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Übersetzung der Zusammenfassung der neuen Vortragsreihe von Amr Khaled: "In Deinem Namen leben wir"
Vierte Folge: Allahs Name „Al-Tawab“, Der die Reue Annehmende
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Lob sei Allah, dem Herrn der Welten. Allah segne den Propheten und schenke ihm Heil.
Einige Jugendliche sagten mir, dass sie auf Grund der täglichen Erläuterungen der Gottesnamen befürchteten, die Erklärungen aus vorhergehenden Sendungen zu vergessen.
Durch diese Namen sollst du Gott kennen lernen. Auch wenn du die Erläuterungen vergessen solltest, so hast du aber ein Denkmuster kennen gelernt, das dich Gott erkennen lasst.
Göttliche Einladung
Der heutige Name ist eine göttliche Einladung, welche die Hoffnung in deinem Leben erneuert. Diese göttliche Einladung ist für alle Menschen.
Der heutige Gottesname ist Al-Tawab („der die Reue Annehmende“). Beginne jetzt zu Anfang des Ramadans mit der Reue, damit Gott dir verzeiht und sich deiner annimmt.
Bedeutung des Gottesnamens: Al-Tawab
Das Wort „Reue“ bedeutet Rückkehr. Das bedeutet, wenn sich jemand Gott zuwendet lehnt Er ihn nicht ab. Das ist der Kern der heutigen Sendung.
Allah, der Gepriesene sagt: „Er ist es, Der die Reue von seinen Dienern annimmt…“ Sure. Al –Schuara, Vers 25
Dieser Vers ist sehr schön, denn es kann sein, dass du jemandem großes Unrecht zugefügt hast, dies bereust und ihn deshalb um Verzeihung bitten möchtest. Derjenige könnte dich jedoch abweisen. Oder ist es dir peinlich, dich bei ihm zu entschuldigen. Jedoch nimmt Allah jede Reue an, egal wie stark man gesündigt hat.
Für wen ist die Reue?
Wer wird mit dem Gottesnamen „Al Tawab angesprochen und wer wird zur Reue aufgefordert? Es sind nicht nur die Ungehorsamen, die Kriminellen, die Gott vernachlässigen, die Unentschlossenen zwischen Sünde und Frömmigkeit, sondern auch die Gläubigen. Alle sind wir angesprochen.
Im folgenden Vers heißt es: „Wendet euch alle reumütig Allah zu, ihr Gläubigen, auf dass es euch wohl ergehen möge“. Sure El Nur, Vers 31
Die Möglichkeit der Reue besteht auch für diejenigen, die große Sünden begangen haben, wie beispielsweise außerehelichen Geschlechtsverkehr.
Die Vers lautet: „Wer das tut, hat die Folge der Sünde zu erleiden. Die Strafe wird ihm am Tag der Auferstehung vervielfacht, und ewig wird er darin in Schmach bleiben, außer demjenigen, der bereut“ (Sure Al-Furqan, Vers 68-70).
Die Reue gilt auch für diejenigen, die ihre Eltern schlecht behandeln, für Leute, die sich bestechen lassen und für Menschen, die Alkohol trinken.
Auch diejenigen, die eines oder mehrere der täglichen Pflichtgebete ausgelassen haben, müssen dafür Reue tragen. Auch diejenigen, die das Frühgebet nicht verrichteten, müssen Gott um Verzeihung bitten.
Bereuen müssen auch Reiche und Millionäre, die keine Armenspende zu leisten bzw. Bedürftige nicht zu unterstützen pflegten.
Der Ehemann, der seine schwache Ehefrau beleidigt und schlecht behandelt, sich in Reue zu Allah wenden. Auch der Polizist, der Leute verletzt und beleidigt, sowie derjenige der Waisenkinder um ihr Geld bringt.
Alle diese Menschen müssen ihre Taten bedauern, Gott um Verzeihung bitten und diese Taten nicht mehr tun.
Besonders schwierig ist die Reue eines Menschen, der nachlässig mit Gott war und meinte, dass er alles richtig macht, sowie auch für einen gläubigen Jugendlichen, der nichts für Gott tut (der keine Armenspende bezahlt, keine Pilgerreise unternimmt, obwohl er dazu imstande wäre, keine Hilfsbereitschaft an den Tag legt etc.).
Auch diejenigen, denen Gott viel Segen schickt und die Ihm nicht dafür danken, sollen dies ändern und bereuen.
Sufian Al-Thawry, ein Gefährte des Propheten erzählte, dass er eines Tages seine Sünden gezählt hatte. Da kam er auf 21.000 Sünden. Er fragte sich, wie er Allah mit 21.000 Sünden begegnen könnte, während Gott ihn doch zu jeder einzelnen Sünde befragen wird. Dann begann er, jede einzelne Sünde aufzuzählen und dafür um Vergebung zu bitten. Als er für alle Sünden bereut hatte, fühlte er sich plötzlich wie neu geboren und war überglücklich.
