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SUNNAA’ AL-HAYAT
Lebensgestalter
Die Ausbildung - Teil 1
Im Namen Allahs, des Allerbarmers,
des Barmherzigen. Lob sei Allah, dem Herrn der Welten, und Allahs Segen und Heil
auf seinem Gesandten (s).
Willkommen zu einer neuen Folge
unserer Sendung „Die Lebensgestalter“.
Zunächst werden wir mit dem Ergebnis
unserer Umfrage anfangen. Zur Erinnerung: Wir haben davon gesprochen, dass die
kleinen Projekte, die zur Lösung des Arbeitslosigkeitsproblems in unseren
Ländern beitragen, als ein nationales Anliegen angesehen werden sollen. Der
erste Schritt dazu waren Fragen an die Jugendlichen in den arabischen Ländern,
und zwar: „Wollt ihr arbeiten oder auf einen Job warten? Wäret ihr bereit,
kleine Projekte ins Leben zu rufen, um etwas zu produzieren, oder wollt ihr nur
dastehen, warten und nichts machen?“
Deshalb haben wir die
Arbeitslosigkeitsumfrage durchgeführt. Wir wollen, dass Millionen und nicht nur
Tausende von Jugendlichen daran teilnehmen, damit wir die Stimmen und Meinungen
von Jugendlichen überall hörbar machen und allen zuständigen lokalen und
internationalen Behörden und Institutionen präsentieren können. Wir wollen der
ganzen Welt zeigen, dass die arabische Jugend mutig und motiviert ist und
arbeiten will.
Bevor wir mit dem heutigen Thema
beginnen, möchte ich kurz daran erinnern, dass wir einen Wettbewerb veranstaltet
haben, in dessen Rahmen die besten Aufzeichnungen, Animationen bzw. Karikaturen
über die Entwicklung in unseren Ländern auf den Gebieten der Landwirtschaft,
Industrie, Ausbildung usw. ausgewählt werden sollten. Zahlreiche begabte
Jugendliche haben an dem Wettbewerb teilgenommen. Ein junger arabischer Mann
namens Ayman A’bdu-r-Rahman, der in Kanada lebt, hat den Wettbewerb gewonnen.
Ayman ist ein Beispiel für viele Jugendliche, die voller Hoffnung und Motivation
sind, die ihre Gefühle und ihren Willen zum Ausdruck bringen und zur
Lebensgestaltung beitragen wollen.
Noch besprechen wir in unserer
Sendung die verschiedenen Bereiche des Aufschwungs. Wir sind auf die Bereiche
der Arbeitslosigkeit, der Industrie, der Landwirtschaft, des Handwerks und der
Gesundheit eingegangen. Heute befassen wir uns mit dem Thema „Ausbildung“.
Dieses Thema berührt jeden von uns, denn wir sind entweder selbst Schüler bzw.
Studenten oder Eltern bzw. Verwandte eines Schülers oder Studenten. Die
Ausbildung ist also ein topaktuelles Thema und ist in jedem Haushalt präsent.
Wir werden das Ausbildungsthema
in 4 Folgen abhandeln:
1. Folge:
In dieser Folge werden wir auf die Bedeutung der Ausbildung und ihren
Zusammenhang mit der Entwicklung eingehen. Wir werden die jetzige Lage der
Ausbildung besprechen und anschließend entscheiden, ob die zurzeit angewandten
Methoden richtig oder falsch sind.
2. Folge:
Hier geht es um die Hindernisse, mit denen die Ausbildung in unseren Ländern
konfrontiert wird. Anschließend werden wir zeigen, wie wir unseren Regierungen
und Ländern bei der Überwindung dieser Hindernisse helfen können.
3. Folge:
In dieser Folge werden wir unser Wort jeweils an die Schüler bzw. an die
Studierenden, Lehrer und Eltern richten und besprechen, wie diese Gruppen am
sinnvollsten zusammenarbeiten können.
4. Folge:
Hier geht es um die Bedeutung der handwerklichen und technischen Fertigkeiten.
Wir wollen besprechen, warum und auf welche Weise wir diesem Bereich mehr
Aufmerksamkeit schenken sollen.
In der heutigen Folge geht es also
um die Bedeutung der Ausbildung, wobei ich das Thema auf ungewöhnliche Weise
angehen werde. Die Ausbildung hilft entweder der Entwicklung oder dem Untergang
der Nationen. Sie ist ein Mittel, um die Erde zu erforschen und sie bewohnbar zu
machen.
Lasst uns vom Jahr 2025 träumen, wo
unsere Entwicklungsideen durch die Bemühungen der Jugendlichen, der Schüler und
Studenten und der 700.000 Personen, die an der Befragung teilgenommen haben,
wahr geworden sind. Was hat das denn mit der Ausbildung zu tun? Während wir
träumen, werden wir sehen, wie eng die Ausbildung mit unserem Traum vom
Aufschwung zu tun hat. Während wir träumen, spüren wir die Bedeutung der
Ausbildung. Nun werde ich euch die Wirkung der Ausbildung im Jahr 2025 zeigen.
Versetzen wir uns ins Jahr 2025:
Stellt euch vor, dass ihr in einem Flugzeug seid, das – wie alle anderen
Verkehrsmittel in unseren Ländern - pünktlich um 16:17 Uhr auf dem Kairoer
Flughafen oder auf dem Flughafen von Jeddah, im Jemen oder in Marokko landen
soll. Diese Pünktlichkeit und Ordnung ist ein bekanntes Merkmal unserer Länder,
denn das ist es, was unsere Kinder zuerst in den Schulen lernen. Die Schulen
öffnen ihre Türen morgens um Punkt 8:00 Uhr. Gleichzeitig zeigen die Uhren der
Schüler Punkt 8:00 Uhr; und die Schulklingel läutet ebenfalls um Punkt 8:00 Uhr.
