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Folge 10
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 "Ein Aufruf zum friedlichen Miteinander"

Folge 10

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen, Lob sei Allah, dem Herrn der Welten. Allah segne und schenke dem Propheten und seinen Gefährten Heil.

Friede sei mit euch!

Willkommen zu einer neuen Folge unserer Sendung: "Ein Aufruf zum friedlichen Miteinander"!

Koexistenz bedeutet, wie wir schon sagten, nicht das Aufgeben deiner eigenen Identität. Im Gegenteil! Wir möchten unsere Religion und unsere Geschichte bewahren. Lasst uns die heutige Folge mit einem Ausspruch des Propheten (s[1]) beginnen: „Wahrlich Muslime sind Geschwister.“ Sie alle helfen einander und besonders den Bedürftigen. Muslime bilden eine Umma, eine einheitliche Nation! Ein wunderschönes Bild, das leider mit der gegenwärtigen Wirklichkeit nicht ganz übereinstimmt.

 

Die heutige Episode behandelt vier Punkte oder Grundregeln der Koexistenz. Ich empfehle, diese zu beachten, wenn man mit jemandem uneinig ist.

 

Wie soll man am besten vorgehen, wenn man zum Beispiel mit dem Ehemann oder der Ehefrau, den Kindern, dem Chef, den Nachbarn, Verwandten, Freunden, oder den Eltern uneinig ist?

 

Wie soll man vorgehen, wenn man mit Anhängern anderer Rechtsschulen oder Glaubensrichtungen uneinig ist?

 

·        Die erste Grundregel besagt, dass Unterschiede eine allgemeine Tatsache darstellen, die respektiert werden soll. Man soll also akzeptieren, dass Unterschiedlichkeit ein Teil unseres Bestehens ist.

·        Die zweite Grundregel besagt, dass wir uns durch diese Unterschiedlichkeit gegenseitig ergänzen. Es ist also ein Vorteil und kein Nachteil, „anders“ zu sein! Wir sollen dies als eine Bereicherung betrachten.

·        Die dritte Grundregel ist, dass ein ruhiger und ehrlicher Dialog im Augenblick des Konflikts dir hilft, die Wahrheit aus anderen Perspektiven zu sehen, um andere Aspekte und Paradigmen berücksichtigen zu können.

·        Die vierte und letzte Grundregel ist, dass du im Augenblick des Konflikts die korrekte Vorgehensweise eines Dialogs nie vergessen darfst.

 

Das sind meiner Meinung nach die vier Grundregeln, die als eine Grundlage für ein friedliches Miteinander gelten.

 

Nun ein Beispiel für die erste Grundregel:

 

Als der Prophet (s) und seine Gefährten von der Schlacht des Grabens zurückkamen, waren die Gefährten erschöpft und wollten ruhen. Da rief der Prophet auf, dass jeder, der an Allah glaubt, das Nachmittaggebet in der Ortschaft der Bani Quraydha beten soll. Die Gefährten wussten nicht genau was zu tun war. Einige sagten, dass sie das Gebet nicht in Medina verrichten, sondern warten sollen bis sie die Ortschaft erreichten. Andere sagten, dass der Prophet nur meinte, dass sie sich beeilen müssen, aber das Gebet schon in Medina pünktlich verrichten sollen. Als der Prophet (s) später gefragt wurde welche Meinung die richtige war, sagte er, dass beide Recht hatten.

Meine Frage an euch: Der Prophet (s) hat bestimmt nur eine dieser beiden Ansichten gemeint, als er dazu aufrief, oder? Jedoch wies seine Antwort darauf, dass Unterschiede in solchen Fällen akzeptabel sind, denn sie sind ein Teil der menschlichen Natur und verstoßen nicht gegen die Religion.

 

Ich möchte folgendes als Beispiel für die zweite Grundregel anführen:

Die zweite Grundregel besagt, dass Verschiedenheit eine Bereicherung bedeutet. Ich möchte hier das Beispiel von Abu-Bakr und Umar (r[2]) anführen. Der Prophet (s) sagte, dass Allah einige Männer geschaffen hat, deren Herzen weich sind, wie Abu-Bakr und andere geschaffen hat, die stärker sind als Eisen, wie Umar. Beide ergänzen sich und der Islam braucht beide!

Ich möchte folgendes als Beispiel für die dritte Grundregel anführen:

 

Die dritte Grundregel besagt, dass ein ruhiger und ehrlicher Dialog uns hilft, die Wahrheit aus allen Perspektiven zu sehen.

