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2. Sauda Bint Zam'a
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UmMahat Al-Moemenin

Die Mütter der Gläubigen

2. Sauda Bint Zam'a

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Lob sei Allah. Allah segne und schenke dem Propheten Heil.

Heute sprechen wir über Sauda Bint Zam'a (r)[1].

Bevor wir damit beginnen, möchte ich folgendes betonen: Wenn wir über die gnadenvollen Gefährten reden, ist unser Hauptziel, sie noch mehr zu lieben und sie als Vorbild für all unsere Taten zu nehmen. So würden wir ihnen, wenn wir ihnen - so Gott will – im Himmel begegnen, sagen, wie sehr wir sie lieben und dass wir ihren Lebenslauf gelernt haben, damit sie zu unseren Vorbildern werden.

Daher spreche ich jetzt jeden jungen Mann und jede junge Frau an, die noch kein Vorbild haben: Wer kann ein besseres Vorbild sein als die Gefährten und die Mütter der Gläubigen?

Eine Regel, die unsere Herzen und Gedanken beim Erzählen über unsere Mütter, die Mütter der Gläubigen, nicht vergessen dürfen, möchte ich ebenfalls ansprechen, bevor wir anfangen. Allah, der Erhabene, sagt: [Der Prophet steht den Gläubigen näher als sie sich selber, und seine Frauen sind ihre Mütter...] (33:6). Die vom Koran vorbestimmte Regel ist deutlich: [...und seine Frauen sind ihre Mütter...]. Sie sind also unsere Mütter.

Wir zeigen euch kurz die Namen unserer Mütter in der Reihenfolge ihrer Ehe mit dem Propheten (s)[2]:

· Chadidscha Bint Chuwailid (r)

· Sauda Bint Zam’a (r)

· A’ischa Bint Abu Bakr (r)

· Hafsa Bint U’mar Ibn Al-Chattab (r)

· Zainab Bint Chuzaima (r): Sie lebte 3 bis 8 Monate mit dem Propheten (s) zusammen und ist dann gestorben. Damit hat sie am kürzesten mit ihm zusammengelebt.

· Umm Salama (Hind Bint Abu Umaima) (r)

· Zainab Bint Dschahsch (r)

· Dschuairia Bint Al-Harith (r)

· Safia Bint Hujai Ibn Al-Achtab (r) (die Tochter eines jüdischen Stammesführers)

· Umm Habiba (r) (Ramla Bint Abu Sufian)

· Maria Bint Scham’un, die Ägypterin (r)

· Maimuna Bint Al-Harith (r)

Während des Lebens des Propheten (s) sind nur zwei seiner Frauen gestorben: Chadidscha (r) und Zainab Bint Chuzaima (r). Alle Frauen kamen von der arabischen Halbinsel außer Maria (r). Sie kam aus Ägypten.

Die Zeit von Chadidscha (r) bis Sauda (r)

Bei unserer Erzählung von der Geschichte Saudas (r) müssen wir dort beginnen, wo die Geschichte von Chadidscha (r) endet. Dabei müssen wir die hohe Stellung von Chadidscha (r) beim Propheten (s) berücksichtigen. Chadidscha (r) hatte dem Propheten (s) drei Knaben geboren: Al-Qasim, der älteste, Al-Taher und A’bdullah. Außerdem gebar sie ihm vier Mädchen in folgender Reihenfolge: Zainab, Ruqayya, Umm Kulthum und Fatima. Die drei Jungen starben noch zu Lebzeiten ihrer Mutter.

Das ist jetzt eine passende Gelegenheit, diese Geschichte jeder Mutter zu widmen, deren Sohn oder Tochter gestorben ist. Denn auch unserer Mutter Chadidscha (r) sind drei Söhne gestorben. Sie war geduldig, deshalb wurde ihr verkündet, dass sie ins Paradies geführt werde. Vielleicht zeigt dies Gottes Weisheit, dass unsere Mutter, deren Sohn gestorben ist, zu unserem Vorbild wird.