Infolgedessen wachsen unsere Kinder mit einem tiefen Gefühl und einer
aufrichtigen Hingabe für Ordnung auf. Diese Ordnung herrscht in den Schulen, was
wiederum zu einem ordentlichen Volk und wohl organisierten Ländern führt.
Als die Maschine sich auf ihrem
Landeanflug befindet, sehen wir durch die Flugzeugfenster die schönen Gebäude
und die großen grünen Flächen in unseren Ländern und sagen: „O mein Gott, ist
das nicht das Stadtviertel Schubra,
das früher so überfüllt war?“, „Ist das nicht Al-Gharir, das Stadtviertel in
Jeddah, das früher so überfüllt war?“, oder „War dieses Stadtviertel in Sanaa
früher nicht überfüllt?“
Dann sehen wir Jugendliche, die in
den Parks Fußball spielen, um ihre Energie in den Sport zu stecken, und wir
sehen Mädchen, die zusammensitzen und sich unterhalten.
Darüber hinaus sehen wir, dass die
Hausdächer voller Pflanzen verschiedener Art sind. Die Bewohner ernähren sich
von den Früchten der Pflanzen, die sie selbst auf den Dächern angebaut haben.
Wir sehen auch, wie die Familien enge und schöne Beziehungen zueinander pflegen,
in denen Liebe und Freundschaft herrschen, weil die Kinder dieser Familien beim
Anbau der Dachpflanzen zusammengearbeitet haben. Deswegen sind die Dächer aller
Wohnhäuser so grün und voller Pflanzen. Die Dächer sind also schöne Orte
geworden, an denen die Menschen sich versammeln und unterhalten, feiern und die
Früchte ernten, die sie zu ihrer Ernährung brauchen.
Was ist denn passiert, was war wohl
der Anlass für all diese Änderungen? Der Anlass war, dass die Schulen und
Universitäten im Jahr 2008 beschlossen haben, dass die guten Noten für die
Jahresleistung an Studierende vergeben werden, die die Dächer ihrer Häuser
bepflanzt haben, sowie an Studierende, die zum Anbau der Dachpflanzen der
Schulen und Universitäten beigetragen haben. Darüber hinaus wurde im Jahr 2007
beschlossen, dass alle Studierenden an den Universitäten und Hochschulen lernen
müssen, wie sie den Analphabetismus beseitigen können. Studierende, die den
Analphabeten auf dem Land und in den Dörfern Kurse anbieten, sollen Bonuspunkte
bekommen. Die Massenmedien haben ebenfalls dabei geholfen, indem sie die
Analphabeten zur Bildung und zum Lernen aufgerufen haben. Außerdem haben sie
Analphabeten Preise verliehen, die die besten Ergebnisse beim Lernen erzielt
haben. Damit ist die Rate des Analphabetismus in der arabischen Welt in nur
einem Jahr von 60% bis auf 15% gesunken.
Nachdem wir aus dem Flugzeug
gestiegen sind, gehen wir in den Straßen spazieren. Wir beobachten die Gesichter
der Menschen. Da bemerken wir, dass sie anders aussehen als im Jahr 2005, als
die Gesichter betrübt und traurig waren. Sie sehen heute fröhlich aus, voller
Ausstrahlung. Die Augen sind voller Selbstbewusstsein, denn es gibt an den
Schulen jede Woche eine Veranstaltung namens „Die Freiheit“.
Lasst uns nun andere Städte in
Algerien, Tunesien und in der ganzen arabischen Welt besuchen. „O, das ist aber
eine wunderschöne Stadt! Was für eine Stadt ist das?“ - „Das ist die
Jugendstadt, in der die Jugend ihre kleinen Projekte gegründet hat.“ – „Stimmt,
die Stadt ist gefüllt mit Werkstätten und Fabriken, in denen kleine Produkte
hergestellt werden. Wer betreibt denn diese Werkstätten?“ – „Junge Leute und
Universitätsstudenten, wobei einige von ihnen das Studium noch nicht
abgeschlossen haben. Trotzdem haben sie sich neben ihrer universitären
Ausbildung an den kleinen Projekten beteiligt. Jede Gruppe Jugendlicher hat ein
kleines Projekt gestartet, und die Stadt hat ihnen einen Platz zur Verfügung
gestellt, an dem sie ihre handwerkliche Tätigkeit ausüben können.“
Was die kleinen Projekte angeht,
lassen sie sich gut vermarkten und für Millionen von Dollar exportieren. Wohin
werden sie denn exportiert? Sie haben sich neben den chinesischen Produkten auf
dem Markt durchgesetzt. Die chinesische Regierung will sogar ein neues Gesetz
zur Beschränkung der Exporte aus arabischen Ländern erlassen, denn die
Fahrräder, die in China auf dem Markt sind, werden nun aus den arabischen
Ländern importiert. Die arabische Marke „ARAB“ ist nun überall auf der Welt
bekannt und gefragt. Die arabischen Produkte haben also den chinesischen Markt
erobert.
Kannst du dir nun diese Stadt
vorstellen?!
