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Übersetzung der
Zusammenfassung der neuen Vortragsreihe von Amr Khaled:
"In Deinem
Namen leben wir"
Siebte Folge:
Allahs Name "Ar-Raqib“, der Wächter
Im Namen Allahs,
des Allerbarmers, des Barmherzigen, Lob sei Allah, dem Herrn der Welten. Allah
segne und schenke dem Propheten und seinen Gefährten Heil.
Friede sei mit
euch!
Die heutige Folge
ist über Allahs Name „Der Wächter“, welcher drei Mal im Koran erwähnt wird,
dessen Bedeutung aber im gesamten Koran zu finden ist. Wir werden die folgenden
Punkte behandeln:
·
Ziel der heutigen
Folge
·
Bedeutung des
Namens „Der Wächter“
·
Die Arten der
Überwachung
Das Ziel
der heutigen Folge ist es, im Sinne dieses Namens zu leben. Allah wacht
über uns zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort. Er sieht alles, was wir offen tun
und auch was wir verbergen. Er wacht über alle unsere Taten, sowohl die guten
als auch die schlechten. Wir finden diese Aussage im Koran: [Und
Er ist mit euch, wo immer ihr (auch) sein möget. Und Allah sieht alles, was ihr
tut]
(57:4). Wenn wir uns dieser Eigenschaft Allahs bewusst sind, sollten wir uns
dann nicht entsprechend verhalten, wenn wir Seine Zufriedenheit erlangen wollen?
Er wacht über uns bei jedem Schritt, den wir tun: wenn wir essen, trinken,
lachen und selbst wenn wir schlafen. Wir alle wissen, dass Allah imstande dazu
ist, aber wir leben nicht in diesem Sinne. Unser heutiges Ziel ist, uns diese
Eigenschaft Gottes so zu verinnerlichen, dass wir immer in diesem Sinne leben.
Habt ihr schon
mal einen Eisberg gesehen? Man kann nur die 20% eines Eisbergs sehen, die über
Wasser sind, während die 80% unter Wasser unsichtbar sind. Viele Menschen
konzentrieren sich auf die für alle sichtbaren 20%, sprich auf das Äußere, und
vernachlässigen die restlichen 80%. Sie vergessen dabei, dass Gott alles sieht,
nicht nur die 20%. Wenn wir uns diese Bedeutung verinnerlichen, so werden wir
gewiss auch auf das Innere achten und nicht nur auf die 20%. Wenn ich einen
Fehler begehe, so weiß ich, dass Gott mich sieht und wenn ich eine gute Tat
vollbringe, so freue ich mich, weil ich weiß, dass Gott mich ebenfalls sieht.
Die Bedeutung von
Allahs Namen „Der Wächter“:
Die Bedeutung
dieses Namens lässt sich am Besten anhand von Beispielen erklären. Dazu die
folgende Geschichte:
Eines Tages traf
Umar Ibn al-Chattab (r)
einen Hirten und wollte ihn prüfen. Er sagte ihm: „Ich möchte eins deiner Schafe
kaufen.“ Der junge Hirte antwortete: „Sie gehören nicht mir, sondern meinem
Herrn.“ Da sagte Umar (r): „Sag deinem Herrn einfach, der Wolf hätte es
gefressen.“ Da antwortete ihm der junge, einfache und ungebildete Hirte: „Allah
ist der Größte. Was sage ich Ihm?“ Bei dieser Antwort weinte Umar (r) und sagte:
„Wahrlich du hast Recht, was sage ich Ihm?“
Ich gebe diese
Frage weiter an alle diejenigen , die z.B. in ihrem Handel betrügen. „Was werdet
ihr Ihm sagen?“.
Der Hirte hat den
Grundsatz des Islam in diesem einen Satz zusammengefasst.