Chadidscha (r) starb und hinterließ ihre vier Töchter: Zainab war verheiratet mit Abu Al-A’as Ibn Al-Rabi’, Ruqayya war verheiratet mit dem ehrenvollen U’thman Ibn A’ffan, Allahs Wohlgefallen auf ihnen. Sie waren nach Habascha[3] ausgewandert und noch nicht zurückgekommen. D.h. nach dem Tod von Chadidscha (r) blieben nur Fatima und Umm Kulthum in ihrem Haus zurück. Erwähnenswert ist, dass Ruqayya und Umm Kulthum vorher mit den Söhnen von Abu Lahab verheiratet waren, bis im Islam verboten wurde, dass eine Muslimin einen Nicht-Muslim heiratet. Nach der Offenbarung wollte Abu Lahab den Propheten (s) überlisten, indem er seinen Söhnen befahl, die Ehe mit den Töchtern des Propheten (s) zu scheiden. Danach heiratete Ruqayya den ehrenwerten U’thman Ibn A’ffan (r), während Umm Kulthum im Haus ihres Vaters unverheiratet zurückblieb. Stellt euch vor, dass Chadidscha (r) das alles erlebt hat: den Tod ihrer Söhne, die Scheidung ihrer Töchter und die Auswanderung ihrer anderen Tochter. Welch eine großartige Frau sie war, Allahs Wohlgefallen auf ihr.

Lasst uns versuchen, uns das Haus des Propheten (s) in dieser Phase vorzustellen.

Fatima wurde ein oder zwei Jahre nach der Berufung des Propheten (s) geboren, Chadidscha (r) dagegen starb im 10. Jahr nach der ersten Offenbarung. Der Prophet (s) war zu dieser Zeit 50 Jahre alt, während Fatima acht oder neun Jahre alt war (das Jahr ihrer Geburt ist nicht genau bekannt). Der Prophet (s) war mit seiner Berufung und dem Kampf gegen die Feinde des Islam beschäftigt. Wer konnte nun für das Haus sorgen?

Frauen spielen eine wichtige Rolle im Leben des Propheten (s)

Bevor wir mit der Ehe vom Propheten (s) und Sauda (r), die in das Leben des Propheten (s) eintrat, fortsetzen, erklären wir die Rolle der Frauen im Leben des Propheten (s) und wie Frauen im Islam geehrt werden. Die Wahrheit oder das Problem ist, dass die Frau getäuscht wird, indem man ihr sagt, dass der Islam sie nicht respektiert und dass er sie von der Gesellschaft separiert. Aus einer etwas ehrlicheren und objektiveren Perspektive finden wir aber heraus, dass Frauen im Leben des Propheten (s) und auch zu Beginn des Islam eine außergewöhnlich einflussreiche Rolle spielten. Folgende Beispiele unterstützen dies:

Was beweist die Stellung der Frau im Islam besser als unser Wissen, dass es eine Frau war, die sich als erste nach dem Propheten (s) vor Gott niederwarf, die als erste nach dem Propheten (s) Gott diente, ihr Geld als erste für Gott spendete und der auch als erste verkündet wurde, dass sie ins Paradies geführt werde, und dies bevor man die anderen 10 Männer[4] mit dem Paradies verhieß. Stellt euch vor, dass all dieser Segen einer einzigen Frau galt, und zwar unserer Mutter Chadidscha, Allahs Wohlgefallen auf ihr.

Der Prophet (s) ging nie zu einem Kriegszug, ohne Frauen mitzunehmen. Die erste Märtyrerin war eine Frau, Somaya Umm A’mmar. Auch war der erste Märtyrer in Europa die Frau Umm Haram Bint Melhan, und ihr Grabmal liegt immer noch in Zypern. Auf diesem Grabmal steht: „Das Grab der rechtschaffenen Frau“.

Überdies ließ der Prophet (s) in all seinen Plänen den Frauen ebenso eine Rolle zukommen wie den Männern. In seinem Plan für den Feldzug "Uhud" war vorgesehen, dass niemand die Stadt verlassen soll, damit die Männer die Gegner in den Gassen und die Frauen sie von den Dächern bekämpfen. Hier hätte die Frau also eine grundlegende Bedeutung gehabt, wenn der Plan nicht von den Muslimen missachtet worden wäre, denn sie zogen stattdessen den Feinden entgegen.

Bedeutend war auch, dass die Mutter der Gläubigen Umm Salma (r) dem Propheten (s) die richtige Lösung empfahl, als die Muslime es abgelehnt hatten, nach der Schlichtung von Hudaibiya ihr Opfertier zu schlachten und sich nach der Wallfahrt zu rasieren. Umm Salama (r) riet dem Propheten (s), selbst mit diesen Vorgängen zu beginnen, und so machten die Muslime es ihm nach.