Wie wurde der Aufbau dieser Stadt
denn finanziert? Von den Spenden des Volkes. Jeder hat für den Aufbau dieser
Stadt gespendet, denn man hat an diesen Traum sowie an die Ernsthaftigkeit der
Jugend geglaubt, die sich durch die Befragung der Jugend im Jahr 2005 gezeigt
hat. 3 Millionen Jugendliche haben an der Befragung teilgenommen und
geantwortet, dass sie bereit wären, mit allen Kräften zu arbeiten, um den
Entwicklungstraum in unseren Ländern zu verwirklichen. Die Antworten dieser
Jugend, ihr Mut und ihre Motivation wurden überall in der ganzen Welt
registriert und haben einen tiefen Eindruck hinterlassen. Daraufhin wurden diese
Städte aufgebaut.
Die Arbeitslosigkeit wurde fast
überwunden. Die Arbeitslosigkeitsrate sank von 30% im Jahr 2005 bis auf 4% im
Jahr 2025. All dies verdanken wir den Jugendstädten mit ihren kleinen Projekten,
die wiederum ein Produkt der Befragung waren.
Wohin wollen wir jetzt reisen? Wir
nehmen nun die Bahn. Der Zug ist sehr lang und enthält Tausende von Menschen und
Waren. Er startet in Ägypten, fährt durch Palästina, den Libanon, Syrien, dann
durch die Golfländer, bis er den Jemen erreicht. Der Zug bringt zahlreiche Leute
an die jeweiligen gewünschten Zielorte ohne Visum, denn es existieren keine
Grenzen zwischen den verschiedenen Ländern. Außerdem verwenden alle arabischen
Länder dieselbe Währung, weil sie wissen, dass die Einheit unserer Länder
ziemlich kostbar ist. Zudem organisieren die Universitäten im Sommer
Studentenreisen zu den beteiligten Ländern, weil die Jugend eine gegenseitige
Sympathie zueinander findet, egal welcher Abstammung sie sind. Sie lernen
einander kennen, und damit werden zahlreiche Heiratsmöglichkeiten unter der
Jugend geschaffen.
Der Umgang zwischen den Menschen hat
sich ebenfalls geändert: Dieser ist freundlich, sanft und liebevoll geworden.
Das hat zum Aufblühen des Tourismus geführt. Im Gegensatz zum Jahr 2005 besuchen
mehr als 200 Millionen Touristen die arabischen Länder, denn es gibt in den
Schulen regelmäßig eine Unterrichtsstunde namens “Ethik”, in der die Schüler
lernen, wie sie sich elegant anziehen können, wie sie sprechen und miteinander
umgehen sollen, besonders mit Menschen aus anderen Kulturen. Daher blüht der
Tourismus auf.
Hast du die Moscheen gesehen? Im
Jahr 2025 sind sie zum Morgendämmerungsgebet
verhältnismäßig voll. Die Gebetsstätten für Frauen sind nun ebenso groß geworden
wie die der Männer. Die Frauen haben wie die Männer begonnen, dieses Gebet in
der Moschee zu verrichten, denn die Arbeit im ganzen Land fängt gleich nach dem
Morgendämmerungsgebet an. Das hält die Menschen davon ab, erst um 3 Uhr morgens
ins Bett zu gehen und gegen Mittag aufzuwachen, wie es im Jahr 2005 der Fall
war. Alle Menschen fangen früh mit der Arbeit an. Die Leute zeigen ihre
Frömmigkeit nicht nur durch die Verrichtung der Gebete, sondern durch ihre
alltäglichen Praktiken und Verhaltensweisen sowie durch die zwischenmenschlichen
Beziehungen und durch die herrschende Toleranz zwischen Muslimen und Christen
und zwischen Sunniten und Schiiten.
Was ist passiert? Die Religion ist
kein Nebenfach mehr, sondern ein Hauptfach. Es ist ein Fach, das die
Jugendlichen lehrt, wie sie ihr Land lieben und ihm nützlich sein können. Stellt
euch vor wegen des Religionsunterrichts werden alle anderen Projekte
erfolgreich. Die Schulen leiten ein neues Projekt namens „Mit Glauben
produzieren“. So konnte man mit Hilfe des Glaubens den Aufschwung ermöglichen.
Habt ihr diesen Traum vor euch gesehen? Jetzt wachen wir auf. Und wenn Allah
will, wird dieser Traum mit unseren Bemühungen und durch unsere Hände wahr
werden.
Habt ihr mit mir die Einzelheiten
des Traums verfolgt? Ich sage euch, das ist nicht nur unser Traum, sich auf die
Ausbildung zu verlassen. Es gibt auch andere Leute, die ähnliche Träume hatten,
und ihre Träume sind wahr geworden. Wie in Malaysia. Vor 30 Jahren war die Lage
in Malaysia viel schlechter als unsere Lage heute. Damals träumten die Malaien
genauso wie wir heute träumen. Ihr Traum ist wahr geworden. Als Mahathir
Mohammad, der Ministerpräsident von Malaysia und Begründer ihres Aufschwungs,
bei einem Satellitensender eingeladen war, fragte man ihn in einer direkten
Frage zu Beginn der Sendung: „Was haben Sie getan, um Ihren Traum zu
verwirklichen? Bitte sagen Sie uns, was Sie getan haben! Aber bitte erzählen Sie
nicht eine große Geschichte, sondern seien Sie genau und präzise.“ Mahathir
Mohammad antwortete: „Bei unserem Aufstieg haben wir uns nur auf eine Sache
gestützt: Die Ausbildung nahm 20% des allgemeinen Landesbudgets ein.“ Der
Moderator fragte: „Allein die Ausbildung?“ Mahathir Mohammad antwortete: „Ja,
nur diese. Wir haben an der Nahrung gespart und der Ausbildung mehr gegeben. Der
größte Teil des Landesetats wurde der Ausbildung gegeben. So konnte der Traum
verwirklicht werden.“ Das Ganze ist also möglich.