 

Dazu eine lustige Geschichte, die einige vielleicht kennen:

Eine Gruppe von Blinden hielt einen Elefanten fest. Jeder versuchte „aus seiner Sicht“, den Elefanten zu beschreiben. Einer von ihnen sagte, dass der Elefant wie ein Stamm aussah. Der zweite sagte, er habe einen scharfen Elfenbeinzahn. Der dritte sagte, dass er aussah wie ein Zylinder – er hielt wahrscheinlich an dem Bein fest. Der vierte sagte: „Das stimmt alles nicht. Ihr seid blind. Er hat riesige Ohren.“ Ein Elefant ist in der Tat all dies zusammen, oder? Also hatten ALLE Recht!

 

Ich möchte folgendes als Beispiel für die vierte Grundregel anführen:

 

Die vierte Grundregel besagt, dass du die Vorzüge des guten Charakters nie vergessen darfst, wenn du mit jemandem anderer Meinung bist. Während der Diskussion bewahre die Ruhe und achte auf das, was du sagst!

 

Heute werden wir uns mit dem berühmten Treffen zwischen den beiden großen Imamen, Imam Malik und Imam Abu-Hanifa, beschäftigen. Wie sind beide trotz unterschiedlicher Meinungen mit einander umgegangen?

 

Bevor sich Malik mit Abu-Hanifa traf, sagte er: „Gebt Acht vor den Anhängern der "Schule der Überlegungen" (arab. Madrasat ar-Ra’i)“ und meinte natürlich Abu-Hanifas Schule im Irak. Es hatte eine Menge Gespräche und Briefwechsel gegeben, aber sie trafen sich nur auf der Pilgerfahrt (arab. Hadsch).

Als sie sich schließlich trafen, beschlossen sie, drei Punkte anzusprechen, in denen sie sich uneinig waren:

I. Das erste Thema handelte sich darum, ob man sich im Islam mit "hypothetischen Rechtsfragen" auseinander setzen darf.

Nach Imam Malik soll man nicht nach Sachen fragen, die noch nicht geschehen sind, da diese Fragen Leute von bereits vorhandenen Problemen ablenken und nur zu Kontroversen führen. Imam Malik belegte seine Ansicht mit einigen Versen aus dem Koran und mit einem Hadith. Ein Vers war zum Beispiel: "Sie fragen dich nach den Neumonden. Sprich: ""Sie sind festgesetzte Zeiten für die Menschen und den Hadsch."" Und es ist keine Frömmigkeit, wenn ihr Häuser von der Rückseite betretet. Frömmigkeit ist vielmehr, (Allah) zu fürchten. So geht in die Häuser durch ihre Türen hinein und fürchtet Allah. Vielleicht werdet ihr erfolgreich sein.“ (2:189)

Ein weiterer Beweis war, dass Umar Ibn al-Chattab (r) zu einem Mann sagte, der nach Situationen gefragt hatte, die noch nicht geschehen waren: „Halte uns nicht mit Sachen auf, die nicht geschehen sind. Wir beschäftigen uns lieber mit Tatsachen.“

 

Als einige Leute Imam Malik aufsuchten, um ihm hypothetische Fragen zu stellen, ärgerte er sich darüber und forderte sie auf, davon abzulassen. Sie kamen normalerweise aus dem Irak, wo Imam Abu-Hanifa sich mit hypothetischen Rechtsfragen beschäftigte.

 

Was Imam Abu-Hanifa betraf, so war es sein Ziel, islamische Lösungen für Situationen zu finden, die noch nicht geschehen waren. Er erfand 60.000 solcher Rechtsfälle. Während des Treffens erläuterte Imam Abu-Hanifa, dass die Umstände im Irak sich sehr von denen in Medina unterschieden. Der Irak war damals die Hauptstadt des islamischen Reiches und täglich gab es neue Sachen, die eingeführt wurden. Da mussten die islamischen Gelehrten darauf vorbereitet sein. In Medina dagegen waren die Probleme örtlich festgelegt und begrenzt.

Dazu führte Imam Abu-Hanifa folgendes Beispiel, das er mit seinen Studenten besprach: Ein Ehemann verreist und beleibt so lange abwesend, dass seine Frau denkt, er sei tot. Folglich heiratet sie einen anderen Mann. Was wäre, wenn der erste Mann plötzlich wieder auftauchen sollte? Imam Malik wunderte sich warum sie solche Fragen erörtern sollten, wenn sie noch nicht geschehen waren. Abu-Hanifa sagte, dass es im Irak viele Soldaten gab und ein solcher Fall auftreten könnte. Sie sollten für eine solche Situation bereit sein. Imam Malik schwieg.

