwähnten, ging Al-Schafi’i nach Jemen, um dort zu arbeiten und
Geld für die spätere wissenschaftliche Reise nach Irak zu verdienen. Er
studierte dort das Wissen der Schiitischen Schule, um mit den Gelehrten darüber
diskutieren zu können.
Während
seines Aufenthalts im Jemen, litt die Region unter Instabilität. Der Herrscher
von Jemen war bekannt dafür, Häretiker (arab. Zanadika) zu unterdrücken,
indem er ihnen ihr Eigentum wegnahm. Al-Schafi’i bezeichnete dies als Unrecht
und traf den Herrscher, um ihm zu erklären, dass er das Problem so nur
vergrößere, wenn er die Leute immer unterdrücke. Als Folge davon zählte der
Herrscher Al-Schafi’i zu den Radikalen und leitete die Angelegenheit an Harun
Ar-Raschid, dem damaligen Führer der Muslime im Irak, weiter. Dieser wiederum
erteilte den Auftrag, die Radikalen, unter ihnen Al-Schafi’i, gefesselt nach
Irak zu senden. Auf diese Weise kam Al-Schafi’i nach Irak, noch bevor er genug
Geld verdient hatte, um wie geplant die Reise selbst zu finanzieren.
Al-Schafi’is zweite
Reise nach Irak:
Al-Schafi’i kam also in Fesseln nach Irak. Auf dem ganzen Weg betete Al-Schafi’i
zu Allah mit dem Namen „der Huldvolle“ (arab. Al-Latif). Harun Ar-Raschid hatte
bereits alle anderen Angeklagten verhört und sie wegen Hochverrat zum Tode
verurteilt. Er fragte Al-Schafi’i, ob auch er die Menschen gegen ihn aufgehetzt
hätte? Al-Schafi’i antwortete, dass er das nicht tun könnte, da er sein Cousin
sei. Tatsächlich stammten sie beide von Quraisch ab. Dann erklärte er:
„Ich stimme mit diesen Radikalen nicht überein, aber ich glaube, dass
Ungerechtigkeit das Problem nur vergrößern und nicht lösen wird.“ Harun
Ar-Raschid stimmte mit dieser Meinung zwar überein, aber er war sich über
Al-Schafi’is Loyalität nicht sicher. Neben Harun Ar-Raschid saß Muhammad Ibnul
Hassan, der Student von Abu Hanifa, den Al-Schafi’i im Irak getroffen hatte.
Muhammad Ibnul Hassan sagte: „Dieser Mann ist ehrlich. Er spricht die Wahrheit
und wird ein großer Gelehrter werden.“ Daraufhin gab ihm Harun Ar-Raschid 50.000
Dinar für seinen Lebensunterhalt.
Könnt ihr
euch das vorstellen!?
Ein
Gelehrter aus der Rechtsschule von Abu Hanifa unterstützt Al-Schafi’i, einen
Gelehrten aus Maliks Schule. Die Anhänger beider Schulen waren damals noch
verstritten wie wir schon sagten. Er hatte die Chance nicht ausgenutzt, wie es
wahrscheinlich heutzutage passieren würde, um ihn „loszuwerden“. Nein, er hat
ihn gerettet, obwohl er eine Konkurrenz für ihn darstellte.
Das ist
wahrlich ein Beispiel für Ehrlichkeit und für das friedliche Miteinander, das
trotz Meinungsunterschiede zwischen den großen islamischen Gelehrten herrschte.
Al-Schafi’i lebte zwei Jahre im Irak und studierte das Wissen der Rechtsschule
von Abu Hanifa. Sein Lehrer während dieser Zeit war Muhammad Ibnul Hassan. Mit
36 Jahren hatte er das Wissen der beiden wichtigsten Rechtsschulen (Malik und
Abu Hanifa) erworben. Darüber hinaus hatte er Koran, Hadith,
Koraninterpretation, Abstammungslehre, Poesie und Gesichtsdeutung studiert. Was
für ein umfangreiches Wissen!
Al-Schafi kehrt nach
Mekka zurück:
Er kehrte nach
Mekka zurück und begann zum ersten Mal Fatwas (islamische Rechtsgutachten) zu
geben. Er saß neben der Zamzam Quelle, einem Platz, an dem nur der große
Gefährte Abdullah Ibn-Anas (r[1])
gesessen hatte, um Fatwas zu geben. Al-Schafi’i blieb neun Jahre in Mekka, bis
er 45 Jahre alt wurde. Er verfasste sein erstes Buch mit dem Titel „Ar-Risala"
(die Botschaft). Es enthielt die endgültige Methodik der islamischen
Rechtswissenschaft, die wir benutzen, um aus dem Koran und der Sunna Rechtlinien
für unser Leben zu ziehen. Er war der erste, der die Vorgehensweise des
logischen Denkens festlegte, die später von anderen imitiert wurde.