Wisst ihr, dass die
fortgeschrittenen Länder den größten Teil ihres Budgets nach der Bewaffnung für
die Ausbildung ausgeben? Denn bei der Ausbildung geht es nicht um eine soziale
Arbeit, sondern um die größte Investition, die dem Land nutzen kann. Ohne sie
wird das Land seine Ressourcen verlieren. Wenn das Land nicht produziert, wird
es alle Produkte importieren. Wenn du deine Produkte nicht selbst produzierst,
wirst du immer deine Ressourcen verlieren, so wie die Lage jetzt ist. Merkst du
jetzt, wie wichtig und gefährlich die Ausbildung sein kann und warum die Länder
so viel Geld dafür ausgeben?
Die Frage, die sich jetzt stellt,
ist: Hilft die Lage unserer Länder dabei, dass dieser Traum wahr wird? Ich will
nicht nein oder ja sagen, sondern wir werden versuchen, gerecht zu sein. Es gibt
viele Bemühungen, die von Seiten des Bildungsministeriums und von sozialen
Stellen für die Förderung der Ausbildung getätigt werden. Das ist nicht nur in
einem bestimmten arabischen Land der Fall, sondern das gilt für alle arabischen
Länder. Man gibt sich viel Mühe, und für die Ausbildung wird viel Geld
ausgegeben.
Ein Beispiel für diese Bemühungen
ist, dass die Bildungsausgaben in Ägypten von 8 Milliarden ägyptischen Pfund im
Jahr 1996 auf 16 Milliarden im Jahr 2002 gestiegen sind. In der arabischen Welt
gleicht die Anzahl der Schulen, die in den Neunzigern gebaut wurden, der Anzahl
der Schulen, die in die letzten 100 Jahren gebaut wurden. Dazu soll auch der
Anstieg der Bevölkerungszahlen gerechnet werden, denn die Anzahl der Schüler ist
um 27% gestiegen. Die Sache benötigt aber zehnmal so viel Arbeit und Mühe, denn
die Ergebnisse der Ausbildung in unseren Ländern sind sehr gering und können
keinen Traum verwirklichen.
Ich erzähle euch die Geschichte
eines Landbesitzers, der es völlig ablehnte, einen Agrar-Ingenieur, der an der
Universität Landwirtschaft studiert hatte, auf seinem Grund zu beschäftigen.
Dagegen sagt er aber, er werde besser einen analphabetischen Bauern auf seinem
Land einstellen, der das Land pflügt und den Traktor fährt, denn dieser hat auf
der Landwirtschaftsschule gelernt. Der Uni-Absolvent weiß sicherlich nicht, wie
man mit Ackerland umgehen soll, denn sein Studium war nur theoretisch und hatte
nichts mit dem Feld zu tun. Seht ihr, was unsere Ausbildung bewirkt?
Die Regierungen in unseren
Ländern messen die Resultate der Ausbildung mit dem prozentuellen Anteil der
Abiturienten und Universitätsabsolventen. Sind das 100%? Alle bestehen, weil es
keine Plätze für weitere Studenten gibt. Wenn jemand durchfällt, gibt es keinen
Platz mehr für diesen Studenten, deshalb lässt man ihn weiterkommen. Die Lehrer
und Direktoren lassen den Studenten bestehen, egal ob er gut oder schlecht ist
oder was er geschrieben hat. Die Ausbildungsergebnisse in unseren Ländern werden
auf diese Weise bewertet. Ist das eine korrekte Bewertung?
Das Maß der Bewertung sollte die
Anzahl der Erfinder im Land, die Anzahl der Arbeiter und die Abnahme der
Arbeitslosenquote sein. So können wir die Resultate der Ausbildung richtig
einschätzen.
Vergleichen wir die Anzahl der
Erfindungen in verschiedenen Ländern:
Wir ziehen dazu den Bericht zur
humanitären Entwicklung vom Jahr 2003 heran, den die Vereinten Nationen
herausgegeben haben.
Erfindungen
|
Land |
Anzahl in Mio |
Land |
Anzahl in Mio |
|
Ägypten |
1 |
Frankreich |
195 |
|
Algerien |
2 |
Österreich |
159 |
|
Malaysia |
25 |
USA |
289 |
|
Israel |
71 |
Japan |
1.057 |
Quelle: Bericht zur humanitären
Entwicklung 2003
Das sind Hinweise auf die Ergebnisse
der Ausbildung. Man kann sie auch durch die Vergabe von Nobel-Preisen messen.