Imam Abu-Hanifa erinnerte Malik daran, als ein Mann zu dem Propheten (s) kam und ihn fragte: „Stell dir vor, einer will mein Geld rauben, was soll ich tun?“ Der Prophet (s) sagte: “Gib dein Geld nicht weg.” Der Mann fragte weiter: “Und wenn er mich angreifen sollte?” Der Prophet (s) sagte: „Dann verteidige dich.” Der Mann fragte wieder: “Und wenn er mich tötet?” Der Prophet (s) sagte: Dann stirbst du als Märtyrer. Der Mann fragte weiter: “Und wenn ich ihn töten sollte?” Der Prophet (s) sagte, dass der Angreifer mit der Hölle bestraft würde. 

Abu-Hanifa erläuterte, dass der Prophet (s) viermal nach einer hypothetischen Situation gefragt wurde und jedes Mal eine Antwort gab. Als Malik sagte, dass dies einen Zweck hatte, antwortete Abu-Hanifa: „Im Irak tun wir das auch zu einem bestimmten Zweck.“ Da sagte Al-Layth Ibn-Sa'ad, der damalige Großimam von Ägypten, der bei dem Treffen anwesend war: „Ruhm sei Allah! Bei Allah ihr beide bereichert den Islam. Imam Malik hält die Menschen von trivialen Fragen fern, um sie zu schützen und Imam Abu-Hanifa sucht nach Antworten auf zukünftige Fragen, ebenfalls um sie zu schützen. Genau das war die Vorgehensweise des Propheten (s): Er verbot, nach Sachen zu fragen, die hypothetisch und unwichtig waren, aber er beantwortete Fragen, die in Zukunft von Nutzen sein könnten.“

 

Beide Imame gelangten zu dem Ergebnis, dass jeder von ihnen seine Methode fortführen sollte, denn beide Ansichten waren richtig und wurden zugunsten des Islam eingesetzt.

Die vier zuvor erwähnten Grundregeln für das friedliche Miteinander sind zweifellos in dieser Diskussion zu finden:

·        Ihre Meinungsverschiedenheit ist nachvollziehbar: Die Umstände im Irak sind anders als die in Medina.

·        Ihre Meinungsverschiedenheit bereichert den Islam.

·        Der ruhige und ehrliche Dialog hilft dazu, die verschiedenen Ansichten zu erläutern.

·        Unterdessen war das Gespräch zwischen den beiden damaligen Großgelehrten zivilisiert und höflich - einfach vorbildlich!

Was haltet ihr davon, wenn wir auf diese brüderliche Art miteinander umgehen würden?!

Die Themen, die die beiden Imame besprachen, waren nicht unbedeutend. Heutzutage vernachlässigen einige Leute die für die Einheit der Muslime wichtigen Themen und diskutieren triviale, unwichtige Angelegenheiten. Beide Imame waren sich damals in Kernfragen uneinig, aber es gab Liebe, Verständnis und Respekt zwischen ihnen.

II. Beim zweiten Thema befassten sich beide Imame mit der rechtswissenschaftlichen Vorgehensweise im Falle von Uneinigkeit:

Wenn die Gelehrten eine bestimmte rechtswissenschaftliche Frage beantworten wollen, suchen sie zuerst im Koran. Wenn da keine Lösung zu finden ist, dann suchen sie in der Sunna (Lebensweise und Überlieferungen des Propheten (s)). Wenn auch da keine Lösung zu finden ist, dann suchen sie in den Rechtsgutachten und Meinungen, die von Koran und Sunna abgeleitet und über die sich die meisten islamischen Gelehrten einig sind.

 

Imam Malik war der Ansicht, dass man sich an die Übereinstimmung der Gelehrten in Medina halten musste, weil der Prophet (s), seine Gefährten (r) und seine Frauen dort lebten und starben und somit alle seine Tätigkeiten

sahen und alle seine Handlungen bezeugten. Es waren ungefähr 10.000 Gefährten. Maliks bekannter Spruch vor dem Treffen mit Abu Hanifa lautete nämlich:„Das Wissen ist in Medina zu finden. Der Koran wurde hier offenbart und nicht am Euphrat (also nicht im Irak, wo Abu Hanifa seine Schule gegründet hatte).