Al-Schafi’is dritte
Reise nach Irak:
Al-Schafi’i entschied sich dann nach Irak zurückzukehren. Er wollte seine
Botschaft überbringen und sein Buch „Ar-Risala“ den Menschen dort vorstellen. Er
blieb zwei Jahre im Irak. Während dieser Zeit war sein Hauptziel, die beiden
Parteien zu einigen: Mekka und Irak. Er wollte die Kluft zwischen ihnen
überwinden, da sie sich gegenseitig ergänzten. Er schrieb auch ein Buch mit dem
Titel „Al-Umm“ (die Mutter). Dieses Buch war eine Anwendung für die Regeln und
Theorien in seinem Buch „Ar-Risala“.
Als
Al-Schafi’i 50 Jahre alt war, fragte er seinen Studenten und Anhänger Rabi’:
„Was fehlt uns noch? Wo waren wir noch nicht?“ Er antwortete: „Es sind noch
Ägypten und Indien übrig.“ Al-Schafi’i sagte: „Dann beginnen wir mit Ägypten.“
Al-Schafi’is Reise nach
Ägypten:
Als er in
Ägypten ankam, wurde er aufgefordert Fatwas abzugeben, aber er lehnte ab und
sagte, dass er zuerst die Menschen in Ägypten und ihre Umgebung kennen lernen
müsste. Er brauchte ein ganzes Jahr für dieses „kennen lernen“.
Während er
in Ägypten war, traf er eine sehr mutige und riskante Entscheidung. Er wollte
seine Rechtswissenschaft (seine Fatwas) in seinem Buch „Al-Umm“ überarbeiten. Er
hatte seine Meinung in fast allen Angelegenheiten vollkommen verändert. Nur 20
Themen blieben erhalten. Dies war, weil die Umgebung in Ägypten sich vollkommen
von der im Irak unterschied. Er hatte keine Angst davor, was die Menschen sagen
würden. Er suchte aufrichtig nach der Wahrheit und die Menschen selbst waren
damals sehr flexibel und verständnisvoll.
Als er 54
Jahre wurde, war er wegen Krankheit nicht mehr in der Lage zu stehen. Er
wünschte sich, dass er noch die Kraft hätte, um nach Indien zu reisen und seine
Aufgabe zu erfüllen, Menschen zusammenzubringen. Einer der Gelehrten sagte:
„Wenn Al-Schafi’i Indien besucht hätte, hätte sich seine Rechtswissenschaft auf
der ganzen Welt verbreitet, aber Allah (t) wollte dies nicht.“
Die
Unterschiede zwischen den Menschen sind zu ihrem eigenen Vorteil.
Al-Schafi’is Tod:
Ein paar Tage vor
Al-Schafi’is Tod träumte Rabi’, dass Adam (as[2])
stirbt. Er fragte nach der Deutung dieses Traumes und man sagte ihm: „Die
großartigste und intellektuellste Person dieser Zeit wird bald sterben.“ Er
erkannte, dass Al-Schafi’i bald sterben würde.
In den
wenigen Stunden vor seinem Tod, bat Al-Schafi’i seinen Studenten Rabi’ den Koran
zu rezitieren. Er rezitierte folgende Verse:
[„Unser Herr, wahrlich, wir hörten einen Rufer, der zum Glauben aufrief (und
sprach:) »Glaubt an euren Herrn!« und so glauben wir. Unser Herr, und vergib uns
darum unsere Sünden und tilge unsere Missetaten und nimm uns mit den Frommen zu
dir. Unser Herr, und gib uns, was Du uns durch Deine Gesandten versprochen hast,
und führe uns nicht in Schande am Tage der Auferstehung. Wahrlich, Du brichst
nicht (Dein) Versprechen.“
Da erhörte sie ihr
Herr (und sprach): „„Ich lasse nicht die Handlungen eines von euch, der handelt,
verloren gehen, sei es Mann oder Frau; die einen von euch sind von den anderen.
Und diejenigen, die auswanderten und aus ihren Häusern vertrieben wurden und auf
Meinem Weg litten und kämpften und fielen - wahrlich, tilgen will Ich ihre
Missetaten, und wahrlich, führen will Ich sie in Gärten, durch die Bäche
fließen, als Lohn von Allah.““ Und bei Allah ist die beste Belohnung.]
(3:193-195).
Rabi’
rezitierte und Al-Schafi’i weinte. Das letzte, was er vor seinem Tode sagte,
waren ein paar Gedichtverse über Allahs Güte und Vergebung.
Al-Schafi’i wurde in Ägypten begraben. Alle Ägypter weinten über seinen Tod und
waren sehr traurig.
Dies war das
Leben von Imam Al-Schafi’i, das er für die Einigung der Menschen aufgeopferte.
In der
nächsten Folge werden wir die zehn Regeln der Koexistenz auf sein Leben
anwenden.
Vielen Dank
und Allahs Frieden sei mit euch.
[1]
radya Allahu
’anhu/’anha:
Allahs Wohlgefallen auf ihm/ihr. Wird der Erwähnung der Namen der
Gefährten, Nachfolger des Propheten (s) und der Mütter der Gläubigen
beigefügt.
[2]
’alaihi assalam:
’alaihi assalam:
Friede auf ihm. Wird der Erwähnung der Propheten beigefügt.
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