Die folgende Tabelle zeigt das ganz klar:
Nobel-Preise
|
Land |
Anzahl |
Land |
Anzahl |
|
USA |
137 |
Russland |
11 |
|
Deutschland |
49 |
Japan |
8 |
|
Großbritannien |
47 |
Schweden |
8 |
|
Frankreich |
18 |
Kanada |
6 |
|
Holland |
11 |
Ägypten |
2 |
Quelle: Bericht zur humanitären
Entwicklung 2003
Anzahl der veröffentlichten
wissenschaftlichen Arbeiten
|
Land |
Anzahl |
Land |
Anzahl |
|
USA |
2.747.000 |
Indien |
155.000 |
|
Japan |
161.000 |
Israel |
81.000 |
|
Großbritannien |
58.000 |
Ägypten |
20.000 |
|
Deutschland |
480.000 |
Saudi-Arabien |
14.000 |
Quelle: Bericht zur humanitären
Entwicklung 2003
Arbeitslosenquote
|
Land |
Anteil |
|
Arabische Welt |
30% |
|
USA |
5% |
|
Japan |
5,4% |
|
Großbritannien |
5,2% |
Quelle: Bericht zur humanitären
Entwicklung 2003
Diese Statistik zeigt uns, dass die
Ergebnisse unserer Ausbildung nicht das bewirken, was wir uns wünschen. Deshalb
sage ich euch, dass wir doppelt so viel Arbeit und Mühe investieren müssen. Die
Ausbildung in unseren Ländern beschränkt sich auf das Aufnehmen: Lernen und dann
auswendig aufsagen. Der Verstand verwandelt sich in einen temporären Speicher,
der die Informationen nur bis zur Prüfung aufbewahrt. Nach der Prüfung sagt der
Student: „Gott sei Dank, jetzt bin ich das los.“
Ein Beispiel dafür ist
Privatunterricht, bei dem es nicht um das Verständnis des Lernstoffs geht,
sondern nur um Prüfungstricks, was du in der Prüfung machen sollst und wie du
die richtigen Antworten finden kannst. Der Privatlehrer zeigt dir alle möglichen
Prüfungsfragen. Ich erzähle euch dazu die Geschichte eines Vaters, der ein sehr
großer Chemiker war. Er sagte zu seinem Sohn: „Du brauchst keinen
Privatunterricht in Chemie, denn dein Vater ist der bester Chemiker in Ägypten.“
Der Vater unterrichtete seinen Sohn in bester Art und Weise. Doch der Sohn fiel
in der Prüfung durch, denn der Vater wusste nicht, dass es nicht um die
Vereinfachung des Faches geht, sondern um das Auswendiglernen. Es ist nicht
wichtig, ob man das verstanden hat oder nicht, wichtiger ist, wie man das beste
Ergebnis in der Prüfung erzielen kann.
Ich möchte, dass ihr diese Art
des Unterrichts stoppt und sie durch drei Dinge ersetzt:
1. Die Entdeckung der
Fähigkeiten und Begabungen der Jugendlichen und Schüler. Dabei stellt sich noch
die Frage, wie wir diese Begabungen entdecken können. Das Ziel ist, die
Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Die Begabungen müssen gefördert werden, sonst
wird es nur Beamte geben.
2. Die Förderung der
Denkfähigkeit und nicht nur des Auswendiglernens.
3. Das Erlernen der
Informationsbeschaffung, damit die Forschung später einen wichtigen Teil des
Lebens ausmacht.
1. Die Entdeckung und
Förderung der Begabungen
In den Industrieländern wird den
Lehrern beigebracht, wie sie die Fähigkeiten der Schüler herausfinden. Wie geht
das? Dem Lehrer wird Folgendes gesagt:
Der Schüler, der viel quatscht –
der in unseren Ländern bestraft wird – könnte redegewandt sein, also wird er bei
Schulveranstaltungen eingesetzt. Der Schüler, der ständig Laute von sich gibt –
dem man in unseren Ländern sagt, er wäre unerzogen, weil er während des
Unterrichts spielt – könnte musikalisch begabt sein. Der Schüler, der die
Schulstunde mit Zeichnen verbringt, darf an der Schülerzeitung teilnehmen, denn
er könnte eine Begabung im Zeichnen haben. Der Schüler, der Papierschwalben
bastelt - dieser Schüler wird in unseren Ländern aus dem Unterricht und für eine
Woche aus der gesamten Schule verwiesen – könnte bei kleinen Projekten aktiv
werden. Für den Schüler, der die Stunde schwänzt, um auf dem Spielplatz Fußball
zu spielen, könnte Zeit organisiert werden, um mit einer Fußballmannschaft zu
trainieren. Der Lehrer im Westen wird dazu ausgebildet, wie er die Fähigkeiten
der Schüler entdeckt. Ich frage mich: Wie viele Begabungen wurden in unseren
Schulen mit Bestrafungen untergraben, weil der Schüler auf einem Papier
gezeichnet hat?
Ich gebe euch ein Beispiel: In
Malaysia wird 20% des Budgets für Ausbildung ausgegeben. Es wurde eine Stunde
für alle Schüler festgelegt, die „Stunde der Entdeckungen“ heißt. Diese Stunde
findet viermal im Monat statt und ist ein Wahlfach. Ein Schüler, der sich dafür
entscheidet, bei dieser Stunde mitzumachen, bekommt vom Staat 1.300 Dollar. Ein
Drittel davon geht an die Schule, die diesen Schüler unterstützt, ein weiteres
Drittel an den Schüler als Belohnung, und der Rest wird für die Finanzierung von
Erfindungen ausgegeben. Wisst ihr jetzt, wieso in Malaysia ein Auto gebaut
werden konnte und bei uns nicht? Seht ihr, wie die Fähigkeiten und Erfindungen
gefördert werden?
Es gibt keine bestimmte Methode,
um diese Begabungen zu entdecken. An einer Universität in den USA wurde unter
den Studenten ein Test durchgeführt, um herauszufinden, wie viele über ihre
Begabungen Bescheid wussten. Nur 3% der Studenten kannten ihre Begabungen. Nach
zwanzig Jahren wurde erforscht, wie sich diese Studenten entwickelt haben, und
es wurde festgestellt, dass das Einkommen dieser 3% alleine gleich dem Einkommen
der restlichen 97% zusammen war, weil sie ihre Begabungen kannten, während sie
noch Studenten waren. Daraufhin entschlossen sich die Schulen und Universitäten
in den USA, wöchentlich eine Stunde abzuhalten, um die Begabungen der Schüler
und Studenten herauszufinden. Dazu wird immer ein Experte herangezogen, der mit
den Schülern zusammensitzt und ihnen Fragen über ihre Vorlieben stellt. Der
Experte befragt den Schüler über seine Ziele, und der Schüler antwortet: „Ich
möchte der größte Erfinder in den USA werden.“ Er bekommt dann Materialien eines
bestimmten Bereiches und fängt an zu arbeiten. Dann wird den Eltern ein Bericht
über die Leistungen des Kindes geschickt. Nach den Sommerferien wird von den
Eltern ein Bericht verlangt, in dem steht, was der Schüler während seiner Ferien
gemacht hat. Wenn er auf diesem Gebiet keine überragenden Leistungen erbringen
konnte, wird ein anderes Themengebiet gesucht, und wenn er Erfolg hatte, werden
seine Begabungen mit Hilfe von Spezialisten gefördert.