Aufgrund von Umm Hanii hat der Prophet (s) eine politische Entscheidung geändert, als sie bei der Eroberung Mekkas zwei der größten Feinde des Islam in Schutz nahm. Der Prophet (s) sagte daraufhin zu ihr: „Wir nehmen diejenigen in Schutz, die du in Schutz genommen hast, Umm Hanii.“

Es gibt weitere zahlreiche Beispiele. Können wir uns nun die Rolle der Frau im Islam vorstellen? Ich spreche jede Frau an, die hier mit uns ist: Hast du jetzt deine Stellung und deinen Wert im Islam erkannt? Alles, was der Frau über den Islam gesagt wird, ist ein Trugbild. Wie oft begrub der Prophet (s) eine Frau? Wie traurig war er, wenn eine arme Frau begraben wurde, ohne dass er davon wusste und ohne dass er für sie beten konnte, weil man ihn müde gefunden hatte? Siehst du, wie geehrt du bist? Der Islam hat dich von Anfang an geehrt!

Er schwieg, und ich sagte zu ihm: „Wer aber bleibt im Haus und bei den Kindern, Gesandter Gottes?“

Gehen wir zurück zum Haus des Propheten (s). Dort befanden sich nur noch Umm Kulthum (r) und Fatima (r). Wer würde diese Situation verändern? Wir haben angefangen, von der Frau zu erzählen, die zum Propheten (s) kam. Wer war diese Frau? Es war Chaula Bint Hakim, die Frau von U’thman Ibn Maz’un, einem Gefährten, der im Islam großartige Taten vollbracht hat. Chaula kam also zum Propheten (s) und fand ihn sehr traurig auf, denn er trauerte um Chadidscha, Allahs Wohlgefallen auf ihr. Da fragte Chaula ihn: „Gesandter Gottes, willst du nicht heiraten?“ Chaula berichtete, dass er sehr lange schwieg, bis sie seine Tränen sah. Er antwortete: „Gibt es nach Chadidscha noch eine?“

Bevor wir weitermachen, verharren wir kurz bei diesem letzten Satz. Erkennt ihr die Treue und Liebe? Können wir uns eine schönere Liebesgeschichte vorstellen? In unserer jetzigen Zeit vermissen wir diese Art von Liebe. Nachdem nun 1400 Jahre vergangen sind, ist es kaum mehr möglich, bei uns zu Hause diese Art von Liebe zu finden. Wir schauen uns romantische Filme an, aber uns ist es nicht ganz möglich, diese Liebe zu Hause zu erleben.

Nun zurück zu unserer Geschichte: Nachdem der Prophet (s) ihr geantwortet hatte, meinte Chaula: „Hätte ich ihn nur nicht angesprochen.“ Sie hatte bemerkt, dass sie ihn wieder an seinen Schmerz erinnert hatte. Dann sagte Chaula zum Propheten (s): „Wer kümmert sich um das Haus und die Kinder, Gesandter Gottes?“ Da antwortete der Prophet (s): „Wer?“ Gemeint war die Frage, wer für diese Aufgabe geeignet wäre. Chaula sagte: „Wenn du möchtest, dann wäre da eine Jungfrau oder aber eine Frau, die schon einmal verheiratet war.“ Er fragte sie: „Welche Jungfrau und welche andere Frau?“ Chaula antwortete: „Die Jungfrau ist A’ischa, die Tochter eines deiner liebsten Gefährten, und die andere Frau ist Sauda Bint Zuma’a Ibn Qais. Ihr Mann Al-Sukran Ibn A’mr ist gestorben, und sie hat niemanden mehr.“ Da sagte der Prophet (s): „Fang mir Sauda an. Geh zu ihrer Familie und sprich mit ihnen. Nenne meinen Namen und sage, dass ich um ihre Hand anhalten möchte.“

Herkunft

Sauda Bint Zuma’a Ibn Qais (r) und der Prophet (s) hatten den gleichen Urgroßvater der siebtletzten Generation. Auch sie kam aus Mekka vom Stamm Quraisch. Ihr Vater war kein Muslim, und lebte sehr lange.

Sauda (r) war eine der ersten, die zum Islam übergetreten war. Viele denken, dass die ersten Muslime Männer waren, aber die ersten Muslime waren ganze Familien. Dies ist auch ein guter Aspekt, an dem man – im Gegensatz zu heute - den Zusammenhalt der Familien in jener Blütezeit erkennen kann. Damals ist der Mann zum Islam übergetreten, und seine Frau hat es ihm gleich getan. Dies geschah auch andersherum: erst die Frau und dann der Mann. Deswegen müssen wir bei unserer Partnerwahl aufpassen. Lieber Bruder, suche dir eine Frau aus, die dir helfen kann, Gott zu folgen, und von der du Kinder bekommst, die gottesfürchtig werden. Und du, meine liebe Schwester, pass auf, dass du nicht jemanden heiratest, der dich durch seine Sünden von Gott fern hält, nur weil er gut aussieht und Geld hat. Denn das Resultat wäre, dass die Kinder weit von Gott entfernt aufwachsen, und ihr müsst euch für sie am Tag der Auferstehung vor Allah verantworten. Dann habt ihr aber nichts außer Reue. Wir suchen keine Perfektion, aber es muss bei beiden Seiten der Wille da sein, gemeinsam den rechten Weg einzuschlagen, und man muss sich auch darüber sicher sein. Nicht nur durch Worte, sondern es gibt viele kleine Anzeichen: zum Beispiel sichergehen, dass der andere betet und sein Geld auf islamische Weise verdient.