Eine weitere
Erzählung, die uns diese Bedeutung verdeutlicht, ist die Geschichte der
Milchverkäuferin. Während Umar(r) am Abend durch die Straßen ging, um die
Zustände der Stadt und der Menschen zu kontrollieren, hörte er die
Milchverkäuferin zu ihrer Tochter sagen: „Meine Tochter, vermisch die Milch mit
Wasser.“ Die Tochter meinte: „Mutter, weißt du nicht, dass Umar dies verboten
hat?“ Da entgegnete die Mutter: „Umar sieht uns jetzt nicht.“ Das Mädchen
antwortete: „Wenn Umar uns nicht sieht, so sieht uns sein Gott.“ Als Umar Ibn
al-Chattab (r) diese Antwort hörte, machte er ein Zeichen an diesem Haus. Er
ging zu seinen Söhnen und sagte ihnen: „In diesem Haus wohnt eine junge Frau.
Wer von euch möchte sie heiraten? Wenn keiner von euch sie zur Frau nimmt, so
werde ich sie heiraten.“
Schließlich
heiratete sie Asim Ibn Umar. Der Sohn von Amir al-Mu’minin, dem Führer der
damaligen Muslime, heiratete eine Milchverkäuferin, nur weil sie Allah, den
Wächter, geachtet und gefürchtet hat! Eine weitere Belohnung für diese
gottesfürchtige Frau war, dass Umar Ibn Abd al-Aziz, bekannt als „der fünfte
rechtgeleitete Führer der Gläubigen“, von ihr abstammte.
Die dritte
Erzählung handelt von einem jungen Mann zur Zeit der Tataren. Er wollte
anständig sein, schaffte es aber nicht immer, standhaft zu bleiben. Er ging zu
einem Gelehrten und sagte ihm: „Ich habe den Hadith des Propheten (s)
gehört, man soll an Allah glauben und auf dem rechten Weg bleiben. Ich weiß aber
nicht, wie ich dies verwirklichen soll. Der Gelehrte gab ihm eine praktische
Anweisung und sagte: „Wenn du ins Bett gehst, dann sag: Allah sieht mich, Allah
beobachtet mich, Allah wacht über mich. Wiederhole das bis du einschläfst. Und
wenn du aufstehst, so wiederhole es bis du das Haus verlässt. Wiederhole es im
Laufe des Tages so oft du kannst und komme in einem Jahr wieder.“ Der junge Mann
hielt sich daran und wiederholte diese Worte ständig, aber er kehrte nicht zum
Gelehrten zurück. Er wiederholte diese Worte , als er kurz davor war, eine Sünde
zu begehen und unterließ es. Er wiederholte sie auch, als er eine gute Tat
vollbrachte und so veränderte er sich von Tag zu Tag und näherte sich Gott.
Eines Tages ging er zum Militär, wo er einen hohen Rang erreichte. Dann hatte er
einen Traum: Er hatte sich in der Wüste verlaufen und sich weinend auf einen
Stein gesetzt. Da kam eine Gruppe von Reitern, an deren Front ein schön
aussehender Mann war. Als er ihn weinen sah, stieg er ab und zog ihn hoch. Er
sagte ihm: „Steh auf Mahmud, dies ist dein Weg nach Ägypten, wo du die Tataren
besiegen wirst.“ Als er aufwachte, ging er zu einem Gelehrten, der ihm den Traum
als ein frohes Ereignis deutete. Dieser junge Mann war Qutuz. Und der Traum
verwirklichte sich tatsächlich. Er besiegte die Tataren in Ägypten und befreite
damit die gesamte islamische Welt von ihnen. Dies alles fing damit an, dass er
zu sich sagte: Allah sieht mich, Allah beobachtet mich, Allah wacht über mich.
Allah, der
Wächter, weiß wohin deine Augen blicken, Er weiß was in deinem Inneren vorgeht
und Er kennt alle deine Bewegungen. Allah sagt:
[Er kennt die
Verräterei der Blicke und alles, was die Herzen verbergen]
(40:19). Er sagt auch: [Und
ob ihr euer Wort verbergt oder es offen verkündet, Er kennt die innersten
Gedanken der Herzen. Kennt Er den denn nicht, den Er erschaffen hat? Und Er ist
der Nachsichtige, der Allkundige] (67:13-14).
Es gibt noch
viele weitere Verse im Koran, die den Namen Allahs der Wächter aufzeigen. Es ist
aber jetzt schon bereits deutlich zu erkennen, dass wir kein Geheimnis vor Ihm
haben können. Du kannst 1000 von Geheimnissen vor deiner Frau haben und ebenso
vor deinem Chef, aber Allah kennt alle deine Geheimnisse.