Ich rufe die Jugendlichen auf,
dass sie selbst nach ihren Begabungen suchen, wenn sie niemanden finden, der
ihnen hilft. Wir wollen unseren Unterricht verändern. Ich rufe alle auf, die
Begabungen ihrer Kinder herauszufinden und damit schon im Kindergarten ab drei
Jahren anzufangen. Ich rufe die Jugendlichen und alle anderen, die mich hören,
auf, ihre Begabungen zu entdecken. Sag mir nicht, du studierst an der
technischen Universität, sondern sage mir: Was ist deine Begabung?
Seht, wie der Prophet (s) die
Begabungen seiner Gefährten entdeckt hat. Er sagte zu Hassan Ibn Thabet: „Du
bist gut im Dichten“, und zu Abu Bakr: „Du bist gut in der Stammeslehre
der Araber“, und zu Said Ibn Thabet: „Du bist gut im Erbrecht“, und
zu Ali Ibn Abi Talib: „Du bist gut in der Justiz.“ War es nicht so? Hat
der Prophet (s) nicht die Aufgaben nach den Fähigkeiten verteilt? Die Quraisch
haben den Propheten (s) in einem Gedicht beschimpft. Der Prophet (s) sagte zu
Hassan: „Der Engel Dschibril unterstützt dich, solange du dich für Allah und
seinen Gesandten einsetzt“ (Sahih Muslim). Seht, wie er die Begabung
gefördert hat und zu Hassan sagte: „Dschibril ist mit dir, antworte den
Quraisch, er unterstützt dich.“ Hassan sagte: „Ich werde ihnen antworten,
Gesandter Allahs“. Da sagte der Prophet (s) zu ihm: „Nicht so eilig, Abu Bakr
kennt die Abstammungen der Quraisch am besten, und ich bin mit ihnen verwandt.
Er wird dir meine Abstammung erklären“ (Sahih Muslim). Wieso? Weil Hassan
die Stämme der Quraisch nicht gut kannte. Er hätte somit die Quraisch und
gleichzeitig den Propheten (s) beleidigen können. Aber Abu Bakr kannte sich mit
den Stämmen gut aus, deshalb hat er Abu Bakr beauftragt, Hassan zu helfen.
Hassan Ibn Thabet schrieb das Gedicht, und Abu Bakr sagte ihm, welche Stämme der
Quraisch er wählen sollte, die nicht mit dem Propheten (s) verwandt waren. Das
Gedicht erreichte die Quraisch und verärgerte sie, und Abu Suffian sagte: „Ich
schwöre, Abu Bakr steckt hinter dem Gedicht.“ Erkennt ihr die Begabungen?
2. Die Förderung der
Denkfähigkeit
Der Lehrer sagt den Schülern, sie
sollen die Multiplikationstabelle auswendig lernen, um zu wissen, wie viel 6x5
ist. Der Schüler schreibt die Tabellen hundertmal auf, das Gehirn ist dabei wie
ein Speicher. Oder aber der Lehrer sagt: „6x5 sind 30 Stück Süßigkeiten“, und er
teilt die Klasse in 5 Gruppen auf, verteilt auf diese Gruppen die Süßigkeiten
und fragt dann, wer die Süßigkeiten schneller verteilen kann. Hat der Schüler
dann etwas gelernt oder nicht? Er lernt, dass 6x5=30 ist, aber er lernt das
nicht, weil er 6x5 hundertmal schreiben musste.
Auch beim Unterrichten der
englischen und arabischen Buchstaben im Vorschulalter bringen wir den Kindern
die Sprache bei, indem sie 30mal A und 30mal B aufschreiben müssen. Aber im
Westen wird für das Kind auf den Boden mit Kreide – dazu braucht man keine
besonderen Mittel – das Spiel „Schlangen und Leiter“ aufgezeichnet. Wenn du die
Leiter erreichst, steigst du auf, und du kommst weiter, bis du das Ende
erreichst und siegst. Das Spiel wird auf den Boden gezeichnet. Im ersten Feld
steht der Buchstabe A. Wenn das Kind auf das erste Feld kommt, weiß es: Der
erste Buchstabe ist A. Der nächste ist B, dann C. Das Kind lernt also
spielerisch, und es lernt, sein Gehirn zu benutzen. Was meint ihr dazu?