Die Reue im Koran und in der Sunna
Vielen Suren und Hadithe des Propheten (s) sprechen von der Reue. In einigen Suren sagt Allah, dass es egal sei, wie viel Sünden man hat und dass man sich von Ihm abwendet hatte. Kehrt man zu Allah zurück und bereut für seine Sünden aufrichtig und mit ganzem Herzen, wendet sich Allah dir in Reue zu und verzeiht Dir.
Sogar wenn Allah die Gläubigen ruft, dann spricht Er sie mit: „Ihr Gläubigen“ und nicht mit „Ihr Sünder“ an. Allah geht mit allen Menschen sanft um, damit sie sich ihm in Reue zuwenden.
In anderen Versen ruft Allah die Gläubigen mit „Seine Diener“ an und gibt ihnen den Rat, dass sie jetzt gleich, solange sie noch auf der Erde schreiten, bereuen und sich Ihm zuwenden sollen, bevor sie der Tod ereilt und Er mit ihnen am Tag der Auferstehung abrechnet. Die Bestrafung ist dann sehr streng.
Allah betont in seinen Versen auch, dass er die Bereuenden und die Reinen liebt. Er sagt auch, dass diejenigen, die nicht bereuen, die Unrechttuenden sind. Der Prophet (s) sagt zu den Menschen sinngemäß: „Bittet Allah um Verzeihung. Sogar ich bitte Allah um Verzeihung und bereue 100 Mal am Tag.“
Sprich einmal zu Allah im Monat Ramadan: „O Allah, ich bereue für alle Sünden, die ich früher begangen habe und beginne mit Dir ein neues Leben.“ Das gilt auch für die Gläubigen, die Allah vernachlässigt haben. Denn die Reue ist die erste Station der vollständigen Hingabe gegenüber Allah. Die letzte Station ist der Beginn der Religiosität und das Ende der Existenz. Deshalb wurden das Leben des Propheten (s) durch die Sure. „Al-Tauba“ und die letzten Verse der Sure „Al-Nasr“, Vers 2, „Wenn Allahs Hilfe kommt und der Sieg….“ und Vers 4 „Dann lobpreise du deinen Herrn und bitte ihn um Vergebung…“, besiegelt.
Der Prophet (s) sagte sinngemäß: „Als Allah Himmel und Erde erschuf, hat Er auch ein Tor erschaffen, das stets geöffnet ist. Es ist das Tor der Reue.“ Dieses Tor ist größer als deine Sünden. Derjenige, der sündigt, soll die Gebetswaschung vollziehen, zwei Rak’a (Gebetseinheiten) beten vollziehen, und dann Allah um Verzeihung bitten. Dann vergibt Allah demjenigen – wenn Er will – sogleich seine Sünden. Gott liebt diejenigen, die ihn um Verzeihung bitten und er streckt des Nachts und auch des Tags seine Hände für die Bereuenden aus. Allah steigt jeden Tag im dritten Teil der Nacht bis zum Himmel der Welt hinab und ruft: „ Wer Mich um etwas bittet, den erhöre Ich, und wer Mich um Verzeihung bittet, dem verzeihe Ich.“
Wichtige Bedeutungen:
Der Prophet (s) sagte sinngemäß: „ Allah freut sich über die Reue seiner Unterwürfigen.“
Als Beispiel für die Freude Allahs berichtete der Prophet (s) von einem Mann, der sich mit seinem mit Proviant voll beladenem Kamel, in der Wüste befand, als sein Kamel plötzlich davonlief. Der Mann war sehr schwach, kraftlos und dem Tod nahe. Aus Verzweifelung grub er ein Loch in den Sand, um darin zu schlafen. Genauso eine Verzweiflung spürt auch jemand, der viel gesündigt hat. Plötzlich kam das Kamel zurück. Auf Grund der übermäßigen Freude, die der Mann empfand, wollte er Allah danken. Er rief aus: „Du bist mein Diener und ich bin Dein Herr!“ Vor lauter Freude hatte er sich versprochen. Nach einer Überlieferung des Propheten (s) freut sich Allah über die Reue jedes einzelnen mehr als ein Mensch Freude empfinden kann. Die Reue bringt dich Gott näher, denn in dem Augenblick, in dem du bereust, liebt dich der Barmherzige.
Warum verzeiht uns Gott alle Sünden, wenn wir bereuen? Deshalb, weil er uns zur Verbesserung dieser Welt erschuf: „Ich will einen Statthalter auf Erden einsetzen.“ Sure: Al-Baqarah, Vers Nr.30.