Wenn wir alle in
diesem Sinne Leben würden, dass Allah unser Wächter ist, und unsere Kinder in
diesem Sinne erziehen würden, so würde sich unsere Gesellschaft zum Besseren
verändern. In diesem Namen zu leben wäre besser als Tausende von Polizisten und
Tausende von Überwachungskameras einzusetzen.
Was würde
passieren, wenn wir uns alle entscheiden in diesem Namen zu leben?! Alle: Das
heißt Väter, Mütter, Regierende, Verantwortliche, Lehrer, Dozenten, Ärzte,
Ingenieure, Studenten, Arbeiter und alle, die für Massenmedien zuständig sind.
Könnt ihr euch unsere Gesellschaft vorstellen, wenn wir alle diesen Namen Allahs
(der Wächter) zu unserem Lebensziel machen würden??
Ich habe noch
eine weitere Erzählung, die in vielen Büchern geschrieben steht. Das ist die
Geschichte eines Mannes, der um viel Geld betrogen wurde. Er ertrug diesen
Schock nicht und erkrankte stark. Er rief seinen ältesten Sohn zu sich und sagte
ihm: „Wenn ich sterbe, so gehe mit meinem Sarg am Geschäft vom soundso vorbei,
der mich betrogen hat und gib ihm diesen Brief. Lies ihn laut vor.“ Wenige Tage
später starb der Mann und sein Sohn tat, was der Vater ihm aufgetragen hatte. Er
ging zum Geschäft des Betrügers und sagte ihm: „Der Verstorbene schickt dir
diese Nachricht. Er schrieb sie bevor er starb.“ Er öffnete den Brief und las:
„Ich bin zu Allah gegangen und Er weiß, was du mir angetan hast, denn Er sieht
mich und Er sieht dich. Und bald wirst du mir folgen und am Tag der Auferstehung
werde ich mein Recht von dir wiederbekommen.“
Der Wächter sieht
nicht nur die schlechten Taten. Er sieht auch die guten Taten und auch die guten
Gedanken, die du manchmal hast und niemandem erzählst. Er sieht also das Gute
und das Schlechte.
Erinnert ihr euch
an die Geschichte vom Propheten Yunus (a.s.), als er vom Wal verschlungen wurde?
In der Dunkelheit des Wales, des Meeres und der Nacht dachte er an Gott.
[Doch dann
rief er in der dichten Finsternis: "Es ist kein Gott außer Dir. Gepriesen seist
Du! Ich bin wahrlich einer der Ungerechten gewesen.“]
(21:87).
Was würdest du an
seiner Stelle tun? Stell dir vor du bist in einem Schrank eingesperrt, in einem
verschlossenen Zimmer, in einer verschlossenen Wohnung. Würdest du gleich in
Panik geraten oder würdest du dich an Gott erinnern und dich Ihm zuwenden.
Die Arten des
Überwachens:
Es gibt drei
Arten der Überwachung:
·
Die erste
ist, dass Allah selbst über uns wacht. Im Koran steht [...
Allah wacht über
euch]
(4:1).
·
Die zweite
ist, dass die Engel, alles niederschreiben. Im Koran steht [Spricht
er kein Wort aus, ohne dass neben ihm ein Aufpasser wäre, der stets bereit (ist,
es aufzuzeichnen)]
(50:18). Allah hat die Engel zu unserer rechten und linken Seite befohlen, alles
aufzuschreiben, was wir sagen und tun.