Wir brauchen Ideen. Ein deutscher
Physiker, der vor zwei oder drei Jahren den Nobelpreis gewonnen hat, wurde
gefragt, wie er den Nobelpreis erreichen konnte. Er antwortete ganz einfach:
„Meine Mutter hat mich als kleines Kind so erzogen, dass sie mich jedes Mal,
wenn ich von der Schule zurückkam, fragte: „Wie viele nützliche Fragen hast du
dem Lehrer heute gestellt?“ Ich musste auf ihre Frage eine Antwort haben. Ich
begann, ihr die Fragen zu erzählen, und sie sagte mir, ob diese nützlich waren
oder nicht. Ich lernte mit der Zeit, nützliche Fragen zu finden, und das Gehirn
fing an zu arbeiten. Dann gewann ich den Nobelpreis.“
Es ist Unrecht, unsere Kinder so
umzubringen. Wir bringen sie wirklich um! Erinnert euch an die Worte Allahs:
[und wenn das lebendig begrabene Mädchen gefragt wird: „Für welch ein Verbrechen
wurdest du getötet?“] (81:8-9). Jetzt begraben auch wir unsere Kinder
lebendig. Diese Tat ist aber unsichtbar, sie wird von uns an den Gehirnen
unserer Kinder in den Schulen und Universitäten vollzogen. Wir müssen die
Fähigkeiten der Phantasie fördern, denn so fängt das Denken an. Einstein sagte:
„Die Phantasie ist stärker als das Wissen, denn die Phantasie kommt mit dem
Wissen.“ Wie können wir das Denken mit Hilfe der Phantasie fördern? Was sagt ihr
dazu, wenn wir das Fach Geschichte so gestalten, dass der Lehrer einen Schüler
aussucht, der die Rolle eines Soldaten in den Truppen von Salahu-d-Din spielt,
und einen anderen, der die Rolle eines Soldaten in den Truppen von Richard
Löwenherz übernimmt, und ihnen sagt, sie sollen über die Eigenschaften von
Salahu-d-Din und Richard Löwenherz diskutieren? Wieso machen wir das nicht so?
Kostet uns das Geld? Oder ein Budget? Nein, es kostet uns nichts.
Wenn es um freies Schreiben geht,
sehen wir, wie der Lehrer die Schüler auffordert, einen schönen Garten zu
beschreiben. Warum fordert er sie nicht auf, eine Diskussion zwischen einem
Soldaten von Salahu-d-Dins Armee und einem von Richard Löwenherz Armee zu
schreiben? Doch nur so würden wir die Begabungen der Schüler entdecken und sie
zum Denken bewegen. Eine ganz einfache Sache.
Stellt euch vor, der Lehrer redet
50 Minuten, und die Schüler sitzen dort mit dem Gesicht auf die Hände gestützt,
manche spielen, oder sie schreiben und zeichnen auf einem Blatt Papier. Ist das
nicht ungerecht? Der Lehrer sollte nur 20 Minuten insgesamt reden, und die
restliche Zeit sollte für die Diskussion überbleiben. Die Aufforderung zum
Diskutieren fördert das Denken und die Phantasie. Das Problem liegt nicht in der
Art, wie der Lehrer zu den Schülern spricht, sondern in der Art, wie die Klassen
organisiert sind. Anders als in vielen anderen Ländern der Welt sind unsere
Klassen in Reihen organisiert, stimmt es? Wisst ihr, was das bedeutet? Der
Schüler wird gezwungen, dem Lehrer zuzuhören, denn die Art, wie die Schüler
sitzen, zwingt sie dazu. Die richtige Form, die Klasse zu organisieren, wäre,
sie in Gruppen aufzuteilen. An jedem Tisch sitzen fünf Schüler. Es findet eine
Unterhaltung und eine Diskussion zwischen den Gruppen statt. Der Lehrer
erleichtert das Lernen und spricht nur ein Drittel der Zeit, und so werden die
Denkfähigkeiten gefördert. Stell dir vor, wenn der Lehrer die Schüler in
Rhetorik trainiert, wie sie einander zuhören und miteinander diskutieren. Was
werden sie lernen? Gut zuzuhören, zu diskutieren und in einer Gruppe zu
arbeiten.
Wir schaffen es beim
Freitagsgebet nicht, in einer geraden Reihe zu stehen. Wir streiten uns und
wollen nicht nebeneinander stehen, weil wir in der Schule nicht gelernt haben,
in Gruppen zu arbeiten. Firmen aus verschiedenen Ländern vereinen sich zu großen
Konzernen und helfen sich gegenseitig, weil sie das in der Schule gelernt haben.
Bei uns stirbt der Vater und hinterlässt ein großes Vermögen. Die Kinder teilen
es auf, und jeder nimmt seinen Anteil, denn sie haben nicht gelernt, gemeinsam
zu arbeiten. Wir gehen auseinander, weil wir unfähig sind, Gruppenarbeit
auszuüben.
Wir können gegenseitige Kritik
nicht ausstehen. Jeder beharrt auf seiner eigenen Meinung, weil das
Auswendiglernen in den Schulen die Oberhand hat. Nur der Lehrer spricht. Ein
Lehrer in England stellte einmal zwischen zwei Schülern ein Holzbrett in Form
der Zahl 7 auf Arabisch (wie der Buchstabe ‚V’) auf. Jeder der beiden Schüler
stand auf einer anderen Seite des Bretts, jeder hat die Zahl 7 von einem anderen
Blickwinkel betrachtet. Der eine sah eine 7, der andere eine 8 (die 8 auf
Arabisch wird wie ein auf dem Kopf stehendes ‚V’ geschrieben). Auf diese Art
lernten die Schüler, dass die Existenz von mehr als einer Meinung wahrscheinlich
ist. Jeder der beiden Schüler wurde aufgefordert, seine Meinung zu verteidigen.
Wer den anderen von seiner Meinung überzeugen konnte, gewann einen Preis. Der
Gewinner war dann der Schüler, der dem anderen sagte: „Komm und schau dir die
Zahl von meinem Platz an.“ Wusstest du, dass eine andere Meinung als deine
eigene existieren kann? Im Gegensatz dazu denken unsere Kinder einseitig. Daraus
entstehen Aggressivität und die Unfähigkeit, in der Gruppe zu arbeiten.