Was wäre, wenn es keine Möglichkeit gäbe, dass Allah sich dir in Reue zuwendet? Falls jemand stehlen und Menschen betrügen würde, dann für seine Taten bereuen, jedoch Allah ihm nicht verzeihen würde, dann würde derjenige wieder sündigen. Und dies würde die Welt zerstören.
„Der die Reue Annehmende“ verlangt von dir die Verringerung deiner Schwachpunkte im Leben und eine Verbesserung, wogegen Al-Schakur („der Dankbare“) deine Stärken schätzt.
Durch die Reue lernt man Gott mit seiner Großartigkeit, Barmherzigkeit, Gnädigkeit, aber auch als gerechten Vergelter („Al-Muntaqim“) kennen.
Jemand könnte jetzt fragen, warum Gott uns von Anfang an sündigen lässt? Allah ist derjenige, der seine Diener erzieht. Er weiß alles über Dich. Wenn jemand ohne Sünden leben würde, sondern nur gehorsam wäre, würde das Eitelkeit und Selbstgefälligkeit in ihm hervorrufen.
Es gibt noch eine andere, sehr schöne Bedeutung für Reue, durch die du sie lieben lernst:
Der Gottesname „Al-Tawab“, (der die Reue Annehmende) steht in einer engen Beziehung mit dem Gottesnamen „Al Rahim“, der Barmherzige“. Das Wort „Reue“ wird immer zusammen mit dem Wort „Barmherzigkeit“ zitiert. Doch bevor ich auf diese Beziehung eingehe, möchte ich folgendes fragen: Wie möchtest Du, dass Gott dich behandelt? Mit Seiner Gerechtigkeit oder mit Seiner Barmherzigkeit?
Wenn er dich mit Gerechtigkeit behandeln würde, würde er deinem Handeln freien Lauf lassen. Jedoch wird er dann am Tag der Auferstehung mit dir nach deinen Sünden abrechnen und dich in die Hölle werfen. Doch mit Seiner Barmherzigkeit veranlasst er Dich, zu bereuen. Dieses kann auch durch einen Hinweis von Ihm, durch Unglück oder eine Prüfung geschehen.
Höre deshalb auf den folgenden Satz und präge ihn dir ein: „Es ist besser, du kommst Gott zu Lebzeiten von dir aus näher, als wenn du Gott erst durch den Tod nahe kommst.“
Ich habe mal von einem jungen Mann gehört, für den das Beten Unsinn war. Er hatte auch keine Angst vor der Hölle. Ein Jahr später hörte ich von diesem Mann, dass er ein gläubiger Muslim geworden sei und er in der Moschee beten würde. Ich war erstaunt, wie dieser Wandel vonstatten gehen konnte. Ich erfuhr dann, dass dieser Mann in diesem Jahr eine kleine Pilgerfahrt (Umra) unternommen hatte und er dort die Möglichkeit bekam, in der Kaaba selber zu beten. Diese Begebenheit bewirkte in ihm eine Wandlung zu einem gläubigen Muslim. Als er die Kaaba verließ, bereute er all seine Sünden. Danach fühle er sich wie neu geboren.
Siehst Du, was mit diesem Mann geschehen ist? Möchtest du nun bereuen?
Die Regeln der Reue:
Für die reumütige Umkehr zu Allah gibt es drei Regeln, die du sofort mit deinem Herzen befolgen kannst:
- Bedauern: Der Prophet (s) sagte: „Reue ist Bedauern“. Ohne Bedauern wird keine Reue von Allah akzeptiert.
- Vermeidung der Sünde
- Die Absicht, nicht erneut zu sündigen
Es ist unmöglich, dass ich das Jenseits für die Welt verkaufe, denn die Welt ist wie eine Seifenblase.
Es gibt noch eine 4. Regel für die Reue:
Falls du jemandem sein Recht vorenthalten hast, dann musst du es ihm wieder zukommen lassen. Wenn du jedoch beispielsweise über jemanden schlecht gesprochen hast, dann sage es der betreffenden Person nicht, sondern bitte Allah dafür um Verzeihung und darum, dass sich diese Person dir gegenüber nicht ändert.
Was passiert, falls du doch wieder sündigst?
Solange du deine Sünden bereust, egal wie oft du gesündigt hast, wird Gott die Reue anerkennen, wenn sie aufrichtig ist. Wenn du Allah häufiger um Verzeihung bitten würdest, könnte das ein Schamgefühl in dir erwecken. So sagt Allah auch im übertragenen Sinne: „Vollbringe eine gutes Werk, damit die Schranke der Scham gebrochen wird“, heißt es doch in der Sure Hud, Vers Nr. 114: „Wahrlich, die guten Werke vertreiben die bösen.“
Ramadan ist dazu da, viel Gutes zu tun und die Schranken zur Reue zu durchbrechen. Ramadan ist der Monat der reumütigen Umkehr zu Allah.
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