Sauda (r) lebte in einem dieser Häuser, die zum Islam übergetreten waren. Sie war nämlich verheiratet mit dem Prophetengefährten Al-Sukran Ibn A’mr. Er war einer der Gefährten, die gleich am Anfang dem Propheten (s) zum Islam folgten, und war der Cousin von Sauda (s). So kam es, dass Sauda (r) und ihr Mann zu den ersten Muslimen gehörten, und sie blieben auch gottesfürchtig, als sie der Unterdrückung ausgesetzt waren, die alle Muslime zu Beginn des Islam ertragen mussten. Mit dem Beginn der Auswanderung zogen Sauda (r) und ihr Mann nach Habascha.

Sie beabsichtigte immer vor dem Propheten (s) zu gehen

Sauda (r) war schon älter, als sie den Propheten (s) heiratete, etwa 70 oder 80 Jahre alt. Sie war älter als Chadidscha (r) gewesen war, also auch viel älter als der Prophet (s).

Wenn wir die Geschichtsbücher sehen, finden wir Beschreibungen zu Sauda (r), dass sie eine beleibte Frau gewesen sei. Normalerweise benutzt man diesen Ausdruck bei Männern, die groß, breit und schwer sind. Unsere Mutter (r) hatte einen bestimmten Gang, bei dem der Prophet (s) immer lächeln musste, wenn er ihn sah. Deswegen ging sie extra immer vor ihm, um ihm eine kleine Freude zu machen.

Allah hat unsere Mutter Sauda (r) mit Humor und einer schönen Art zu reden beschenkt, sie war aber keine Schönheit. Sauda (r) lebte sehr lang, sie lebte noch lange nach dem Tod des Propheten (s) und starb in der Zeit von U’mar Ibn Al-Chattab (r).

Ehrlich gesagt hatte unsere Mutter Sauda (r) kein besonderes großes religiöses Hintergrundwissen. Viele Leute denken, dass alle Gefährten sehr religiös waren und den Koran auswendig konnten. Das stimmt aber nicht, es gab auch manche, die nur über wenig Wissen, aber über die Grundkenntnisse verfügten. Das spricht jedoch nicht dagegen, dass sie für den Islam leben, und unsere Mutter Sauda (r) war eine von ihnen.

Das Gerücht

Wie wir bereits erzählt haben, war Sauda (r) mit ihrem Mann Al-Sukran Ibn A’mr nach Habascha ausgewandert. Während ihres Aufenthaltes dort war ein Gerücht im Umlauf, dass der Prophet (s) gesiegt habe und alle Bewohner von Mekka islamisch geworden seien. Somit entschieden sich viele der Muslime in Habascha, wieder nach Mekka zurückzukehren. Natürlich war das nur ein Gerücht, und die Situation in Mekka war sehr schlecht. Denjenigen, die wieder zurückgingen, standen schwere Zeiten bevor.

Sauda (r) und ihr Mann waren unter den Rückkehrern. Während der Reise starb Al-Sukran jedoch, er war schon ein älterer Mann gewesen. So musste Sauda (r) gleich zwei Prüfungen auf einmal bewältigen: zum einen den Tod ihres Mannes, zum anderen, was die Muslime in Mekka von den Nichtmuslimen erwartete. Jetzt wissen wir, wieso sie der Prophet (s) geheiratet hat. Erkennt ihr seine Barmherzigkeit?

Sie wundern sich, aber wir nicht

Als der Stamm der Quraisch von der Heirat zwischen Sauda (r) und dem Propheten (s) hörte, wunderten sich alle. Muhammad (s), der mit der schönen und großartigen Chadidscha (r) verheiratet gewesen war, heiratete nun Sauda Bint Zuma’a (r). Wieso hat er das gemacht? Die Nichtmuslime wundern sich darüber. Wir Muslime jedoch wundern uns nicht darüber, denn wer seine Religion richtig versteht, die Religion liebt und an sie glaubt, der versteht alles, was der Prophet (s) tat.