Ihr Eltern, ihr Lehrer und
Professoren, was meint ihr zu dem, was wir hier präsentieren? Der Westen hat
noch mehr gemacht. Alle Stunden in einer Woche sollen dem Schüler helfen, eine
bestimmte Idee zu verstehen, und dabei wird die Denkfähigkeit gefördert. Alle
Stunden gehen um das gleiche Thema. Wie? Mit Hilfe des kumulativen Lernens. Wie?
Ein Beispiel ist eine Woche, in der Geographie der Schwerpunkt ist. In der
Geographiestunde wird über den Winter gesprochen. In Geschichte erzählt der
Lehrer von der Niederlage Napoleons in der Schlacht von Waterloo wegen der
Eigenschaften des Winters, der ein Hauptgrund der Niederlage war. In der
Literaturstunde wird über das Beschreiben des Winters gesprochen, in Biologie
über den Winterschlaf mancher Tiere. Was passiert mit den Schülern? Sie
konzentrieren sich auf eine Information. Hier seht ihr die Aufgabe der
Lehrbeauftragten und der Regierung.
Das kumulative Lernen wird in
einem einzigen arabischen Land angewendet, in Palästina. Ich lese euch einen
Brief von einem jungen Mann im Alter von 19 Jahren vor. Dieser Jugendliche hat
diesen Brief an eine Internetseite geschickt. Er schreibt: „Ich bin ein junger
Mann im Alter von 19 Jahren. Mein Problem hat begonnen, als ich in die
Mittelschule kam. Ich war sehr begabt, habe Bücher aller Art gelesen, war
fleißig und sportlich und hatte neue Ideen. Ich habe alles gelernt, weil ich das
wollte, ich habe viel geforscht. Mit neun Jahren habe ich gelernt, alles zu
basteln, was man aus Palmenzweigen basteln kann, und ich konnte nähen. Ich war
der Beste in der Schule, bis ich in die Oberstufe kam. Die Konkurrenz war stark,
ich musste mich auf den Lehrstoff konzentrieren. Ich habe meine Hobbys
aufgegeben, und meine Leselust erlosch. Ich konzentrierte mich auf die Bücher,
um gute Noten zu bekommen. Das Problem lag darin, dass uns die Lehrer in diesen
Jahren nur ein blindes Auswendiglernen beibrachten. Ich habe meine Begabung
verloren. Nach meinem Schulabschluss litt ich unter dem hohen Druck. Ich war
erst 18, das war ein Resultat der starken Konkurrenz. Das größte Problem ist,
dass ich jetzt nicht mehr wie früher denken kann. Ich kann nicht an der
Universität studieren, ich bin jetzt nämlich die blinde Führung gewohnt. Helft
mir, ich möchte so werden wie ich einmal war.“
Dieser Junge hat seine Meinung
geäußert. Wie viele haben das nicht getan? Sie hören uns und sitzen unter uns.
Helft mir, ihr Eltern, die Denkfähigkeiten zu fördern! Ich habe euch einige
Beispiele in dieser Sendung genannt, denkt jetzt darüber nach!
3. Das Erlernen der
Informationsbeschaffung
Wir unterrichten die Schüler aus
dem Schulbuch. Wenn nicht alles in dem Buch steht, bekommt er vom Lehrer ein
Skript. Haben wir jemals gehört, dass der Schüler in unseren Schulen
aufgefordert wird, nach einem bestimmten Thema in der Bibliothek oder in
bestimmten Büchern zu suchen? Hören wir so etwas? In manchen Ländern wird das
erwünscht, aber die Lehrer üben das nicht aus, weil sie nicht darauf trainiert
wurden, und die Eltern wollen die Informationssuche der Kinder nicht, weil sie
dann bei der Prüfung nicht durchkommen. Das Ziel ist ja die Note und das
Zeugnis.
Manche sagen mir: „Du bohrst in
einen Stein, du bist wie das Wasser, das gegen die Felsen schlägt.“ Ich bin mit
dieser Beschreibung einverstanden, denn wer ist am Ende der Sieger, das Wasser
oder der Felsen? Das Wasser natürlich. Das Wasser ist nicht härter als der
Felsen, und der Felsen glaubt, stärker zu sein, weil er hart ist, aber die
wiederholten Versuche des Wassers verformen den Felsen.
Ich erinnere euch an die Umfrage.
Wir haben die Million noch nicht erreicht. Ich freue mich über die Bemühungen
der Jugendlichen und der Kinder, die diese Umfrage sammeln, Frauen über fünfzig,
Menschen aus Kanada, Deutschland, Frankreich und Norwegen schicken mir die
Umfrage zu. Ich fordere euch Studenten auf, vor Ende des Semesters an der
Umfrage teilzunehmen und sie weiter zu verteilen. Ihr Jugendlichen im Libanon,
in Ägypten und Saudi-Arabien, Jugendliche der islamischen und arabischen Welt,
ich werde die Umfrage hernehmen und eure Stimme der ganzen Welt präsentieren.
Wir werden Erfolg haben und in den Felsen bohren. Was uns heute unmöglich
erscheint, wird morgen möglich sein.
Auf Wiedersehen. Friede sei mit
euch und Allahs Gnade und Segen.
Salla-llahu 'alaihi wa sallam: Allah segne ihn und schenke ihm Heil.
Segensformel, die nach koranischer Aufforderung (vgl. 33:56) für den
Propheten Muhammad gesprochen werden soll. Nach islamischer Tradition
wird dies vor allem regelmäßig bei der Erwähnung des Propheten getan.
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