Zur
Verdeutlichung erzähle ich wieder eine kurze Geschichte:
Ein junger Mann
ging zu einem Gelehrten, um von ihm die Erlaubnis zu bekommen, Sünden zu
begehen. Der Gelehrte überlegte kurz und sagte dann: „Wenn du sündigen willst,
dann musst du vier Bedingungen erfüllen.“ Der junge Mann fragte: „Was sind sie?“
Der Gelehrte
antwortete: „Erstens musst du an einem Platz sündigen, der nicht Allah gehört.“
Da erwiderte der junge Mann: „Wohin kann ich gehen, wo doch die ganze Welt Ihm
gehört.“ Der Gelehrte sagte: „Schämst du dich nicht auf seinem Besitz zu
sündigen?“ Da fragte der junge Mann: „Und was ist die zweite Bedingung?“ Der
Gelehrte antwortete: „Wenn du darauf bestehst zu sündigen, so suche dir einen
Ort aus, an dem Er dich nicht sehen kann.“ Der junge Mann fragte: „Und wohin
kann ich gehen? Er sieht doch alles.“ Da erwiderte der Gelehrte: „Schämst du
dich nicht zu sündigen, während Er dich sieht?“ „Und was ist die dritte
Bedingung?“, fragte der junge Mann. Der Gelehrte sagte: „Wenn du immer noch
darauf bestehst zu sündigen, so ernähre dich nicht von Seinen Gaben.“ Da fragte
der junge Mann: „Und wovon soll ich mich sonst ernähren, wo doch alle Gaben von
Ihm kommen? Was ist die vierte Bedingung?“ Der Gelehrte sagte: „Wenn du trotz
allem immer noch sündigen willst, so bitte die Engel zu deiner Rechten und zu
deiner Linken kurz wegzugehen, bis du gesündigt hast und dann wieder zu kommen.“
Da sagte der junge Mann zum Gelehrten, „Willst du mich zum Narren halten?“ Der
Gelehrte antwortete ruhig: „Du bist es der sich selbst zum Narren macht.“
·
Drittens:
das Gewissen!
Allah hat in uns
ein sehr empfindliches Alarmsystem geschaffen. Wenn du eine Sünde begehst, so
errötest du vor Scham und fühlst dich unwohl. Wenn du aber eine gute Tat
begehst, so strahlt dein Gesicht vor Freude. Dieses Überwachungssystem –das
Gewissen- ist ständig aktiv. Es registriert sowohl die schlechten als auch die
guten Taten. Und es ist besser als jedes andere menschliche Überwachungssystem.
Nur verkennen viele Menschen seine Funktion. Am Tage des jüngsten Gerichts
werden unsere eigenen Körperteile aussagen – für oder gegen uns – und wir werden
nichts erwidern können. Sie werden jede Kleinigkeit verraten. Jedes ironische
Augenzwinkern und jede spöttische Aussage, aber ebenso jedes Gebet und jede gute
Tat. [Heute versiegeln Wir ihre Münder, jedoch ihre Hände werden zu Uns
sprechen, und ihre Füße werden all das bezeugen, was sie erworben haben. ]
(36:65).
Mein Ziel ist es
jetzt nicht, dass wir den Wächter mit Angst betrachten. Vielmehr geht es mir um
die positiven Ergebnisse, die wir erreichen, wenn wir uns von der Sünde
fernhalten, und um die Belohnung, die wir am Tag der Rechenschaftablegung
erhalten, wenn wir Ihn folgen. Wir sollten also heute beginnen im Sinne dieses
Namens zu leben. Wenn wir jetzt beginnen unser Leben nach „dem Wächter“ zu
richten, so werden wir am Ende dieses Monats sicher ein neues und besseres
Verhältnis zu Allah erreichen.
Wir sollten auch
bedenken, dass der Wächter uns auf eine sanfte Weise beobachtet. Eine normale
Überwachung wäre für die meisten Menschen sehr unangenehm. Aber Allah, der
Wächter, ist mit dir an jedem Ort, ohne dass Seine Wache unangenehm wäre. Eine
Gnade von Ihm ist es auch, dass du die Engel zu deiner Linken und Rechten nicht
sehen kannst. Du würdest sonst kein ruhiges Leben führen können. Und bedenke
immer, es geht nicht darum deine Sünden aufzuzeichnen. Vielmehr geht es darum
deine guten Taten zu registrieren, um dich dafür mit einer höheren Stufe im
Paradies zu belohnen.
salla-l-lahu
'alaihi wa sallam:
Allah segne ihn und schenke ihm Heil. Segensformel, die nach koranischer
Aufforderung (vgl. 33:56) bei der Erwähnung des Propheten Muhammad
gesprochen werden soll. Nach islamischer Tradition wird dies vor allem
regelmäßig bei der Erwähnung des Propheten getan.
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