Wir sagen nicht, dass es eine Aufopferung war, aber es war Barmherzigkeit und Trost, den er (s) Sauda (r) schenken wollte.

Andere fragen sich: Wieso heiratete der Prophet (s) sie selbst und verheiratete sie nicht mit einem seiner Gefährten? Ich sage es noch einmal: Es war Trost und Barmherzigkeit, und wer kann das besser als der Prophet (s) selbst? Ich schwöre bei Gott, er war größer als die Feinde des Islam. Wer zweifelt an der Großartigkeit unseres Propheten (s)? Es ist uns eine Ehre, dass der Prophet (s) der erste war, der der älteren, nicht so hübschen Frau, beistand.

Erst sag meinem Vater Bescheid!

Zurück zur Heiratsgeschichte von Sauda (r). Wir wissen, dass Chaula den Propheten (s) vor die Wahl der Heirat mit einer Nichtverheirateten, nämlich A’ischa (r), oder mit einer ehemals Verheirateten, nämlich Sauda (r), stellte. Der Prophet (s) entschied sich erst für Sauda (r), obwohl er wusste, dass sie verwitwet war, und nicht für die junge A’ischa (r). Chaula ging dann zu Sauda (r) und sagte: „Sei erfreut über die beste Nachricht deines Lebens!“ Sauda (r) erwiderte: „Welche?“ Chaula antwortete: „Der Gesandte Allahs schickt mich, um für ihn um dich zu werben.“ Sauda (r) fragte: „Mich will der Gesandte Allahs heiraten?!“ Chaula antwortete: „Ja, er forderte mich auf, zu dir zu kommen und für ihn um dich zu werben.“ - „Dann sag erst meinem Vater Bescheid“, war ihre Antwort.

Über diese Antwort müssen wir gründlich nachdenken. Wenn Sauda (r) ein hohes Alter erreicht hatte, dann musste ihr Vater hochbejahrt gewesen sein. Damals war er auch noch nicht Muslim. Das war auch nicht das erste Mal, dass sie heiraten wollte, sie war schon einmal mit einem Mann verheiratet gewesen. Nun war sie zudem eine alte Frau. Trotzdem beharrte sie darauf, dass ihr Vater seine Erlaubnis erteilte.

Meine Schwestern, all jene, die hinter dem Rücken der Eltern heiraten wollen, die einen Freund oder einen Kollegen aus der Uni in Anwesenheit zweier Freunde heiraten wollen, ohne der Familie Bescheid zu sagen! Ihr tut damit etwas Verbotenes! Wisst ihr, wie das Ende dieser Tat aussieht? Meistens führt das zu etwas Tragischem, weil der Freund seine heimlich mit ihm verheiratete Freundin später verlässt. Dann belügt sie alle und lebt in ewigem Elend, es sei denn, sie vergilt es durch Allah, den Verzeihenden, den Allerbarmer. Seht ihr, wie diese alte Frau reagierte, als sie um die Heirat gebeten wurde? Ihre Antwort ist doch lehrreich. Wissen wir nicht, dass die Mütter der Gläubigen, die Frauen des Propheten (s), Vorbilder für jede Frau sind?

Dann ging Chaula zum Vater von Sauda und sagte: „Muhammad Ibn A’bdallah schickt mich, um für ihn um deine Tochter zu werben.“ Er erwiderte: „Was für ein Mann! Ihn lehnt niemand ab.“ So heiratete der Prophet (s) Sauda (r), und sie blieben zwei Jahre lang zusammen, ohne dass der Prophet (s) andere Frauen neben ihr heiratete.

Geschichten und Verdienste von Sauda (r)

„..so dass ich fürchtete, dass das Blut aus meiner Nase fließt…“

Ich habe euch erzählt, dass Sauda (r) einen ausgelassenen Charakter hatte und gern mit dem Propheten (s) spaßte. Wir wissen, wenn der Prophet (s) als Vorbeter zusammen mit anderen eines der fünf obligatorischen Gebete verrichtete, dauerte das Gebet nicht lange. Beim nächtlichen Gebet[5] aber dauerte es an. Dieses Gebet ist freiwillig, wer also mit dem Propheten (s) beten wollte, der sollte das Gebet durchhalten.