 

Imam Abu Hanifa war 13 Jahre älter als Imam Malik, dennoch respektierte er ihn. Er antwortete: „Malik, wie du weißt, sandte Umar Ibn al-Chattab viele Gefährten (r) fast zu allen Ländern der Welt. Du sagst, dass es in Medina 10.000 Gefährten gab. Als der Prophet (s) gestorben ist, gab es jedoch ungefähr 120.000 Gefährten. Wo ist also der Rest geblieben? Du kannst nicht leugnen, dass Umar Ibn al-Chattab viele der besten Gefährten zu den verschiedenen Ländern sandte, um die Menschen dort zu unterrichten.“

 

Abu Hanifa zählte einige Gefährten auf, wie Muaz Ibn Dschabal, den der Prophet (s) als den kenntnisreichsten beschrieben hatte, und ihn deshalb nach Jemen schickte, Abdullah Ibn Massud, der den Koran hervorragend rezitierte, Abu Dharr, Az-Zubeir Ibn al-Awwam und Sa'ad Ibn Abi Waqqas in Ägypten, Hudhayfa Ibn al-Yaman und Ali Ibn Abi Talib im Irak, Abu Ubayda Ibn al-Dscharrah, Bilal und Abu al-Dardaa in Syrien.

 

Dann zitierte er den Propheten (s), der sinngemäß sagte: „Meine Gefährten sind wie Sterne. Ihr werdet rechtgeleitet, wem auch immer ihr folgt.“ Imam Abu Hanifa fuhr fort: „Die Genialität von Umar Ibn al-Chattab besteht darin, dass er die Gefährten in die ganze Welt geschickt hat. Nur einige sind in Medina geblieben, so dass ein Gleichgewicht herrschte dem Islam und dieser Umma zuliebe.“

 

Da meinte Al-Layth Ibn-Sa'ad: „Bei Allah, dies ist eine weitere Bereicherung für die islamische Ummah.“

 

Wenn du eine bestimmte Sache aus einer anderen Perspektive betrachtest, kannst du auch andere Gesichtspunkte verstehen. Dies ist ein Vorteil von Unterschiedlichkeit. Sie hilft dir, die Wahrheit von allen ihren Aspekten zu sehen. Wenn alle Leute gleich denken würden, würden sie nur eine Seite der Wahrheit sehen, aber Allah (t[3]), Der Wahrhaftige, hat uns so erschaffen, damit wir uns ergänzen.

 

III. Das dritte Thema, welches in diesem Treffen behandelt wurde, war die "Schule der Überlegungen" (arab. Madrasat ar-Ra’i) und der Hadith:

 

Imam Abu-Hanifa erweiterte die Erklärung der Hadithe (Überlieferungen des Propheten (s)), so, dass er 100 Lektionen oder Anwendungen aus einem einzigen Hadith lehren konnte. Imam Malik sah darin eine „Überinterpretation“ des Hadith, die der Prophet (s) ablehnen würde.

 

Imam Abu-Hanifa antwortete, dass Muslime im Irak von verschiedenen Ideologien und Wissenschaften wie z.B. die griechische, römische und persische Kultur überschüttet wurden. Seine Aufgabe bestand darin, die Leute auf dem Weg des Propheten (s) zu führen, indem er in Koran und Sunna nach Lösungen auch für aktuelle Probleme sucht und damit klarstellt, dass der Islam eine weltweite Botschaft ist und dass der Prophet (s) als Barmherzigkeit für die Welt gesandt wurde. In Medina dagegen gab es nur die Gefährten und ihre Nachfolger, so dass es dort keine Notwendigkeit bestand, die Interpretation der Hadithe auszuweiten.

 

Da meinte Al-Layth Ibn-Sa'ad, der Großimam von Ägypten: „Auch dies ist eine Bereicherung für den Islam“.

 

Beide Imame ergänzen einander!

Beide haben nur die Wahrung des Islam zum Ziel und ihr Wissen ist eine Bereicherung für die islamische Umma.

 

Nun, liebe Zuschauer, was meint ihr?

 

Lieber Bruder, wie wär’s, wenn du deine Probleme ruhig und ehrlich mit deiner Frau besprechen würdest? Oder du, liebe Schwester, mit deinem Ehemann versuchst, eure Probleme zu lösen? Wie wär’s, wenn man im Irak, Darfur, Libanon wieder friedlich miteinander lebt? Wie wär’s, wenn man überall auf der Welt versuchen würde, den Anderen zuzuhören?!

 

Nachdem beide Imame die Diskussion beendet hatten, wollte Al-Layth Ibn Sa'ad den Eindruck der beiden Gelehrten erfahren. Er war ein ägyptischer Imam, dessen Rechtsschule genauso ausgezeichnet war wie die anderen, aber er seine Studenten haben sein Wissen nicht verbreitet.

 

Al-Layth Ibn Sa’ad ging zu Imam Malik und fragte ihn über Imam Abu Hanifa. Malik sagte: „Bei Allah, Abu Hanifa hat mich ins Schwitzen gebracht. Ich habe noch keinen gesehen, der so argumentieren kann. Bei Allah, wenn er dir sagen würde, dieser Pfeiler sei aus Gold, er wäre in der Lage, dich davon zu überzeugen.“

 

Danach ging Al-Layth zu Imam Abu Hanifa, der meinte: „Ich habe mit Hunderten diskutiert, aber noch keinen gesehen, der die Wahrheit so schnell akzeptiert wie Malik.“

 

Wir sollen die kommenden Generationen dieses Verhalten lehren. Das ist für jeden wichtig: für Journalisten, Politiker, Gelehrten, Ehemänner, Ehefrauen, Eltern und Kinder – einfach für uns alle!

 

Was ist danach passiert?

Abu Hanifa schickte seinen Sohn, Hamaad, nach Medina, um die Rechtswissenschaft in Maliks Schule zu erlernen und sein Buch, Al-Muwatta’, zu studieren. Und Malik? Er besorgte alle Bücher von Abu Hanifa, um davon zu profitieren.

Außerdem hielt Muhammad Ibnul Hassan, einer der besten Studenten von Abu Hanifa, einen Vortrag im Irak, in dem er Maliks Rechtsschule vorstellte.

Danach sandte Imam Abu Hanifa Malik einen Brief und fragte ihn nach seiner Meinung, bevor er ein Rechtsgutachten öffentlich äußerte. Abu Hanifa war davon überzeugt, dass eine Person, die gesündigt hat, nicht als ungläubig bezeichnet werden darf. Malik stimmte ihm zu, und so verkündete Abu Hanifa diese Meinung öffentlich.

Das berühmte Treffen beider Imame auf der Pilgerfahrt so wie der Briefwechsel förderte ihre Zusammenarbeit.

Folgendes Ereignis noch zum Schluss:

Der Kalif, Al-Mannsur, besuchte einmal Imam Malik und bot ihm an, alle Rechtsschulen außer seiner zu verbieten. Er bot ihm auch an, sein Buch mit Goldtinktur schreiben zu lassen und in der Kaaba aufzubewahren. Imam Malik, der früher andere Meinungen abgelehnt hatte und nur die der Gelehrten in Medina für gültig erklärte, lehnte nun dieses Angebot ab. Er sagte, dass die Gefährten des Propheten (s) überall auf der Welt waren und das Abschaffen anderer Rechtsschulen nicht richtig war. Dies waren die Worte von Abu Hanifa und Malik scheute sich nicht, sie zu wiederholen. Denn er war nun davon fest überzeugt!

Wir lernen von beiden Imamen eine großartige Verhaltensweise, Moral im Umgang mit Andersgesinnten und das Erstreben nach der Wahrheit.

Heute haben wir diese wertvolle Lektion von Imam Malik und Imam Abu Hanifa gelernt. Ich bin stolz, dass es solche großartigen Männer in der islamischen Nation gab.

Bitte vergesst nicht die vier Grundregeln des friedlichen Miteinanders, die wir in der heutigen Folge diskutiert haben, und versucht bitte, sie in eurem täglichen Leben anzuwenden.

Über Feedback würden wir uns sehr freuen (www.amrkhaled.net).

Friede sei mit euch!


[1] salla-l-lahu 'alaihi wa sallam: Allah segne ihn und schenke ihm Heil. Segensformel, die nach koranischer Aufforderung (vgl. 33:56) bei der Erwähnung des Propheten Muhammad gesprochen werden soll. Nach islamischer Tradition wird dies vor allem regelmäßig bei der Erwähnung des Propheten getan.

[2] radya Allahu ’anhu/’anha: Allahs Wohlgefallen auf ihm/ihr. Wird der Erwähnung der Namen der Gefährten, Nachfolger des Propheten (s) und der Mütter der Gläubigen beigefügt.

[3] ta'ala: erhaben. Wird der Erwähnung Allahs beigefügt: Allah, der Erhabene.

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