Einmal betete Sauda (r) mit dem Propheten (s) in der Nacht. Danach stellte sie dem Propheten (s) eine Frage, in der sie auf lustige Weise auf die lange Dauer des Gebetes hinwies: „O Gesandter Allahs, im Gebet haben wir so lange in der Verbeugung innegehalten, dass ich fürchtete, dass das Blut aus meiner Nase fließen könnte. Ich habe dann die Hand vor meine Nase gehalten. Ist mein Gebet noch gültig?“ Der Prophet (s) verstand diesen Scherz und lachte. Da sagte sie: „O Gesandter Allahs, wenn ich mit dir das nächtliche Gebet verrichte, dann verkürze doch die Verbeugungs- und Niederwerfungszeit, damit ich nicht an die Nase fassen muss!“

Die Pilger sind ihr Dank schuldig

Erwähnenswert ist auch, dass die Pilger Sauda (r) großen Dank schuldig sind. Wisst ihr, warum?

Das wissen nicht viele. Sauda (r) war übergewichtig und konnte sich daher nicht so anstrengen. Bei der letzten Pilgerfahrt des Propheten (s) begleitete ihn Sauda (r). Wir wissen, dass die Pilger und Pilgerinnen am 9. Tag vom islamischen Monat Dhul-Hidscha, nachdem sie von Arafat aufbrechen und sich nach Musdalifa begeben, freiwillig bis zur Morgendämmerung in Musdalifa bleiben können. Da Sauda (r) eine betagte, übergewichtige Frau war, konnte sie das Gedränge in Musdalifa nicht ertragen. Sie sagte zum Propheten (s): „O Gesandter Allahs, ich kann nicht bis zur Morgendämmerung bleiben.“ Der Prophet (s) erlaubte ihr dann, dass sie sich vor der Morgendämmerung nach Mina begibt und dort das Ritual des Steinewerfens durchführt. So war sie der Anlass zu dieser Alternative für die Schwächeren. Das Verweilen bis zur Morgendämmerung ist aber besser für diejenigen, die dazu in der Lage sind.

Es muss noch eine andere Geschichte über Sauda (r) erwähnt werden:

Ich schenke meinen Tag A'ischa (r)…

Sauda (r) ging eines Tages, im fünften Jahr nach der Hidschra, zum Propheten (s). Sie war inzwischen alt geworden. Sie sagte zu ihm: „Oh Allahs Gesandter, lass dich nicht von mir scheiden, denn ich wünsche mir, am Jüngsten Tag deine Frau zu sein. Ich schenke meinen Tag A'ischa.“

Die Orientalisten interpretieren dieses Ereignis falsch und behaupten, dass der Prophet (s) sich von ihr scheiden lassen wollte, weil sie alt geworden war. Dieses Argument ist unlogisch, denn sie war von Anfang an schon sehr alt, als der Prophet (s) sie heiratete. Gott behüte! Der Prophet (s) hätte sich in solcher Weise niemals verhalten können. Wie kann man nur auf dieser Weise darüber nachdenken?

Warum sagte sie ihm aber „Bitte lass dich nicht von mir scheiden?“ Die Koranverse, die dem Propheten (s) offenbart wurden, stellten die Frauen des Propheten (s) vor die Wahl, entweder mit ihm weiterzuleben oder sich von ihm scheiden zu lassen. Warum wurden diese Verse offenbart?

Die Frauen des Propheten (s), die mit ihm lebten, mussten das harte Leben des Propheten (s) ertragen. Beim Feldzug von Chaibar und den islamischen Eroberungen wurde viel erbeutet, wovon der Prophet (s) ein Fünftel bekam. Daher begannen die Frauen des Propheten (s), mehr von ihm zu fordern. Sie wollten, dass er (s) ihnen mehr Geld für ihre Ausgaben gibt. Der Prophet (s) aber wollte der Gemeinschaft den richtigen Umgang mit Geld lehren, denn er ist für uns alle das beste Vorbild, nach dem man streben kann. Er konnte nicht mehr ausgeben, deshalb geriet er in einen Konflikt. In dieser Zeit wurden die folgenden Verse der Sure Al-Ahzab offenbart, die die Frauen des Propheten (s) vor die Wahl stellte:

[O Prophet! Sprich zu deinen Frauen: „Wenn ihr das Leben in dieser Welt und seinen Schmuck begehrt, so kommt, ich will euch eine Gabe reichen und euch dann auf schöne Art entlassen. Doch wenn ihr Allah und Seinen Gesandten und die Wohnstatt des Jenseits begehrt, dann wahrlich, hat Allah für die unter euch, die Gutes tun, einen herrlichen Lohn bereitet.“] (33:28-29).

Sauda (r) war die einzige, die zum Propheten (s) ging, als sie den Vers hörte, und ihm diese Worte sagte. Was die Übergabe ihres Tages an A'ischa (r) betrifft, sollten wir erwähnen, dass der Prophet (s) die Wochentage zwischen seine Frauen aufgeteilt hatte, weil er sehr gerecht war. Er verbrachte bei jeder Frau einen Tag. Wenn eine Frau an der Reihe war, ging der Prophet (s) morgens zu ihr und verrichtete dort seinen Mittagsschlaf. Er aß mit ihr das Mittag- und Abendessen, übernachtete bei ihr und betete dort das nächtliche Gebet. Nach dem Morgengebet kehrte er zu ihr zurück und wechselte dann morgens zu der nächsten Frau usw. Daran erkennen wir, wie gerecht der Prophet (s) seine Frauen behandelt hat. Wenn ein Mann jetzt sagt, dass die Mehrehe im Islam erlaubt sei, vergisst er oft zu erwähnen, dass es eine sehr große Sünde ist, wenn er die Ehefrauen nicht gleich und gerecht behandelt. Außerdem wird er am Jüngsten Tag sehr streng über diese Gerechtigkeit befragt.

Als Sauda (r) die Koranverse hörte, hatte sie Angst, dass sie damit gemeint sei. Sie dachte, dass die anderen Frauen jünger und schöner wären als sie. Deshalb entschloss sie sich dazu, dem Propheten (s) etwas zu schenken. Sie schenkte ihren Tag der liebsten Frau des Propheten (s): A'ischa (r). Sie sagte zu ihm: „Oh Allahs Gesandter, lass dich nicht von mir scheiden, denn ich wünsche mir, am Jüngsten Tag deine Frau zu sein. Ich schenke meinen Tag A'ischa.“ Die Behauptungen und Märchen der Orientalisten über dieses Thema sind damit aufgeklärt. Der Anlass ihrer Ansichten waren die Koranverse der Sure Al-Ahzab.

Der Prophet (s) fragte Sauda daraufhin: „Warum willst du das machen?“ Seht, was passiert ist. Der Prophet (s) hatte Mitleid mit ihr. Aber die Situation war sehr schwierig. Jeder andere Mann anstelle des Propheten (s) hätte sich über ihr Angebot gefreut.

Sauda (r) sagte: „Oh Allahs Prophet, ich will meine Nacht A'ischa schenken.“ Der Prophet (s) fragte sie: „Möchtest du das wirklich?“ Sie antwortete: „Ja, Allahs Prophet, ich will das tun, und ich bin damit zufrieden.“ Der Prophet (s) erwiderte daraufhin: „Wie du willst.“

Wir sollten an dieser Stelle über Gerechtigkeit sprechen, die Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gegenüber den Frauen. Es gibt im Koran eine Sure mit dem Namen “An-Nisa“ (die Frauen). Hier möchte ich eine kleine Bemerkung anfügen: Die Namen jeder Sure des Korans haben einen deutlichen Bezug zu der allgemeinen Atmosphäre der gesamten Sure. So bekommt man das Gefühl, dass jede Sure aus einer Einheit besteht und ein Hauptthema behandelt. Es gibt nämlich auch andere Inhalte in den Suren, aber das Hauptthema der Sure kann man leicht herausfinden. Warum trägt die Sure “An-Nisa“ diesen Titel?

Diese Sure behandelt zahlreiche Themen von verschiedenen hilflosen Menschen auf der Welt. Sie spricht über die Waisen und die Schwachen, über die Erbschaft und wie man das Vermögen einer Person nach deren Tod verteilen soll, um die Rechte der Nachkommen und der Hilflosen zu bewahren. Sie handelt von den Unterdrückten und den islamischen Minderheiten. Die Sure trägt den Titel “An-Nisa“, weil die Frauen das passende Symbol für die Unterdrückten sind. Die Sure unterstreicht die Bedeutung der Gerechtigkeit gegenüber den Frauen. Denn wer gegenüber seiner Frau zu Hause gerecht ist, wird auch bei der Verteilung der Erbschaft gerecht sein. Wer seine Frau bei einem Streit gut behandelt, kann die Angestellten, die bei ihm arbeiten, auch gut behandeln. Daran erkennen wir, was Allah uns lehren will: Wer mit Frauen gerecht sein kann, kann mit allen hilflosen Menschen gerecht sein. Der Prophet (s) war ein Symbol für diese Gerechtigkeit gegenüber Sauda (r).

So schenkte Sauda (r) A'ischa (r) ihre Nacht. Damit wurde A'ischa (r) die einzige Frau des Propheten (s), die zwei Nächte hatte.

A'ischa (r) hatte einmal gesagt: „Keine Frau ist mir lieber als Sauda.“ Für diese Zuneigung gibt es zwei Gründe: zum einen, dass Sauda (r) ihr ihre Nacht geschenkt hatte, zum anderen, dass A’ischa (r) sehr jung war, als sie den Propheten (s) geheiratet hatte. Sauda (r) unterrichtete sie und half ihr wie eine Mutter. Deshalb liebte A’ischa (r) sie sehr. Wir sollten aber nicht vergessen, dass Sauda (r) ihre Nacht A'ischa (r) in erster Linie schenkte, um dem Propheten (s) ein Geschenk zu machen und weil ihre Liebe zu ihm so groß war.

Zu guter Letzt

Zum Abschluss unseres Gespräches über unsere Mutter Sauda (r), möchten wir sagen, dass sie nach dem Propheten (s) noch lange Zeit lebte. Sie überlieferte nur fünf Aussprüche des Propheten (s) und starb in der Regierungszeit von U'mar Ibn Al-Chattab (r). Sie wurde in Al-Baqi’[6] begraben

Wir geben hier noch einen schnellen Überblick über die Grabstätten der Mütter der Gläubigen (r). Alle Mütter der Gläubigen auβer Chadidscha (r) und Maimuna (r) wurden in Al-Baqi' begraben. Chadidscha (r) wurde in Al-Mahla, einem Friedhof in Mekka, beerdigt. Der Prophet (s) besuchte ihr Grab, als er Mekka eroberte. Maimuna Bint Al-Harith (r) wurde auf dem Weg von Mekka nach Medina, nahe Mekka, begraben. Die übrigen Frauen und die vier Töchter des Propheten (s) wurden in Al-Baqi' beigesetzt. Die genauen Plätze ihrer Gräber in Al-Baqi' ist uns nicht bekannt. Wir haben aber eine ungefähre Vorstellung, wo sie bestattet sein könnten.

Noch etwas Wichtiges soll hier erwähnt werden: Von allen Propheten (as[7]) und ihren Gefährten gibt es nur drei Grabplätze, deren genauen Ort wir kennen: die Gräber des Propheten Muhammad (s) und seiner beiden Gefährten Abu Bakr (r) und U'mar Ibn Al-Chattab (r). Wir wissen genau, wo diese begraben sind. Es ist Allahs (t)[8] Wille, diese Besonderheit Seinem Propheten (s) und dessen beiden Gefährten (r) zuteil werden zu lassen.

Auch Sauda (r) wurde also in Al-Baqi' Ar-Rarqad beigesetzt. Abu Hureira trug ihre Totenbahre und betete für sie.

Zu guter Letzt kehren wir zum Anfangspunkt zurück. Sauda (r) ist unsere Mutter, erinnert ihr euch? Wenn wir von Chadidscha (r) sprechen, denken wir an unsere Mutter, die vieles mit dem Propheten (s) zusammen ertragen musste. Sie war geduldig und großzügig. Sauda (r) ist unsere nette, barmherzige Mutter, die den Propheten (s) geliebt hatte und ihre Nacht A'ischa schenkte, um den Propheten (s) zu erfreuen und ihm damit ein Geschenk zu machen.



[1] Radya Allahu a’nhu/a’nha: Allahs Wohlgefallen auf ihm/ihr. Wird der Erwähnung der Namen der Gefährten, Nachfolger des Propheten (s) und der Mütter der Gläubigen beigefügt.

[2] Salla-llahu 'alaihi wa sallam: Allah segne ihn und schenke ihm Heil. Segensformel, die nach koranischer Aufforderung (vgl. 33:56) für den Propheten Muhammad gesprochen werden soll. Nach islamischer Tradition wird dies vor allem regelmäßig bei der Erwähnung des Propheten getan.

[3] Habascha: die Gegend von Sudan und Somalia.

[4] Abu Bakr El-Seddik, U'mar Ibn Al-Chattab, U'thman Ibn A'ffan, A'li Ibn Abi Taleb, Talha Ibn U’baid Allah, Sa’d Ibn Abi Waqqas, Al-Zubair Ibn Al-A’uam, Sa’id Ibn Zaid, Abu U’baida Ibn Al-Dscharah, Abd Al-Rahman Ibn U’f

[5] Das Nachtgebet (Qiam Al-Lajl), das man in der Zeit zwischen Mitternacht und Morgengebet verrichtet.

[6] Al-Baqi`: Friedhof in Medina, auf dem die meisten Gefährten und Prophetenfrauen (r) begraben wurden.

[7] A’laihi salam: Friedensgruß, der bei Erwähnung aller Propheten genannt wird.

[8] ta'ala: erhaben. Wird der Erwähnung Allahs beigefügt: Allah, der Erhabene.

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